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Neuer Verein will Niederellenbacher See pachten: Baden nur für Mitglieder geplant

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Von: Carolin Eberth

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Stellten die Pläne der Arbeitsgemeinschaft Ellenbacher See vor: (von links) Jakob Klassen, Martin Spieker, Jörg Becker und Mario Schneider.
Stellten die Pläne der Arbeitsgemeinschaft Ellenbacher See vor: (von links) Jakob Klassen, Martin Spieker, Jörg Becker und Mario Schneider. © Carolin Eberth

Über die Zukunft des Niederellenbacher Sees soll im April abgestimmt werden. Nun stellt auf den letzten Drücker noch ein neuer Verein ein Konzept vor.

Niederellenbach – Seit fast drei Jahren diskutiert die Alheimer Politik immer wieder über den Niederellenbacher See. In der nächsten Gemeindevertretersitzung am 5. April soll über die Zukunft des Geländes endgültig abgestimmt werden – doch nun hat auf den letzten Drücker eine weitere Gruppe von Bürgern, die ein Konzept für eine Badenutzung erarbeitet hat, offiziell ihr Pachtinteresse angemeldet.

Zur Vorstellung ihrer Pläne lud der erst vor zwei Wochen gegründete Verein Arbeitsgemeinschaft (Arge) Ellenbacher See mit dem Vorsitzenden Martin Spieker am Donnerstagabend nach Heinebach ein – circa 60 interessierte Bürger, darunter viele junge Leute, folgten dieser Einladung.

Vorbild ist unter anderem der Grüne See bei Hundelshausen

Die Arge befasse sich seit vier Monaten mit den Möglichkeiten, wie das Areal um den Niederellenbacher See für verschiedene Interessen genutzt werden und öffentlich zugänglich bleiben kann. Bei ihrer ersten Aktion im Spätsommer vergangenen Jahres habe die Gruppe über 600 Unterschriften gesammelt, die ihr Interesse an einer Badenutzung unterstützen. „Wir lieben diesen See und deshalb stehen wir auch dafür“, sagte Jakob Klassen, der mit Martin Spieker, Jörg Becker und Mario Schneider eine Powerpoint-Präsentation über die Pläne hielt.

Für ihre Recherchen habe die Arge Informationen von verschiedenen Experten zusammengetragen und sich bei vergleichbaren Seen, die nach Gipsabbau entstanden sind, umgesehen, teilte Mario Schneider mit und verwies beispielsweise auf den Grünen See bei Hundelshausen (Ortsteil von Witzenhausen).

Das Konzept sieht vor, dass nur Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ellenbacher See baden dürfen

Mit diesen Erkenntnissen sei schließlich ein Konzept entwickelt worden, das einen Umgang mit den Gefahrstellen findet, bei dem das Haftungsrisiko der Gemeinde übernommen werden kann und auch eine Badenutzung möglich ist. „Mit unserem Angebot bieten wir der Gemeindevertretung unter Umständen einen Königsweg, mit dem sie sich der Haftung entledigen kann und trotzdem eine großflächige Sperrung für die Bürger verhindert wird“, sagte Spieker.

Ihnen sei bewusst, dass der Niederellenbacher See kein richtiger Badesee sei und es bestimmte risikoreiche Bereiche gebe, die gesperrt und der Natur überlassen werden müssen. „Trotzdem wollen wir eine begrenzte Badestelle errichten, um den Bürgern weiterhin die Chance zu geben, dieses tolle Areal zu nutzen“, sagte Spieker.

Das Konzept sieht vor, dass jeder im See baden darf, der Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ellenbacher See ist. Eine Mitgliedschaft kostet 20 Euro für Erwachsene im Jahr. „Zusätzlich soll jedes Vereinsmitglied auch verpflichtet sein, Arbeitsstunden auf dem Areal zu leisten.“ Denn nur so könne verhindert werden, dass der See wie zu früheren Zeiten vermüllt wird, überfüllt ist und unkontrolliert überall geparkt wird.

Gemeinde Alheim will Anfang Anpril über die Zukunft des Sees abstimmen

Dazu soll das Gelände gesichert werden. Eine Sperrung von Bereichen durch Einfriedung, zum Beispiel durch Benjeshecken, sei eine Möglichkeit. Außerdem will der Verein die begrenzte Zugangsmöglichkeit zum See klar definieren, vorgegebene Pfade zur Wandernutzung anbieten und ein großflächiges Parkverbot – außer für Anwohner – verhängen. Auch eine umweltpädagogische Nutzung sei möglich.

Eine rein wirtschaftliche Nutzung des Geländes sei hingegen ausgeschlossen. Allerdings seien Jagd und Beweidung möglich und es könnten Maßnahmen zur Generierung von Ökopunkten erfolgen, die der Finanzierung dienen. „Weitere Quellen für die Erschließung von Geldmitteln können Förderungen und das Regionalbudget sein“, teilte Spieker mit.

Weil die Gemeindevertretung Alheim im April abschließend über die Zukunft des Sees entscheiden will, ginge es nun in die entscheidende Phase. Jetzt könne mit einer möglichst breiten Unterstützung der Bürger noch Einfluss genommen werden. „Danach sind Tatsachen geschaffen, die sogar ein Betreten des Areals für immer verhindern können“, sagte Martin Spieker von der Arge und warb um weitere Mitgliedschaften (bisher 20).

Zusammenarbeit mit dem Verein Niederellenbacher See kam nicht zustande

Eigentlich ist derzeit geplant, das laut einem Gutachten der Oberen Bergbaubehörde einsturzgefährdete, immer wieder von illegalen Badegästen besuchte Areal zu verkaufen an die Firma Beisheim oder das Gelände an Beisheim oder den Verein Niederellenbacher See zu verpachten, der ähnliche Interessen vertritt.

Doch wieso wurde ein zweiter Verein gegründet, wenn sich viele Punkte mit denen des Vereins Niederellenbacher See überschneiden? „Eine Verständigung mit dem Verein ist in den vergangenen Monaten unsere Hauptintention gewesen und nach wie vor die bevorzugte Variante. In großen Teilen decken sich unsere Absichten tatsächlich, wir können uns auch eine Vereinsgemeinschaft vorstellen. Einige von uns sind sogar Mitglied in beiden Vereinen. Doch leider sieht das Konzept des Vereins Niederellenbacher See vor, die Badenutzung explizit auszuschließen“, sagte Spieker. (Carolin Eberth)

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