Montagsinterview mit der Betriebsratsvorsitzenden des HKZ

„Optimistisch, nicht euphorisch“: Martina Reinki über die Klinik-Fusion

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Sie kämpft für die Interessen der Mitarbeiter des HKZ: Die Betriebsratsvorsitzende des Herz- und Kreislaufzentrums Martina Reinki.

Rotenburg. Die Fusion des Klinikums Bad Hersfeld mit dem Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) ist das wichtigste Zukunftsprojekt des Kreises und birgt manche Risiken. Mit der langjährigen Betriebsratsvorsitzenden des HKZ, Martina Reinki, sprach Kai A. Struthoff.

Frau Reinki, das HKZ hat schwere Monate der Ungewissheit und der großen Veränderungen hinter sich. Wie ist inzwischen die Stimmung in der Belegschaft? 

Martina Reinki: Die Stimmung im Haus hat sich seit der Fusion etwas verbessert, was auch daran liegt, dass wir uns inzwischen besser kennengelernt haben. Aber es gibt schon noch viele kritische und besorgte Mitarbeiter, deren Bedenken ernstgenommen werden müssen.

Die Klinik-Fusion wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Fühlen Sie sich als Betriebsrätin ausreichend informiert bei den Planungen? 

Reinki: Ich wurde informiert, ob ausreichend, das weiß ich nicht. Anfangs musste ich die notwendigen Informationen auch zuweilen mit Nachdruck einfordern. Inzwischen sagt unser neuer Geschäftsführer Ulrich Meier, dass er lieber einmal mehr den Betriebsrat einlädt, als später zu ihm zitiert zu werden.

Zwischen dem Klinikum und dem HKZ gab es über viele Jahre Rivalität und Konkurrenzkampf. Wie empfinden Sie heute das Verhältnis zwischen beiden Häusern? 

Reinki: Man nähert sich langsam an. Es ist ja auch sinnvoll, dass die jahrelangen Grabenkämpfe endlich beendet werden. Dieser Konkurrenzkampf und die politischen Ränkespiele im Hintergrund haben beiden Häusern geschadet. Aber manche Verletzung der Vergangenheit ist noch nicht vergessen und eine gewisse Grundskepsis bleibt. Aber das ist ja vielleicht auch ganz gut so.

Am Dienstag wird Bundesgesundheitsminister Gröhe gemeinsam mit dem hessischen Gesundheitsminister Grüttner offiziell die neue Allianz des HKZ mit den Uni-Kliniken in Marburg, Gießen und Frankfurt bekanntgeben. Wie denkt man im HKZ über dieses Vorhaben? 

Reinki: Das klingt schon so, als wäre da ein großer Wurf gelungen. Von der Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken kann das HKZ nur profitieren. Vor allem die damit verbundene Ausbildungsermächtigung macht unser Haus für junge Ärzte attraktiv, und das ist wichtig für uns. Gleichwohl müssen wir erstmal abwarten, ob und wie die medizinischen Konzepte, die da auf Konzernleitungsebene geschmiedet wurden, auch in der Praxis umgesetzt werden.

Wir hören, dass es im HKZ massive Personalengpässe bei den Ärzten und vor allem beim Pflegepersonal gegeben haben soll. Ist die Lage immer noch angespannt? 

Reinki: Die Situation war tatsächlich schlimm, weil leider eine ganze Reihe von guten Mitarbeitern unser Haus verlassen hat – teils aus Ungewissheit über die Zukunft, aber auch, weil einige nicht in dem neuen Klinikkonzern arbeiten wollten. Inzwischen konnten einige Neueinstellungen vorgenommen werden. Ein großes Problem ist aber der im HKZ geltende Haustarifvertrag. Dadurch erhalten unsere Mitarbeiter deutlich weniger Geld als die Kollegen im Klinikum Bad Hersfeld. Das bewegt sich in manchen Fällen im zweistelligen Prozentbereich. Manche Bewerber gehen dann lieber gleich an andere Häuser.

Der neue Geschäftsführer Ulrich Meier hat auch eine neue Kommunikations-Kultur im HKZ angekündigt. Macht sich das bereits bemerkbar? 

Reinki: Vieles ist in der Tat transparenter geworden. Es gibt inzwischen auch Arbeitsgruppen, die sich gemeinsam mit der Zukunft des HKZ befassen. Hier liegt es auch an unseren Mitarbeitern, sich aktiv daran zu beteiligen – obwohl diese Workshops an Samstagen stattfinden und nicht als Überstunden bezahlt werden.

Welche konkreten Forderungen haben Sie als Betriebsrätin an die Leitung des Klinikkonzerns? 

Reinki: Die wichtigste Forderung ist die Angleichung der Tarife zwischen beiden Häusern. Wie sollte sonst eine Arbeitnehmerüberlassung oder Leiharbeit, also der Austausch zwischen den beiden Häusern, jemals funktionieren? Außerdem ist es wichtig, dass auch die im HKZ gewachsene Unternehmenskultur akzeptiert wird. Kein Haus ist wie das andere, deshalb kann man neue Systeme auch nicht einfach überstülpen.

Was muss am HKZ vordringlich in Angriff genommen werden? 

Reinki: Viele Mitarbeiter warten darauf, dass hier endlich die Bagger rollen, damit man auch sieht, dass etwas passiert. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass sich hinter den Kulissen schon einiges bewegt hat – zum Beispiel im Bereich der neuen Geriatrie. Ich halte es auch für sinnvoll, dass über Neubaumaßnahmen gründlich nachgedacht wird. Blinder Aktionismus nützt niemandem.

Dass HKZ hat in der Vergangenheit schon viel mitgemacht. Wenn Sie jetzt in die Zukunft blicken, überwiegt da der Optimismus oder der Pessimismus? 

Reinki: Ich bin schon optimistisch, aber nicht euphorisch. Dafür ist noch zu vieles unklar. Richtig ist aber sicher, dass sich auch im HKZ etwas ändern musste, und es ist gut, dass in die Jahre gekommene Strukturen erneuert werden. Das war überfällig, und manches hätte schon früher angepackt werden müssen, als es dem HKZ wirtschaftlich noch richtig gut ging. (kai)

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