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Neue Darsteller und ein anderer „Club der toten Dichter“

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Der neue Lieblingslehrer: Michael Rotschopf, hier bei der Generalprobe, im Kreise seiner Schüler. Mehrere Rollen wurden in diesem Jahr neu besetzt. So wirkt das gleiche Stück doch irgendwie ganz anders.
Der neue Lieblingslehrer: Michael Rotschopf, hier bei der Generalprobe, im Kreise seiner Schüler. Mehrere Rollen wurden in diesem Jahr neu besetzt. So wirkt das gleiche Stück doch irgendwie ganz anders. © Steffen Sennewald

Mit lang anhaltendem Applaus haben die Zuschauer am Samstagabend die Wiederaufnahme des „Club der toten Dichter“ bei den Bad Hersfelder Festspielen gefeiert.

Bad Hersfeld – Wer ist der bessere Keating? Das ist hier die Frage, die sich wohl auch viele Besucher der Bad Hersfelder Festspiele bei der Wiederaufnahme des „Clubs der toten Dichter“ stellen. Der Träger des Großen Hersfeld-Preises, TV-Star Götz Schubert, und der ebenso bekannte Theater- und Fernsehschauspieler Michael Rotschopf wechseln sich diesmal aus Termingründen in der Hauptrolle des unorthodoxen Lehrers für Literatur ab.

„Sie werden zwei unterschiedliche Keatings sehen“, hatte Rotschopf im Interview mit unserer Zeitung angekündigt. Und tatsächlich: Obwohl das Stück inhaltlich unverändert geblieben ist, ist es doch irgendwie ganz anders. Das liegt auch daran, dass es im Ensemble sechs Umbesetzungen gab. Neben den wieder anrührend agierenden Protagonisten, dem mit seinem autoritären Vater ringenden Neal Perry (Till Timmermann) und dem schüchternen Todd Anderson (Nico Kleemann, auch sie wurden letztes Jahr mit Hersfeld-Preisen bedacht) sind neue, junge Schauspieler zu sehen. Sie formen voller Spielfreude eine wilde Klassen-Bande, die auszieht, das „Mark des Lebens“ einzusaugen.

Besonders auffallend agieren Klassen-Clown Charlie Dalton – kraftvoll, arrogant und „hormonstrotzend“ (Luke Bischof), Steve Meeks – sehr agil und ganz der angehende Anwalt (Nils Eric Müller), der von Liebe für die entzückende Chris Noel (Eli Riccardi) entflammte Knox Overstreet (Fabian Hanis) und der bedauernswerte Außenseiter und „Streber“ Richard Cameron (Constantin Gerhards) – alles Charaktere, wie sie jeder aus seiner eigenen Schulzeit noch kennt.

Zum Fürchten gut sind auch diesmal wieder Hannes Hellmann als Direktor Nolan, der mit seiner Stimme Gänsehaut machen kann und Torsten Nindel als bornierter Vater von Neal Perry, der seinen Sohn wohl liebt, es ihm aber nicht zeigen kann.

Es sind besonders die jungen Schauspieler, die mit ihrem Temperament und mitreißenden Spiel das Stück vorantreiben. Sie geben der Inszenierung eine neue Dynamik, weshalb das Premierenpublikum am Samstagabend immer wieder spontan Szenenapplaus spendet.

Die beiden Hauptdarsteller unterscheiden sich vor allem in kleinen Gesten und sprachlichen Nuancen. Da ist der etwas distanzierter und „lehrerhafter“ wirkende Götz Schubert, der in der Premiere spielte. Und wir sehen den etwas empathischer, fast väterlich, dabei aber auch unergründlicher erscheinenden Michael Rotschopf, der in der Generalprobe am Mittwoch auf der Bühne stand.

Und wer ist nun der Bessere? Das mögen die Zuschauer entscheiden. Aber man kann ja schließlich auch zwei Lieblingslehrer haben.

Fast acht Minuten Applaus im Stehen sind der verdiente Lohn für eine gelungene Wiederaufnahme, die auch beim zweiten Mal anschauen viel Neues bietet, voll kluger Botschaften steckt und dabei auch zu Tränen rührt.

(Kai A. Struthoff)

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