Puzzle unter der Erde

Neuer Radlader für K+S wird in der Grube Hattorf zusammengesetzt

Die Montage hat begonnen: Unter der Erde wurde der Radlader wieder zusammengesetzt. Foto: Heiko Meyer/K+S

Philippsthal. Wo heute Kalisalze gewonnen werden, war einst ein Meer. Das ist zwar schon rund 250 Millionen Jahre her, dennoch findet rund 700 Meter unter der Erdoberfläche ein Stapellauf statt.

Stapellauf – so nennen die Monteure den ersten Start des 826 PS starken Dieselmotors. Der treibt allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern einen riesigen Radlader an. Das Fahrzeug wird künftig dafür sorgen, dass die Produktion auch am Wochenende nicht stillsteht. Denn während unter Tage nur von Montag bis Samstag abgebaut wird, läuft die Fabrik über Tage in der Regel durchgängig – sofern die Produktion nicht wie aktuell wegen des Entsorgungsengpasses für Salzabwässer ruht.

Unterirdische Kammern

Gespeist wird die Fabrik am Wochenende aus fünf Bunkerkammern – unterirdischen Hohlräumen mit einer Kapazität von bis zu 108 500 Tonnen. Um sie zu leeren, schüttet ein Radlader das Rohsalz in ein sogenanntes Rollloch. Ein Förderband transportiert es von dort zum Förderkorb.

Seit 1999 ist dafür ein Schaufellader vom Typ 992 G des US-amerikanischen Herstellers Caterpillar im Einsatz. Die Arbeit mit der 15 Meter langen und knapp 128 Tonnen schweren Maschine verlange von den speziell ausgebildeten Fahrern viel Konzentration, erläutert der Leiter der mobilen Maschinentechnik bei K+S, Peter Budesheim. Durch die Staubentwicklung sähen Männer sowohl den 15 Meter hohen Salzhaufen, als auch das mit einer Neonröhre beleuchtete Rollloch erst mit wenigen Metern Abstand. Zwei Fahrer sind deshalb in einer Schicht im Einsatz, die sich alle 30 Minuten abwechseln.

Nach rund 32 500 Betriebsstunden und einer Generalüberholung wird der bisherige Radlader jetzt durch ein neues Modell desselben Herstellers ersetzt werden. Ein weiterer Grund für die Neuanschaffung: Fällt der CAT wartungsbedingt aus, wird der Bunker mit einem Michigan-Lader aus dem Jahr 1985 geleert. Wegen der geringeren Stundenleistung kommen dann zusätzlich ein kleinerer Fahrlader und ein Berauberfahrzeug zum Einsatz, dessen Spezialarm den Salzhaufen gezielt zum Einsturz bringt.

Der rund 15 Meter lange und knapp fünf Meter hohe neue Lader mit der Typenbezeichnung 992 K passt allerdings am Stück nicht durch Schächte und Strecken. Etwa drei Wochen lang wurde die Maschine deshalb bei der Firma Zeppelin in Lohfelden zerlegt, in Einzelteilen angeliefert und unter Tage gebracht. Direkt im Bunker haben Mitarbeiter von K+S und Zeppelin das überdimensionale Puzzle seit dem Sommer wieder zusammengesetzt.

„Unsere Monteure kennen dadurch später bei der Wartung jede Schraube“, erklärt Budesheim. Während der ersten Anlasser-Umdrehungen hält Mechaniker Rainer Fuchs zunächst den Not-Aus-Schalter fest. Erst soll sich der Öldruck aufbauen. Auf Anhieb springt der Dieselmotor an, die zwölf Zylinder verrichten für einen Koloss dieser Größe geradezu leise ihre Arbeit.

Neuer Radlader wird bei K+S unter Tage zusammengebaut

Sechs Wochen sei das Projekt vor dem Zeitplan, freut sich Peter Budesheim. Bevor der Testbetrieb startet und der Lader Anfang des kommenden Jahres seine Arbeit aufnimmt, muss noch die Schaufel unter die Erde gebracht werden – ebenfalls nicht am Stück, sondern in Einzelteilen.

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