Neue Praxis in Niederaula

"Hausärztin als Traumberuf": Montagsinterview mit Ute Härer

Freuen sich auf ihre Patienten: Hausärztin Ute Härer und ihr Praxisteam Monja Gläser-Ripken (links) und Sabrina Buch (rechts)

Niederaula. Landärzte werden überall dringend gesucht. Viele Mediziner haben Probleme, Nachfolger zu finden, vielen Gemeinden droht eine medizinische Versorgungslücke. Anders in Niederaula.

Dort hat jetzt die Hausärztin Ute Härer ihre Praxis neu eröffnet. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt sie, warum das ihr Traumberuf ist.

Frau Härer. Was hat Sie dazu veranlasst, sich in Niederaula als Hausärztin niederzulassen?

Ute Härer: Wir wohnen jetzt seit fast 14 Jahren in Niederaula und die Niederlassung als Hausärztin ist ein lange gehegter Wunsch von mir. Letztes Jahr wurde hier im Ort ein hausärztlicher Kassensitz frei und somit habe ich die Möglichkeit ergriffen und meinen Traum verwirklicht.

Was reizt Sie an der Arbeit mit Patienten auf dem Land?

Härer: Ich habe immer noch den „alten Hausarzt“ vor Augen, wie es ihn früher gab. Er fühlte sich für Alle zuständig und versorgte die ganze Familie, vom Säugling bis zum alten Menschen. Das macht für mich den Reiz aus.

Woran liegt es, dass so viele Hausärzte Probleme haben, Nachfolger zu finden? Warum wollen so wenige Ärzte aufs Land?

Härer: Ich kann das für mich nicht nachvollziehen, weil das immer mein Traum war. Momentan rechnet sich die landärztliche Tätigkeit nicht wirklich. Ein nächtlicher Einsatz beim Autoabschleppen oder ein verstopftes Abflussrohr am Wochenende wird um ein Vielfaches besser bezahlt als eine ärztliche Tätigkeit. Ich hoffe aber, dass sich das wieder ändert und backe für den Anfang eben kleinere Brötchen. Natürlich muss man auch viel investieren, und da handelt es sich nicht um kleine Geldbeträge. Das schreckt sicher viele junge Kollegen ab, den Schritt in die Niederlassung zu gehen.

Sie haben hier ja ganz neu angefangen und nicht eine Praxis übernommen, wo man Einrichtung und Geräte hätte weiternutzen und auf einen Patientenstamm hätte zurückgreifen können.

Härer: Die Möglichkeit gab’s für mich nicht, da dieser Sitz schon seit längerer Zeit nicht genutzt wurde. Die Räume waren nicht so, wie ich mir eine Praxis vorgestellt habe. Zudem haben sich die Patienten in der Zwischenzeit umorientiert. Wir haben jetzt hier bei Null gestartet. Wir haben diese Räume umgebaut und neu gestaltet. Mein Mann hat mir dabei unheimlich geholfen. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft.

Ich war aber schon gut bekannt in der Gemeinde, da ich Urlaubsvertretungen für die Praxis Göbel gemacht habe und auch im Bereitschaftsdienst tätig war. Wir haben jetzt drei Wochen gearbeitet und ich bin ganz zufrieden.

Sorgen um Patienten müssen Sie sich also nicht machen?

Härer: Nein. Und auch die Patienten brauchen keine Sorge zu haben. Sie sind hier in Niederaula und Umgebung sehr gut medizinisch versorgt.

Was bieten Sie hier an?

Härer: Das komplette hausärztliche Spektrum wird von uns abgedeckt. Die ganze Familie kann hierher kommen. Ich habe lange in einer Kinderklinik arbeiten können und freue mich auch auf die Kleinsten der Familien. Ich weiß aber auch um meine Grenzen und scheue mich nicht, einen Facharzt hinzuzuziehen.

Und wie halten Sie’s mit Hausbesuchen?

Härer: Hausbesuche gehören zu den Aufgaben eines Hausarztes und ich tätige diese gerne. Wenn jemand besucht werden muss, weil er hier nicht herkommen kann, zum Beispiel auch die Treppen zur Praxis nicht bewältigen kann, dann komme ich auch in die Häuslichkeit. Da können sich die Patienten drauf verlassen. Zusätzlich übernimmt auch meine Mitarbeiterin Monja Gläser-Ripken Hausbesuche. Sie hat eine Zusatzausbildung als VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis und als nichtärztliche Praxis-Assistentin (NäPa).

Das traditionelle Bild vom Landarzt beinhaltet ja mehr oder weniger eine Verfügbarkeit rund um die Uhr. Wie organisieren Sie das, um auch noch Zeit für die Familie zu haben?

Härer: Ich muss mich bemühen, das gut trennen zu können. Ich bin da ein bisschen vorbelastet. Bei uns zu Hause saßen häufig zu Unzeiten verschiedendste Patienten am Küchentisch mit Wunden, die versorgt werden mussten. Meine Mutter war Gemeindeschwester in Empfertshausen in der Rhön. Ich war das jüngste Kind von vier und quasi immer mit bei der gemeindeschwesterlichen Tätigkeit. Meine Mutter wollte eigentlich Medizin studieren, durfte das in der DDR aber nicht. Sie wäre jetzt sehr stolz. Aber ich denke, ich kann das ganz gut steuern. Und wenn es irgendwann zu viel wird, kriege ich Rückmeldung von Zuhause.

Zur Person

Ute Härer stammt aus Dermbach in Thüringen und hat eine Ausbildung zur Krankenschwester am Diakonissenkrankenhaus in Eisenach absolviert. 1998 begann sie ihr Studium in Jena, das sie 2006 abgeschlossen hat. Dazwischen lag auch die Geburt ihrer Tochter. Anschließend war Ute Härer im schulärztlichen Dienst am Landratsamt und im Klinikum Bad Salzungen tätig. Dort und in der Praxis Dr. Auel in Bad Hersfeld absolvierte sie ihre allgemeinmedizinische Ausbildung. Nach einer Kinderpause, in der sie aber Urlaubsvertretungen und Bereitschaftsdienste übernahm, hat sie sich jetzt den Traum von der eigenen Hausarztpraxis erfüllt. Ute Härer ist mit Dr. Thomas Härer, dem Chefarzt der Orthopädie in Bad Hersfeld, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 14 und 11 Jahren. In ihrer Freizeit ist sie gerne mit ihrem Hund, einem Rhodesian Ridgeback, unterwegs. (zac)

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