Familie Schögin aus Lispenhausen sucht den perfekten Christbaum - und findet drei

„Opa, rasier’ den Baum“

Lispenhausen. „Nicht den, Heinrich. Da ist doch oben gar nichts dran“, sagt Brunhilde Schögin aus Lispenhausen, schüttelt den Kopf und zeigt auf die Spitze einer Blaufichte. Ihr Mann grinst zu seinem Enkel hinunter, der neben ihm in einer Schonung bei Lispenhausen durch den Schnee stapft. „Tja, dann suchen wir weiter, stimmt’s, Kilian?“ Nicken. Schließlich ist das Selberschlagen eines Weihnachtsbaums Tradition bei Schögins. Auch Sohn Uwe ruft: „Du glaubst doch nicht, dass ich gleich den Erstbesten mitnehme?“

Und während drei Generationen auf einmal über liegengebliebene Stämme und durch Gestrüpp kraxeln, wärmen sich die beiden Förster Dieter Werner (im Ruhestand) und Thomas Viel die Hände in ihrem Bauwagen. „Uwe Schögin kenne ich schon, seit er ein kleiner Junge ist. Damals kam der Vater immer mit dem Sohn zum Baumholen. Heute kommt der Sohn als Vater mit dem Patenkind“, erzählt Werner. Die Weihnachtsbaumschonung hat er selbst Anfang der 80er-Jahre angelegt, und er pflegt sie noch heute.

„Ja, Opa! Rasier’ den Baum!“, hallt es dann begeistert zwischen den Blaufichten hervor. Der vierjährige Kilian hüpft auf und ab und klatscht seine Mini-Arbeitshandschuhe mit dumpfen Schlägen zusammen. Jetzt strahlen Opa und Oma nämlich beide beim Anblick des erwählten Baums. Wenn er nur nicht drei Meter groß wäre. Doch schon setzt Heinrich Schögin seine orange Säge an. „Dann will ich unseren Christbaum mal rasieren“, sagt er und zwinkert Kilian zu, der zappelnd von seiner Oma aus der Gefahrenzone gezogen wird. Als Heinrich Schögin anfängt zu keuchen und sich die Zähne der Säge durch das Holz genagt haben, gibt er dem Traumbaum einen Schubs. Und zerrt ihn zusammen mit Sohn Uwe zwischen den umstehenden Fichten hervor.

Am Ende schleppen Schögins drei Weihnachtsbäume zum Bauwagen der beiden Förster. Schließlich möchten nicht nur Heinrich und Brunhilde Schögin stolz ihren Baum dekorieren. Auch für ihre Söhne Uwe und Frank ist gesorgt. Heiligabend selbst hat Brunhilde Schögin viel mit Kochen zu tun. Es gibt Krautwickel. „Mein Mann und ich schmücken deshalb schon am 23. Dezember “, sagt Brunhilde Schögin.

An einem der Feiertage kommt dann die ganze Familie, samt den drei Kindern und fünf Enkeln, zusammen. Und wenn der Baum erst einmal mit roten und goldenen Kugeln behängt und mit Strohsternen verziert ist, werden Kilians Augen mit dem Baum um die Wette strahlen. Auch wenn er jetzt noch nicht verrät, was er am liebsten darunter finden würde.

Von Judith Strecker

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