Ungewöhnliches Konzert in Corona-Zeiten

Orgel schallte am Ostersonntag in Oberellenbach vom Kirchturm

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Viel Arbeit, die sich am Ende aber gelohnt hat: Organistin Nina Knoch und Veranstaltungstechniker Uwe Schneider (links) waren mit dem Ergebnis ihres Experiments sehr zufrieden. Und die Oberellenbacher waren begeistert. 

Der Ostersonntag wurde in Oberellenbach auf ganz ungewöhnliche Weise gefeiert. 

Im ganzen Dorf konnten die Menschen im Hof, auf der Straße oder im Garten wunderbare Orgelmusik hören, die Organistin Nina Knoch eine halbe Stunde lang für alle spielte.

Bei traumhaftem Frühlingswetter ertönten die festlichen Klänge der vertrauten Choräle und Kirchenlieder, die berührende Melodie von Bonhoeffers „Guten Mächten“ oder auch das „Halleluja“ von Leonard Cohen – und alle konnten zuhören, ohne einander in Corona-Zeiten zu nahe zu kommen. „Begleitet wurde die Musik der Orgel von Vogelgezwitscher, strahlend blauem Himmel und der blühenden Natur – ein echter Festtag“, schreibt Pfarrer Dirk Kroker in seinem Pressebericht.

Drei starke Lautsprecher im Kirchturm

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Konzert hatte der Oberellenbacher Uwe Schneider, als er im Fernsehen von einem Orgelkonzert mit offenen Türen hörte. Als erfahrener Veranstaltungstechniker war ihm allerdings klar: „Das kann nicht gut funktionieren – das hört man ja leider nur direkt vor der Kirche richtig gut.“ Er war sich zunächst unsicher, ob sein Vorhaben gut ankommen würde, aber kurz vor Ostern präsentierte er Pfarrer Dirk Kroker und dem Kirchenvorstand seine Idee: Mikrofone übertragen die Musik zu drei starken Lautsprechern im Kirchturm. So sollten alle die Orgel gemeinsam gut hören können und gleichzeitig den so wichtigen Abstand zueinander wahren.

Zu Experiment bereit

Die Technik stellte Uwe Schneider zur Verfügung und die 16-jährige Nina Knoch, die seit zwei Jahren die Orgel in der Kirche spielt, war bereit, sich auf dieses Experiment einzulassen. „In der Kirche war ich ja allein, aber dass das ganze Dorf zuhörte, hat mir schon Herzklopfen verursacht“, gesteht die junge Organistin, die diese Herausforderung bravourös meisterte.

Eine magische halbe Stunde

Das Ergebnis des Wagnisses war eine magische halbe Stunde, die alle Zuhörer restlos begeisterte. Die Musik machte die österliche Botschaft der Hoffnung spürbar und vereinte alle, obwohl sie im ganzen Dorf in sicherem Abstand verteilt waren. Das Konzert zeigte, dass Livemusik gerade in Zeiten überall präsenter digitaler Angebote, ein wahres Geschenk sein kann.

Boxen sind ganz schön schwer

Uwe Schneider und Nina Knoch jedenfalls waren sehr zufrieden mit dem Experiment, das für sie mit einigem Aufwand verbunden war. Es wurde Zeit in Proben und Vorbereitungen investiert. Nicht zuletzt sind die Boxen ganz schön schwer und der Zugang zum Kirchturm eng und steil. „Doch die Schlepperei hat sich gelohnt – die Orgelklänge haben diesen Ostersonntag zu einem ganz besonderen gemacht, den alle sicher lange in Erinnerung behalten werden“, schreibt Pfarrer Kroker. 

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