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Neue Moschee in Rotenburg

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Von: Christopher Ziermann

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Einladung zum Tag der offenen Tür: Dem Rotenburger Farrukh Malik (links), hier mit Sohn Mobariz, ist sehr am Austausch mit den Mitbürgern gelegen.
Einladung zum Tag der offenen Tür: Dem Rotenburger Farrukh Malik (links), hier mit Sohn Mobariz, ist sehr am Austausch mit den Mitbürgern gelegen. © Christopher Ziermann

In Rotenburg gibt es seit einigen Wochen eine Moschee. Die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat hat die früheren Räumlichkeiten der Neuapostolischen Kirche am Toberod gekauft. Mitglieder aus dem ganzen Landkreis kommen dort nun unter anderem zu den Freitagsgebeten zusammen. Ein Thema, das der Gemeinde besonders wichtig ist, ist der Dialog. Deswegen lädt sie nun auch für Sonntag, 18. Dezember, von 10 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

Rotenburg – Bislang hatten die 62 Ahmadiyya-Mitglieder im Landkreis ihr Gemeindezentrum in Asbach, zur Miete. Die Suche nach einem Grundstück, auch für einen möglichen Neubau, lief schon länger. Dann brachte der 60-jährige Rotenburger Farrukh Malik sein Nachbarhaus ins Spiel, das seit Beginn der Corona-Pandemie von der neuapostolischen Gemeinde immer seltener genutzt wurde und nun zum Verkauf stand.

Seit einigen Wochen finden hier nun die Freitagsgebete statt – bislang aber nur für die Männer, weil es nur einen Raum gibt. „Unser Wunsch ist ein Anbau, damit Frauen und Männer gleichzeitig beten können. Wir müssen sehen, ob das mit den Genehmigungen klappt. Vorübergehend könnte es auch erst mal eine Trennwand tun“, sagt der 27-jährige Imam Ijaz Janjua. Doch auch die Frauen der Gemeinde würden das neue Gebäude auch schon jetzt nutzen. Am Wochenende fänden Versammlungen statt – für die Jugend, die Senioren und die Frauen. Ein weiterer Wunsch: Die optischen Erkennungszeichen von Moscheen sind Minarett (Turm) und Kuppel. Auch das ist eine Frage von Genehmigungen.

Auf keinen Fall wird es in Rotenburg den Muezzin-Ruf zu hören geben, der die Muslime zum Gebet ruft. „Das ergibt hier ja auch keinen Sinn. Der Ruf richtet sich an die Mitglieder der Gemeinde. Die allermeisten Einwohner von Rotenburg gehören nicht unserer Gemeinde an und unsere Mitglieder in Bad Hersfeld könnten den Ruf sowieso nicht hören“, erklärt Janjua.

So sieht es in der Moschee aus: Auf dem Fernseher rechts werden mitunter Predigten des Kalifen eingespielt. Der Teppichboden ist in Richtung Mekka ausgerichtet. Unser Bild zeigt Imam Ijaz Janjua (links) mit dem Gemeindevorsitzenden Safdar Latif.
So sieht es in der Moschee aus: Auf dem Fernseher rechts werden mitunter Predigten des Kalifen eingespielt. Der Teppichboden ist in Richtung Mekka ausgerichtet. Unser Bild zeigt Imam Ijaz Janjua (links) mit dem Gemeindevorsitzenden Safdar Latif. © Ziermann, Christopher

Ausstellungen, Flyer, Dialog – der Austausch mit Nicht-Muslimen genießt bei Ahmadiyya einen hohen Stellenwert. Besonders wichtig ist das Farrukh Malik. „Als 2015 die Flüchtlingsunterkunft in Rotenburg eröffnet wurde, hatte ich auch Angst. Wir hatten kleine Kinder und wussten nicht, wer da kommt. Vor Unbekanntem Angst zu haben, ist ganz normal“, sagt er. Als sich im Sommer herumsprach, dass eine muslimische Gemeinde Interesse an dem Gebäude hat, sei auch er angesprochen worden. Malik lebt seit 1988 hier. „Mein Nachbar hat gesagt: Wenn Herr Malik da ist, dann weiß ich, da kommen keine falschen Leute“, erzählt er.

Mit Angst und Vorurteilen hat die Ahmadiyya-Gemeinde unter anderen Muslimen selbst zu kämpfen. In vielen Ländern werden Ahmadiyya-Angehörige als Ungläubige verfolgt. Viele sind deshalb nach Deutschland geflohen. Das gilt auch für den 41-jährigen Bad Hersfelder Safdar Latif. Der IT-Techniker floh mit seiner Familie als Sechsjähriger nach Deutschland. Nun ist er gewählter Gemeindevorsitzender im Landkreis. In Hersfeld-Rotenburg gibt es neben Ahmadiyya noch zwei andere muslimische Gemeinden in Bad Hersfeld und eine in Bebra.

Imam Ijaz Janjua spricht gerne über seinen Glauben – und zwar freundlich und geduldig. Egal ob es um das Thema Frauenrechte, Homosexualität oder Krieg geht: „Wir wollen nicht bekehren, sondern aufklären. Man muss mir auch nicht glauben. Einfach selbst nachlesen im Koran, ist immer das Beste. Wenn mich jemand mit einem Zitat aus dem Koran konfrontiert, dann schlage ich das Buch auf und erkläre den Zusammenhang“, sagt der 27-Jährige, der in Deutschland geboren wurde und sein Theologie-Studium im südhessischen Riedstadt absolviert hat. Ahmadiyya sei die einzige muslimische Gemeinde, die ihre Imame in Deutschland ausbilde, erzählt Janjua. Er schloss sein Studium 2018 ab, verbrachte dann ein Jahr im Ausland (unter anderem Kenia, Spanien und Pakistan) und kam dann 2019 nach Fulda, als Ahmadiyya dort seine Moschee eröffnete. Er ist neben Hersfeld-Rotenburg auch Imam für Teile der Landkreise Fulda und Vogelsberg. Gepredigt wird auf Deutsch und in der vor allem in Pakistan gesprochenen Sprache Urdu. Die Themen orientieren sich dabei am Alltag, sagt der Imam. So standen zuletzt häufig Gesundheit (Corona-Pandemie) und Menschenrechte (Ukraine-Krieg) im Fokus.

Am Tag der offenen Tür sollen die Gäste alle Fragen stellen können, die sie haben. „Wir freuen uns auf den Austausch“, sagt der Imam.

Fotos: Markus Hibbeler/dpa, Wikipedia

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