Überraschende Entschuldigung

Opfer überwand Angst und sagte aus: Prozess gegen mutmaßliche Schläger aus Alheim

Ein geplatzter Drogen-Deal in Holland war möglicherweise der Auslöser für Gewalttaten, für die sich drei junge Männer aus Alheim vor dem  Landgericht Fulda verantworten müssen.

13 Kilogramm Marihuana hatten zwei der drei Angeklagten ihren holländischen Lieferanten ohne Bezahlung abgenommen und zwei Mittätern zum Transport nach Waldhessen übergeben. Das Duo war jedoch aufgeflogen, hatte bei der Polizei ausgepackt und war zu Haftstrafen verurteilt worden.

Einen der beiden, einen heute 27 Jahre alter Rotenburger, trafen die Alheimer im Oktober vergangenen Jahres eines Morgens zufällig an einer Tankstelle und stellten ihn zur Rede. Der Streit eskalierte und wurde handgreiflich. Der vermeintliche Verräter musste sich nackt ausziehen, bezog von zwei Schlägern fortwährend Prügel, während der dritte Täter als Fahrer fungierte. Mit dem Porsche der Angeklagten ging es in ein Waldstück, wo dem Opfer weiter zugesetzt wurde, auch durch Todesdrohungen.

Der 27-Jährige hatte bei seiner ersten Vernehmung vor Gericht behauptet, sich nicht mehr erinnern zu können – aus Angst vor neuen Repressalien, wie er später zugab. Erst das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Verfahren wegen Falschaussage und das Treffen mit einem Beamten der Hersfelder Kripo brachte die Wende.

Bei seiner erneuten Vernehmung am Dienstag vor der Fuldaer Strafkammer bestätigte der Zeuge im Beisein eines Rechtsanwaltes seine ursprünglichen Angaben.

Zur allgemeinen Überraschung entschuldigten sich die bislang schweigenden Schläger daraufhin bei dem Rotenburger. Der Prozess wird fortgesetzt.

Angst vor dem Menschen, den sie liebt

Schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und eine lange Liste weiterer Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft drei jungen Männer aus Alheim vor – doch nur zu einem Tatkomplex gab es in dem seit April andauernden Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Fulda ein Geständnis. 

Der 29 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter hatte die mehrfache Misshandlung seiner Lebensgefährtin eingeräumt. „Sie hatte Angst vor dem Menschen, den sie liebt“, gab eine Kriminalbeamtin aus Bad Hersfeld ihren Eindruck von der Frau wieder, die immer dann Schläge bezog, wenn der Alheimer betrunken war und nach Drogen verlangte. Eigentlich sei er ein lieber Mann gewesen, habe die Zeugin auch ihm gegenüber gesagt, bestätigte ein weiterer Polizist, doch im Wechsel zwischen Aggression und Depression habe er seine Freundin auch schon mal mit einem Küchenmesser bedroht – und einmal auch zugestochen. Die am Oberschenkel verletzte Frau hatte sich auf die Straße und ins Auto eines Zeitungsausträgers retten können. Folgt man der Anklage von Staatsanwalt Harry Wilke, handelt es sich bei dem Alheimer Trio um ganz gefährliche Typen. Die weiteren Vorwürfe: Am 16. Januar 2019 soll der angebliche Haupttäter einen Zeugen aus Verärgerung mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dessen blaue Augen und die gebrochene Nase gefilmt und damit anderen Personen gedroht haben. 

Gemeinsam mit dem 25-jährigen Mitangeklagten soll er am 14. Oktober auf der Lispenhäuser Kirmes einen jungen Mann aus banalem Grund erst beleidigt und dann geschlagen haben. Als sich dessen Bruder einmischte, bezog dieser Prügel und ging k.o. Der Prozess ist bereits bis in den Oktober hinein terminiert. ks

Quelle: Hersfelder Zeitung

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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