1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Neue Nachbarn in Rohrbach

Erstellt:

Kommentare

Haus der Hoffnung: Mariell, Marlon und Maxim Grebe (Mitte) mit einigen der ukrainischen Geflüchteten, die jetzt im Haus der Geschwister in Ludwigsau-Rohrbach wohnen.
Haus der Hoffnung: Mariell, Marlon und Maxim Grebe (Mitte) mit einigen der ukrainischen Geflüchteten, die jetzt im Haus der Geschwister in Ludwigsau-Rohrbach wohnen. © Kai A. Struthoff

Wenn man in jungen Lebensjahren bereits ein Haus besitzt, dann hat es das Leben gut mit einem gemeint. Doch Eigentum verpflichtet.

Ludwigsau - Wenn man mit seinem Glück aber Menschen in Not helfen kann, ist das eine besondere Geschichte: Als die Geschwister Mariell (20), Marlon (18) und Maxim (15) Grebe aus Ludwigsau Anfang des Jahres das alte Bauernhaus ihrer Großmutter in Rohrbach übernommen haben, wussten sie noch nicht so genau, was sie mit Haus und Hof anfangen sollten. Doch als Mariell von der Wohnungsnot der Geflüchteten aus der Ukraine hört, sind sich die Geschwister schnell einig, dass sie in ihrem Haus Flüchtlinge aufnehmen wollen. Denn erschwinglicher Wohnraum für Geflüchtete ist auch im Kreisgebiet knapp.

„In Windeseile haben meine Brüder Marlon und Maxim mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden, das große Bauernhaus ratzi-fatzi leer geräumt, renoviert und eine richtig große Gemeinschaftsküche eingebaut“, erzählt Mariell und freut sich über die Hilfsbereitschaft, viele Spenden und die Solidarität der Mitmenschen. Inzwischen wohnen 18 Menschen, meist Frauen mit Kindern aus der schwer-umkämpften Region um Charkiw in Rohrbach. „Die Integration ist in vollem Gange, die Kinder gehen hier zur Schule und sprechen auch schon recht gut Deutsch“, erzählt Mariell.

Die Kosten für die Unterbringung der Ukrainer trägt der Kreis. Doch die Grebes und viele ihrer Freunde kümmern sich und helfen den Neubürgern im Alltag. Das wurde am Freitagabend mit einem Hoffest in der alten Scheune gefeiert. Dabei zeigte sich, dass aus Fremden längst Freunde geworden sind – mit herzlichen Umarmungen, viel Gelächter und einem „babylonischen Sprachengewirr“. Die ukrainischen Frauen hatten mit Fleisch und Fisch gefüllte ukrainische Blinis – eine Art gerollte Pfannkuchen – und Salate zubereitet. Vater Martin Grebe, der in Ludwigsau bei der vergangenen Wahl als Bürgermeister kandidiert hatte und dessen Vater jahrelang Ortsvorsteher von Rohrbach war, bewirtete die Gäste höchstpersönlich. Die Ukrainer, die von Marco Sell aus Bad Hersfeld und dessen Sohn gemeinsam mit mehreren Bürgermeistern des Kreises im Frühjahr aus der Ukraine geholt worden waren (wir berichteten damals) waren ursprünglich in Siegwinden untergekommen. Dort konnten sie nicht bleiben, weil rechtliche Vorgaben die Kostenübernahme durch den Kreis unmöglich machten. Stefanie Bogenhard, die in einer von Grebes Mietwohnung lebt und die Geflüchteten schon in Siegwinden betreut und mit Spenden versorgt hatte, fragte Grebe, ob er nicht Wohnraum zur Verfügung stellen könnte. So nahm die glückliche Fügung ihren Lauf. Beim Hoffest war neben Stefanie Bogenhard und Marco Sell auch Ludwigsaus Erster Beigeordneter Markus Sauerwein vor Ort. „Wir müssen uns alle engagieren und in diesen schwierigen Zeiten solidarisch sein“, sagte Sauerwein. Es gäbe überhaupt keine Probleme mit den neuen Nachbarn im Ort, versicherte er und sieht in den Neubürgern, die Kindergarten und Grundschule besuchen, auch Chancen für Ludwigsau und den örtlichen Arbeitsmarkt. Marco Sell nennt die „Unterbringung in Rohrbach einen Glücksfall“, und Stefanie Borgenhard betont, das von den Geflüchteten „so viel Dankbarkeit zurückkommt.“

Auch Mariell Grebe plädierte dafür, in den Krisen und Veränderungen neue Chancen zu erkennen. In einer kurzen Rede erinnerte sie an Schmerz, Angst und Ungewissheit, die die Ukrainer durchleben müssen und warb dafür, füreinander da zu sein, füreinander einzustehen, sich zu unterstützen. „Ein Lächeln ist eine Sprache, die jeder versteht.“

Von Kai A. Struthoff

Auch interessant

Kommentare