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Ohne Fahrer in die Kreisstadt - Bürgermeister wollen Anbindung an ICE-Halt Bad Hersfeld mit autonomen Fahrzeugen

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Auf der ehemaligen Kreisbahntrasse zwischen Schenklengsfeld und Bad Hersfeld verläuft, wie hier am Bahnhof Malkomes, der Solztalradweg.
Radler statt Züge: Auf der ehemaligen Kreisbahntrasse zwischen Schenklengsfeld und Bad Hersfeld verläuft, wie hier am Bahnhof Malkomes, der Solztalradweg. Bei der Anbindung an den ICE-Halt setzen die Ostkreis-Bürgermeister deshalb auf autonome Radfahrzeuge statt auf die Eisenbahn. © Hans-Heinrich Hartmann

Die Bürgermeister der Ostkreis-Gemeinden Hohenroda, Philippsthal und Schenklengsfeld wollen ihre Kommunen besser an den ICE-Bahnhof in Bad Hersfeld anbinden und setzen dabei auf autonome Fahrzeuge.

Hohenroda/Philippsthal/Schenklengsfeld – In einem von Andre Stenda (Hohenroda), Timo Heusner (Philippsthal) und Carl Christoph Möller (Schenklengsfeld) unterzeichneten offenen Brief an die Stadt Bad Hersfeld bitten die Rathauschefs darum, die Streckenführung einer entsprechenden Trasse von Schenklengsfeld bis in die Kreisstadt zu prüfen. Die Rathauschefs greifen dabei Überlegungen der Dromos AG auf, die kürzlich bereits ein Konzept für elektrisch betriebene und per App steuerbare kleine Fahrzeuge für bis zu vier Personen vorgestellt hatte, die autonom im Umkreis des Hersfelder Klinikums unterwegs sein sollen. Autonome Fahrzeuge in der Kreisstadt sind schon länger ein Wunsch von Bürgermeister Thomas Fehling.

Das Unternehmen aus München ist einer von vier Kaufinteressenten für das Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn von Schenklengsfeld nach Heimboldshausen, das bislang dem Förderverein Werra-Fulda-Bahn gehört. Durch den ICE-Halt der geplanten Trasse Fulda-Gerstungen in der Kreisstadt ergäben sich für die gesamte Region infrastrukturell immense Potenziale für die öffentliche Verkehrsanbindung, heißt es in dem Schreiben der Bürgermeister. Ziel sei daher eine Anbindung der Kommunen im Ostkreis an den Bahnhof Bad Hersfeld.

Anders als zwischen Schenklengsfeld und Heimboldshausen liegen jedoch zwischen Schenklengsfeld und Bad Hersfeld keine Gleise mehr. Die Strecke wurde nicht nur abgebaut, sondern auch planungsrechtlich entwidmet. Auf dem Bahndamm verläuft heute der Solztalradweg. „Die Wiederherstellung einer Bahntrasse von Schenklengsfeld nach Bad Hersfeld ist nach deren Rückbau zum Fahrradweg sicher aussichtslos“, heißt es deshalb in dem offenen Brief. Um in keinen Interessenkonflikt mit angrenzenden Wohngebieten zu geraten, müsse der Betrieb zudem umweltfreundlich und emissionsarm erfolgen. „Ein nachhaltiges und zukunftsweisendes Verkehrskonzept ist hier unabdingbar. In Bezug auf den ICE-Halt, sollte insbesondere die Personenbeförderung im Fokus stehen“, argumentieren Stenda, Heusner und Möller weiter.

Die Dromos AG aus München hat kürzlich ein Konzept für autonome Fahrzeuge rund ums Bad Hersfelder Klinikum vorgestellt. Unser Bild zeigt ein Modell..
Fahrerlos: Die Dromos AG aus München hat kürzlich ein Konzept für autonome Fahrzeuge rund ums Bad Hersfelder Klinikum vorgestellt, die nach Ansicht der Ostkreis-Bürgermeister künftig auch die Kreisstadt mit dem Werratal verbinden könnten. © Dromos AG

Die Lösung wäre für die Bürgermeister ein Streckenbetrieb mit autonomen Fahrzeugen. „Das Genehmigungsverfahren mit einem innovativen Zukunftskonzept erscheint durch eine experimentelle Zulassung in der Tat realistisch. Auch zeitlich könnte das im beschleunigten Verfahren erfolgen“, sind die Verwaltungschefs überzeugt. Die Absicht der Firma Dromos zum Aufbau eines zukunftsorientierten öffentlichen Personennahverkehrs auf der Relation Heimboldshausen-Schenklengsfeld mit dem Lückenschluss von Schenklengsfeld nach Bad Hersfeld werde von ihnen daher sehr begrüßt, heißt es in dem Brief der Bürgermeister.

Es gehe dabei nicht um Schienenverkehr, sondern autonome Radfahrzeuge, die auf einer separaten, etwa 1,50 Meter breiten Asphalttrasse unterwegs wären, verdeutlicht Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda auf Nachfrage. Eine gemeinsame Nutzung des vorhandenen Radweges von E-Mobilen, Radlern und Fußgängern sei nach derzeitigem Stand nicht möglich. Ob also parallel eine neue Asphalttrasse gebaut oder die Streckenführung des Radweges zugunsten der autonomen Fahrzeuge teilweise verlegt würde, sei noch nicht absehbar.

„Mit dem offenen Brief wollen wir zunächst die grundsätzliche Haltung der Kreisstadt zu einem solchen Projekt klären“, erklärt Andre Stenda. Einzelheiten zu Technik, Umsetzung und Kosten gelte es dann im zweiten Schritt in einer Machbarkeitsstudie zu untersuchen. (Jan-Christoph Eisenberg)

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