Unglaublicher Pfusch am Bau

Sanierung der Laufbahn in Obersuhl kostet Gemeinde weitere 500.000 Euro

Die erneute Prüfung des Untergrunds brachte unglaubliche Ergebnisse: Die Laufbahn in Obersuhl muss komplett abgerissen und neu gebaut werden.
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Die erneute Prüfung des Untergrunds brachte unglaubliche Ergebnisse: Die Laufbahn in Obersuhl muss komplett abgerissen und neu gebaut werden.

Trotz erheblicher Kritik und Bedenken haben die Wildecker Gemeindevertreter entschieden, das Drama um die Stadionlaufbahn in Obersuhl zu einem guten Ende zu bringen.

Wildeck - „Lange Leidenszeit“, „katastrophaler Pfusch am Bau“ – die Wildecker Gemeindevertreter und Bürgermeister Alexander Wirth fanden kaum noch Superlative der negativen Art, um das Desaster um die Stadionlaufbahn in Obersuhl zu beschreiben und dann beschlossen sie doch am Donnerstag, das Schreckensprojekt zu einem guten Ende zu bringen und gaben weitere 500 000 Euro für die Sanierung der Bahn frei. Nun besteht die begründete Hoffnung, dass die Bahn nach jahrelanger Sperrung im Frühjahr 2021 wieder für die Sportbegeisterten nutzbar ist.

Die Entscheidung

Die Entscheidung im Parlament fiel einstimmig. SPD, FDP, CDU und Grüne stimmten dafür. Auch ein Mitglied der FWG-Fraktion stimmte mit Ja, zwei weitere FWG-Mitglieder enthielten sich, Dr. Kurt Schreiner (ebenfalls FWG) verließ den Saal aus Protest vor der Abstimmung.

Die Gemeindevertretung entschied, die Kunststofflaufbahn fachgerecht sanieren zu lassen und stellte dafür zusätzlich 500 000 Euro zur Verfügung. Um das finanzieren zu können, wird für dieses Jahr Geld, das im Haushalt für andere Projekte vorgesehen war, umgewidmet. Dazu gehören die Straßensanierungen Am alten Garten und Industriestraße in Obersuhl und die Schaffung zusätzlicher Krippen- und Kindergartenplätze. „Diese Projekte können dennoch in diesem Jahr angestoßen werden oder sind es bereits. Die umgewidmeten finanziellen Mittel müssen wir dann allerdings im Haushalt 2021 wieder bereitstellen“, erläuterte Wirth.

Das neue Desaster

Das neue Desaster um die Laufbahn war im April offenbar geworden. Die Sanierung hatte im April begonnen. Als der Kunststoffbelag abgezogen war, stellten die Mitarbeiter der Sanierungsfirma fest, dass der Asphalt unter dem Kunststoff – also der Unterbau – und auch die Drainage nicht fachgerecht eingebaut worden waren. Die Entwässerung wurde nicht nur nicht fachgerecht, sondern auch unvollständig hergestellt. Das ergab eine Kamera-Befahrung. Bis zu dem Zeitpunkt war man davon ausgegangen, dass der Unterbau in Ordnung und der Kunststoffbelag das Problem war, auf dem sich immer größere Blasen gebildet hatten und der sich an vielen Stellen auch gelöst hatte.

Die neue Prüfung

Es fand also eine erneute Prüfung vor Ort statt. „Das Ergebnis war niederschmetternd“, berichtete Bürgermeister Alexander Wirth. Der Asphalt war in Teilbereichen nicht in der normgerechten Stärke eingebaut worden. Die Dränage war ebenfalls nicht normgerecht eingebaut worden. Die Schotterschicht unter dem Asphalt hat nur etwa die Hälfte der geforderten Mindestschichtdicke. Das Planungsbüro machte dann vor einigen Wochen Sanierungsvorschläge. „Aber nur einer der Vorschläge stellt eine DIN-gerechte Sanierung dar. Und das ist der Komplettabriss und Neubau“, berichtete Wirth. „Aus Sicht des Gemeindevorstands gibt es keine Alternative.“ Das bedeutet, dass die Gemeinde 500 000 Euro mehr für das Projekt zahlen muss, als bislang eingeplant war.

„Bei einer Überprüfung durch unser Ingenieurbüro im Jahr 2008 ergaben sich eine ausreichende Tragfähigkeit der Asphaltschicht und ein normgerechter Einbau der Tragschicht darunter“, berichtete Wirth. „In den vergangenen sechs Jahren meiner Amtszeit gingen wir deshalb von einem normgerechten Einbau des Asphalts aus.“

„Ich warne davor, jetzt intern die Fehler zu suchen. Außer Porzellan werden wir nichts zerstören. Uns hilft nur der Blick nach vorn“, sagte Wirth.

Nachdem das Parlament den Weg am Donnerstagabend frei gemacht hat, soll noch in diesem Jahr der Asphalt erneuert und die Drainage normgerecht eingebaut werden. Der Kunststoff soll im Frühjahr 2021 aufgebracht werden. (René Dupont)

Sanierung kostet 1,1 Millionen Euro

Die Gemeinde Wildeck hatte 600 000 Euro für die Sanierung der Laufbahn in ihrem Haushalt bereitgestellt. Das Land Hessen beteiligt sich mit 100 000 Euro. Jetzt kommen weitere 500 000 Euro an Kosten für die Gemeinde hinzu.

Seit 2015 klagte die Gemeinde gegen die Baufirma und die Planer. Beide wurden zur Zahlung von 200 000 Euro verurteilt. Die Planer haben gezahlt, die Baufirma noch nicht. Zurzeit lässt die Gemeinde prüfen, ob die Schadensersatz-Urteile die neu entdeckten Schäden einschließen. 

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