Jan-Niclas Heß ist der jüngste Leiter einer Abfallanlage in Deutschland

Neuer Chef will Mülldeponie in Ludwigsau digitalisieren

Das Foto zeigt Jan-Niclas Heß, den Leiter der Mülldeponie des Kreises Hersfeld-Rotenburg in Ludwigsau, auf der Deponie.
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Freut sich, dass in den kommenden Jahren auf der Mülldeponie viel passieren wird: Jan-Niclas Heß, neuer Chef auf dem 20 Hektar großen Areal in Ludwigsau.

Der neue Chef der Mülldeponie des Kreises in Ludwigsau, Jan-Niclas Heß, ist nicht nur sehr jung, sondern auch ein echter Fachmann. Und er hat viel vor.

Hersfeld-Rotenburg – Jan-Niclas Heß arbeitet dort, wo andere ihren Müll ablagern: Auf der Abfallentsorgungsanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Ludwigsau. Der junge Mann aus dem Vogelsberg ist dort aber nicht irgendwer. Er ist der neue Chef – mit gerade einmal 25 Jahren einer der jüngsten Deponieleiter überhaupt.

Wer sich mit ihm unterhält, hat allerdings das Gefühl, einen alten Hasen vor sich zu haben. Heß weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er den Abfallwirtschafts-Zweckverband des Landkreises (AZV), dem die Anlage „Am Mittelrück“ gehört, schon bei der anstehenden Deponie-Erweiterung beraten und kennt den Betrieb.

Gemeinsam mit AZV-Geschäftsführer Jörg Goßmann hat Heß viel vor: „Ich will vor allem die Digitalisierung auf der Deponie vorantreiben“, sagt er. Grundsätzlich soll die Abfallentsorgungsanlage kundenfreundlicher, umweltfreundlicher und innovativer werden. Viele Arbeitsabläufe und Strukturen seien nicht mehr zeitgemäß. „Wir wollten weg vom Weiter so“, sagt auch Goßmann. In der Vorbereitung der Deponieerweiterung hätten sie „keinen Stein mehr auf dem anderen“ gelassen. Was genau sich alles ändern soll, sei aber noch nicht spruchreif.

Das Know-how, eine Deponie zu leiten, bringt Heß mit. Schon in der Schule hatte er seinen Schwerpunkt auf Umwelttechnik gelegt. Anschließend studierte er in Gießen Umweltmanagement. „Nach dem Bachelor war mir das aber zu allgemein“, sagt der alleinstehende junge Mann, der jeden Tag zwischen Lingelbach (Alsfeld) und Ludwigsau pendelt. Also wechselte Heß an die Technische Universität Dresden und schrieb sich in den Masterstudiengang „Abfallwirtschaft und Altlasten“ ein, den er, wie Goßmann verrät, „mit Bravour“ absolvierte. Zwischendurch machte er ein Praktikum bei einem Büro, das den AZV berät.

Als dann der langjährige Deponieleiter in den Ruhestand ging, hat er sich beworben. „Ich bin natürlich noch Berufsanfänger und habe eine anspruchsvolle Stelle“, weiß Heß, „deshalb bin ich auch auf Unterstützung angewiesen.“ Vor Ort auf der Deponie arbeiten, neben seinem Stellvertreter, im Schnitt acht Mitarbeiter der Firma Fehr-Knettenbrech aus Bad Hersfeld, die für den AZV die Deponie betreibt.

Jan-Niclas Heß sieht seine Aufgabe als willkommene Herausforderung: „Hier wird in den nächsten Jahren sehr viel passieren.“ Unter anderem stehen gleich zwei millionenschwere Großprojekte an. Der AZV will die Deponiefläche auf dem fast 20 Hektar großen Areal bis 2023 erweitern.

Beide Vorhaben sind mit insgesamt 25 Millionen Euro veranschlagt. Allein 14 Millionen Euro soll die Deponie-Erweiterung kosten. Vergrößert werden soll die Deponie um eine sechs Hektar große Fläche, was rund acht Fußballfeldern entspricht. „Damit schaffen wir Entsorgungssicherheit“, sagt Heß. Er rechnet damit, dass auf der neuen Fläche 70 000 Tonnen Abfall pro Jahr anfallen. „Das reicht für weitere 25 Jahre.“

Zudem will der AZV auf der Deponie künftig mehr Abfall recyceln. Als Heß noch ein Kind war, sah das ganz anders aus. Papiertonnen, getrennte Bioabfallsammlungen und den Gelben Sack gab es noch nicht.

„Damals wurde hier vieles einfach abgekippt“, sagt Goßmann. In einem vor 16 Jahren stillgelegten Teil der Deponie, wo unsortiert auch organischer Abfall lagert, muss der AZV nun aus Umweltschutzgründen die Oberfläche abtragen und mineralisch abdichten.

Und damit kennt sich der studierte Abfallwirtschaftler Heß so gut aus wie kaum ein Zweiter – trotz seines jungen Alters. (Sebastian Schaffner)

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