Mehr Mobilität seit 1. August

Neues Schülerticket: Aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg kommt auch Kritik

+
Schüler werden mobil: mit dem neuen Schülerticket Hessen können Jugendliche Busse und Bahnen aller drei Verkehrsverbünde in Hessen nutzen.

Hersfeld-Rotenburg. Deutlich mehr Mobilität verspricht das neue Schülerticket, das seit 1. August für Schüler und Auszubildende in ganz Hessen gilt.

Für 365 Euro im Jahr können Jugendliche damit nicht nur zur Schule oder Ausbildungsstelle fahren, sondern das ganze Jahr alle Linien der drei hessischen Verkehrsverbünde nutzen. Die Karte gilt jedoch nicht für Fernverkehrszüge der Bahn und Fernbusse.

Schüler, die bisher Anspruch auf kostenlose Beförderung zur Schule hatten, erhalten auch das neue Schülerticket Hessen, ohne dafür zahlen zu müssen. Etwa 4500 dieser Fahrkarten hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg an Mädchen und Jungen ausgegeben, deren Schulweg zur Grundschule länger als zwei Kilometer beziehungsweise zur weiterführenden Schule oder zur Grundstufe der Berufsschule länger als drei Kilometer ist. Auch wer eine kürzere Strecke, dafür aber einen besonders gefährlichen Schulweg hat, erhält ein kostenloses Ticket. 

2,4 Millionen Euro hat der Landkreis bereits für die Tickets ausgegeben. Durch das Schülerticket ergeben sich keine Mehrausgaben oder Einsparungen. Anspruch haben alle Schüler, die die zuständige beziehungsweise die nächstgelegene Schule besuchen. An sie wurde das Ticket automatisch ausgegeben. Auch Schüler, die nicht die nächstgelegene Schule besuchen, können das Ticket nutzen. Sie müssen es allerdings selbst beim NVV kaufen und bekommen die Kosten zum Ende des Schuljahres erstattet. Betroffen hiervon sind zum Beispiel alle die Kinder aus Asbach, Kohlhausen und Beiershausen, die die Gesamtschule Niederaula besuchen.

Diese Regelung, die auch in anderen Landkreisen gilt, können viele Eltern nicht nachvollziehen. Nach Angaben von Schülermutter Martina Matthäus aus Asbach sind das 60 bis 70 Kinder. Beim Kreis ist das Problem bekannt. Man denke darüber nach, diese Regelung umzustellen, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. 

Kritik aus Asbach

„Wir verstehen nicht, warum wir ein Jahr auf unser Geld warten müssen“, sagt Martina Matthäus aus Asbach. Gerade in Familien mit mehreren Kindern entstünden da sehr schnell hohe Kosten, stellt sie fest. Dabei spielt es für sie keine Rolle, dass letztendlich die neuen Schülertickets Hessen für die Eltern günstiger sind als die bisherigen Monatskarten für den Bus. 

Wer die Summe für das Ticket, 365 Euro pro Jahr, nicht auf einmal bezahlen kann oder möchte, für den gibt es auch die Möglichkeit der Ratenzahlung. Bei zwölf Monatsraten à 31 Euro beläuft sich der Gesamtbetrag auf 372 Euro im Jahr, also gerade einmal sieben Euro im Jahr oder 58 Cent im Monat mehr als bei der Einmalzahlung. Dennoch sehen die Eltern nicht ein, warum ihre Kinder anders behandelt werden. 

Die Kinder könnten von der Gesamtschule Niederaula genauso beim Kreis für das Ticket angemeldet werden wie die aus Kirchheim, Breitenbach oder den Niederaulaer Ortsteilen, meint Martina Matthäus. Die Schule sei dazu auch bereit, habe sie erfahren. 

Zudem sei die Gesamtschule Niederaula von Beiershausen aus die nächstgelegene weiterführende Schule. Von Beiershausen nach Niederaula seien es etwa fünf Kilometer, zur Konrad-Duden-Schule knapp acht Kilometer. Von Asbach aus sei es, je nach genauem Wohnort, mal etwas kürzer nach Bad Hersfeld, mal nach Niederaula. 

Nicht nachvollziehen kann Martina Matthäus zudem das Argument, dass der Kreis Sorge habe, auf den Kosten für ein Ticket sitzenzubleiben, wenn die Familie wegziehe. Warum diese Sorge nur bei den Kindern aus den Hersfelder Ortsteilen bestehe und nicht bei den anderen, findet Matthäus sehr sonderbar. Die Schule könne im Fall eines Umzugs die einen wie die anderen beim Kreis abmelden, meint sie. „Das sind fadenscheinige Ausreden“, schimpft Martina Matthäus, die auch schon mit dem Landrat über das Problem gesprochen hat, ohne dass dessen Erklärung sie überzeugt habe. 

Die Gesamtschule Niederaula hat übrigens ein relativ großes Einzugsgebiet, weil sie als erste Schule im Kreis vom verkürzten gymnasialen Bildungsgang G 8 wieder zu G 9 zurückgekehrt war. Viele Eltern hatten daraufhin entschieden, ihre Kinder nach Niederaula zur Schule zu schicken. 

Neue Regelung finden 

Beim Kreis werde nun darüber nachgedacht, für diese Kinder und alle anderen, die eine nicht ihrem Wohnort zugeordnete Schule besuchen, eine neue Regelung zu finden, erklärte die Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung. Viele Schüler, die das Ticket Anfang August zugeschickt bekamen, haben es an den letzten Ferientagen bereits für Ausflüge quer durch Hessen genutzt. (zac)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.