Bürger sorgen sich wegen „Stahlriesen“

Ortsbeirat Arzell lehnt neue 380-KV-Stromtrasse ab

Die Bildmontage soll die geplante 380-KV-Höchstspannungsleitung direkt an der Ortslage zeigen.
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Keine weitere Belastung: Die Mitglieder des Arzeller Ortsbeirats befürchten, dass die bis zu 70 Meter hohen Strommasten (Bildmontage) für die geplante 380-KV-Höchstspannungsleitung direkt an die Ortslage heranreichen werden.

Die geplante 380-KV-Höchstspannungsleitung (Fulda-Main-Leitung), die im Abschnitt Mecklar-Dipperz auch Arzell tangieren würde, sorgt im Eiterfelder Ortsteil für Aufregung.

Arzell – Unter den Bewohnern des Eiterfelder Ortsteils Arzell geht die Angst um. Anlass zur Sorge gibt die geplante 380-KV-Höchstspannungsleitung (Fulda-Main-Leitung), die im Abschnitt Mecklar-Dipperz auch Arzell tangieren würde.

Neben der heute schon bestehenden 380-KV-Stromleitung, die bereits durch das Gemeindegebiet Eiterfeld verläuft, ist zwischen den Umspannwerken in Mecklar und Dipperz nun eine zweite 380-KV-Höchstspannungsleitung geplant, deren Vorschlagskorridor über Arzell verläuft. Etwa ein Viertel des Ortes – nämlich die komplette Bebauung des Hisselsberges – liegt innerhalb des ausgewiesenen Trassenkorridors. Notwendige Mindestabstände seien für Arzell nicht eingehalten worden. Der Arzeller Ortsbeirat hatte sich aufgrund dieser Situation hilfesuchend an den Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber gewandt. Dieser war nun zusammen mit Susanne Linnenweber von der Regionalplanung beim RP in Kassel zu einem Ortstermin im Eiterfelder Land.

„Die Arzeller Bürgerinnen und Bürger sind aufgrund der Dimension und Nähe der geplanten Leitungstrasse in großer Sorge um ihre Lebensbedingungen vor Ort. Der Ortsbeirat und zahlreiche Arzeller Bürger haben bereits Einsprüche im Beteiligungsverfahren erhoben“, sagt Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rucht.

Rund um Arzell seien in den vergangenen Jahrzehnten bereits zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen direkt an die Ortslage grenzend realisiert worden, die sich bereits arg belastend auf die Bürger auswirkten. Rucht benannte zwei Ferngasleitungen, die 110-KV-Hochspannungsleitungen der Deutschen Bahn und der Avacon, die Soleleitung der K+S sowie den Windpark Buchenau. „Unser Dorf ist förmlich eingekesselt von diesen Infrastrukturprojekten“, so der Ortsvorsteher, der dabei auch von einer Überbündelung spricht.

Nun soll die geplante 380- KV-Trasse zwischen den Umspannwerken Mecklar und Dipperz als sogenannte „Stromautobahn“ wieder unmittelbar an die Ortslage von Arzell heranreichen.

„Das Maß ist nun voll, trotz allem Verständnis für Infrastrukturmaßnahmen. Der ausgewiesene Trassenkorridor über und unmittelbar angrenzend an die Bebauung ist für Arzell nicht akzeptabel“, teilt Jürgen Falkenhahn, Mitglied im Ortsbeirat, mit.

Die Arzeller befürchten zudem gesundheitliche Risiken durch das von der 380-KV-Höchstspannungsleitung ausgehende elektromagnetische Feld.

Zudem würden die Leitungsmasten mit einer Höhe von bis zu 70 Metern die Landschaft des Hessischen Kegelspiels mit der hügeligen, weitgehend unbebauten Offenlandschaft, erheblich beeinträchtigen.

Jürgen Falkenhahn erwähnte in der Diskussion mit dem Regierungspräsidenten, dass technische Alternativen offensichtlich nicht ernsthaft geprüft worden seien, wie eine Neubeseilung der bestehenden und in östlicher Richtung parallel verlaufenden 380-KV-Leitung durch Hochtemperaturseile. Auch das Leitungsmonitoring zur Erhöhung der Durchleitungskapazität der bestehenden Freileitung sowie eine Erdverkabelung, die auf den Teilstrecken möglich sei, wären nach seinen Erkenntnissen nicht ernsthaft geprüft worden.

Gegen eine Genehmigung der beantragten 380-KV-Freileitung würden auch allgemeine und energiepolitische Gründe sprechen. „Freileitungstechnik ist für die Energieübertragung über große Distanzen nicht geeignet, denn diese ist veraltet. Hohe Energieverluste und hohe Wartungskosten sowie umweltpolitische Gesichtspunkte sprechen gegen eine Genehmigung des Vorhabens, erklärte Jürgen Falkenhahn abschließend.

Regierungspräsident Klüber, der sich selbst ein Bild von der örtlichen Situation und der Vorbelastung der Anwohner machte, wolle nun wegen der geplanten 380-KV-Höchstspannungsleitung auf die Bundesnetzagentur als verfahrensführende Behörde zugehen und Gespräche führen, heißt es in der Mitteilung des Arzeller Ortsbeirats.

In einem Bürgerbrief mit 270 Unterschriften, den Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rucht dem Regierungspräsidenten mit auf den Weg gab, bitten die Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils Arzell den Regierungspräsidenten in seiner Verantwortung für die Raumordnung, auch gegenüber der Bundesnetzagentur, die massiven Beeinträchtigungen durch die neue Leitung abzuwenden und den Ortsteil auch für die Zukunft lebenswert zu erhalten.

Die Angst vor riesigen Strommasten direkt an der Ortsbebauung von Arzell sei völlig abwegig, meint unterdessen Tennt. Denn in weniger als 400 Metern Entfernung von Ortschaften sowie weniger als 200 Metern zu Einzelgebäuden und dort, wo es der Naturschutz erfordere, würde die Leitung unterirdisch verlegt. Das hatten Vertreter des Netzbetreiber Tennet Ende September während einer Informationsveranstaltung zur 380-KV-Höchstspannungsleitung im Schenklengsfelder Ortsteil Wippershain erläutert.(red/rey)

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