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Osterfeuer: Feuerwehr und Naturschützer mahnen zur Vorsicht

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Festplatz mit Osterfeuer, Besuchern, Zelt und Hüpfburg
Winter adé: Unser Archivfoto aus dem Jahr 2016 entstand am Osterfeuer in Braach. Der nötige Sicherheitsabstand wurde eingehalten. © Martin Pippert/Archiv

Am kommenden Wochenende werden vielerorts Osterfeuer entzündet. Dabei gilt es jedoch, einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Hersfeld-Rotenburg – Nach zwei Jahren der Corona-bedingten „Feuer-Pause“ brennen nun viele Menschen im Kreis darauf, endlich wieder ein Osterfeuer zu entzünden und so endgültig den Winter zu vertreiben. Mehr als 20 Osterfeuer sind offiziell bei der Leitstelle des Kreises angemeldet, damit beim Flammenschein nicht irrtümlich die Feuerwehr ausrückt.

Derzeit gilt im Kreis keine Waldbrandwarnstufe, weshalb keine generellen Verbote von offenen Feuern gelten. Damit das Osterfeuer trotzdem nicht zum Flächenbrand wird, sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu bedenken, erklärt der stellvertretende Kreisbrandinspektor Martin Orf.

„Die Mindestabstände von 50 Metern zum Wald und mindestens 100 Metern zu Gebäuden und vor allem von Tankstellen sind unbedingt einzuhalten, denn ein Funkenflug ist nie gänzlich zu verhindern“, warnt Orf. Es dürfen nur Holz und Sträucher, keinesfalls aber Müll oder gar Reifen verbrannt werden. „Benzin oder andere brennbare Flüssigkeiten zum Anfeuern sollten tunlichst vermieden werden“, sagt Orf und berichtet von schweren Unfällen, die dabei passieren können.

Besser geeignet seien Stroh, Reisig oder andere nicht-rückzündende Brennstoffe. „Wer ein Osterfeuer entzündet, braucht unbedingt auch eine Brandwache und darf auch nach Ende der Veranstaltung die Feuerstelle nicht einfach verlassen, sondern muss sicher sein, dass alles völlig abgelöscht ist“, erinnert der Kreisbrandinspektor. Wenn nämlich doch die Feuerwehr anrücken muss, kann es für den Osterfeuer-Veranstalter teuer werden.

Mit gemischten Gefühlen sehen die Umweltschützer die Osterfeuer, nicht nur wegen der Feinstaubbelastung. Der Nabu und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises weisen darauf hin, dass bei Osterfeuern der Artenschutz beachtet werden muss. Häufig nisten Vögel in den Holzstapeln.

Amphibien, Reptilien, Insekten oder kleine Säugetiere wie Mäuse und Igel nutzen den Holzhaufen als Unterschlupf und Rückzugsort. Daher müssen vor allem ältere Holzhaufen unmittelbar am Tag des Feuers vorsichtig umgeschichtet werden, mahnen die Naturschützer. „Das gibt den Tieren die Chance, rechtzeitig zu flüchten“, sagt Franziska Mehlhorn von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

„In unserer ausgeräumten Landschaft sind Totholzhaufen attraktive und wichtige Lebensräume für Insekten und Amphibien. Aber auch Vögel wie Rotkehlchen und Zaunkönig und Säugetiere wie Igel und Wiesel sind hier zu finden“ erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Auch er bittet darum, das Schnittgut erst kurz vor dem Entzünden aufzustapeln oder vorher vollständig umzuschichten.

Diese Handlungsweise entspreche den rechtlichen Vorgaben des Artenschutzes. Ältere Haufen aus dem vorherigen Jahr sollten dagegen nicht mehr angerührt und als Lebensraum dauerhaft erhalten werden.

Grundsätzlich sei es besser, Schnittholz und Reisig nicht zu verbrennen, sondern in der Landschaft zu belassen, so der Biologe Eppler, denn es biete es einen guten Unterschlupf für viele Vögel und Kleintiere. Ungenutzte „Naturecken“ mit Nischen wie Reisighaufen, aber auch Laub- und Steinhaufen, Trockenmauern, Schmetterlingswiesen und offenen Lehmstellen, würden vielen Arten Nahrung und Unterschlupf bieten.

Wer den Winter „auch eine Nummer kleiner“ vertreiben will, der kann im eigenen Garten auch ohne Genehmigung, aber mit der nötigen Vorsicht eine Feuerschale entzünden. Verbrannt werden dürfen sonst aber nur zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang Erzeugnisse vom eigenen Grund und Boden, erinnert der stellvertretende Kreisbrandinspektor Martin Orf.
(Kai A. Struthoff)

An folgenden Orten brennen nach Informationen der Kreisverwaltung und der Leitstelle am langen Feiertagswochenende die Osterfeuer:

Donnerstag, 14. April: Unterneurode, Gehau Feuerwehrgerätehaus

Samstag, 16. April: Bebra, Sportplatz Braach, Oberbreitzbach, Lengers Festplatz, Ronshausen, Bebra Breitenbach, Rotenburg-Mündershausen, Sportplatz Blankenheim, Sportplatz Rockensüß, Cornberg, Konrode, Gersdorf, Solz, Wildeck-Hönebach, Ronshausen-Machtlos

Sonntag, 17. April: Biedebach, Raboldshausen, Sportplatz Lispenhausen, Königswald

Die Ursprünge des Osterfeuers

Der Brauch des Osterfeuers geht vermutlich bereits auf heidnische Zeiten zurück. Das Feuer als Symbol des Lichts und der Wärme sollte den Winter vertreiben. Schon im 8. Jahrhundert gab es kirchliche Bezüge. So wird zum Beginn der Liturgie der katholischen Kirche in der Osternacht ein kleines Feuer entfacht, das Osterfeuer. Daran wird die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen. Es gibt viele regionale Bräuche und es dient auch dem geselligen Zusammensein. 

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