Gaby Kirchner bekommt unerwünschte Post von Amazon

Päckchenflut lässt Puls von Frau aus Alheim ansteigen

Das Bild zeigt Gaby Kirchner vor einer großen Kiste, aus der sie Amazon-Päckchen holt
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Zuviel des Schlechten: Gaby Kirchner erhält seit Ende Oktober Pakete von Amazon, ohne etwas bestellt zu haben. Inzwischen hat sie 20 Päckchen erhalten.

Wenn Gaby Kirchner einen Lieferwagen vorfahren hört, schlägt ihr Puls höher. Nicht aus Vorfreude, sondern weil dann unerwünschte Post von Amazon droht.

Alheim - Seit Ende Oktober erhält die 60-jährige Gaby Kirchner aus Alheim-Oberellenbach Päckchen des Onlinehändlers Amazon – allerdings, ohne etwas bestellt zu haben.

Einen Reim kann sich Gaby Kirchner nicht auf die Paketflut machen. Sie hat tatsächlich zum letzten Mal Anfang Oktober etwas bei Amazon bestellt. Das, was ihr nun ins Haus gebracht wird, ist zum Teil bizarr: Spielzeug für Kinder und Katzen und sogar Sex, ein Trimmgerät für Hundefell, LED-Streifen, Dessous, ein Blutdruckmessgerät – offenbar wahllos zusammengestopfte Waren.

Insgesamt 18 solcher Pakete hat sie erhalten. Die ersten drei schickte sie zurück, obwohl der Kundenservice von Amazon empfahl, sie solle die Sachen behalten, oder einfach wegwerfen – dazu später mehr.

Bei drei weiteren Sendungen verweigerte sie die Annahme, was nicht wenig Stress mit den Lieferdiensten zur Folge hatte. Die legten die Päckchen einfach in die Postbox oder vor die Tür, auch ohne die entsprechende notwendige Vereinbarung. Für Gaby Kirchner bedeutete diese Entwicklung Stress pur, denn obendrein erhielt sie Briefe mit Zahlungserinnerungen – allerdings, ohne jemals eine Rechnungsmail erhalten zu haben. Wie auch? Sie hatte nichts bestellt. Zum schlechten Ende folgte sogar noch das Schreiben eines Inkasso-Instituts mit einer Geldforderung.

Gaby Kirchner hat mehrere Gespräche mit dem Amazon-Kundenservice geführt, E-Mails ausgetauscht und Ende November schließlich auch noch Anzeige bei der Polizei erstattet. Klar war, das zeigten Überprüfungen, dass die Bestellungen nicht von ihrem persönlichen Amazon-Konto ausgegangen waren. Ein Mitarbeiter des Amazon-Kundenservice bestätigte ihr schließlich, dass jemand auf ihren Namen Bestellungen liefern ließ. Man wolle der Sache nachgehen, hieß es.

Laufende Untersuchungen bestätigt auch ein Sprecher des Unternehmens gegenüber unserer Zeitung. Beim Eintreffen des 18. Päckchens hatte sich die ziemlich genervte und ratlose Gaby Kirchner an uns gewandt. Man gehe jedem Hinweis von Kunden nach, die unaufgefordert Pakete bekommen hätten, erklärte der Amazon-Sprecher weiter. Solche Zusendungen verstießen gegen die Amazon-Richtlinien. Verkaufspartner des Onlineriesen, also Händler auf dem „Marktplatz“, die gegen diese Richtlinien verstießen, würden gesperrt, und es würden rechtliche Schritte eingeleitet. Verkaufspartner erhielten auch keine Adressen von Amazon. Weitere Details nannte er allerdings nicht. Datensicherheit habe Toppriorität, beteuerte der Sprecher. Mit Gaby Kirchners Daten wurde aber offenbar von jemandem Schindluder getrieben. Woher die Daten stammen? Quellen gibt es grundsätzlich viele.

Jetzt erstmal die gute Nachricht: Alle Zahlungsaufforderungen für Gaby Kirchner seien gegenstandslos, erklärte der Amazon-Sprecher. Er wolle aber nicht ausschließen, dass auch noch ein 19. Paket in Oberellenbach eintrifft, falls es vor der Untersuchung auf den Weg gebracht worden sei. Und er bestätigte, dass Gaby Kirchner und alle Kunden, die unangeforderte Pakete erhielten, zu nichts verpflichtet seien. Sie könnten die Waren behalten, vernichten oder spenden. Man sollte allerdings den Kundenservice kontaktieren und das Versandetikett aufheben, das helfe, die Sendung zu identifizieren. Tatsächlich trudelten die Pakete 19 und 20 zum Wochenende bei Gaby Kirchner ein. Diesmal nahm sie es entspannter, weil sie jetzt eine konkrete Ansprechpartnerin bei Amazon hat.

Der Amazon-Sprecher wies darauf hin, dass sich die Polizei für ihre Ermittlungen an das Unternehmen wenden könne.

Das sagt die Polizei:

„Das Bad Hersfelder Fachkommissariat für Betrugsdelikte hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Computerbetrugs gemäß § 263a StGB eingeleitet. Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden der Geschädigten seit Ende Oktober 2020 mehrfach Pakete ohne eigenen Bestellvorgang von einem Onlineversandhandelsunternehmen zugestellt. Sowohl der Auftraggeber als auch die Hintergründe sind derzeit noch nicht bekannt und Bestandteil der Ermittlungen.“

Generell rät die Polizei bei solchen Betrugsstraftaten: . Informieren Sie die Polizei, wenn Rechnungen und/oder Mahnungen und/ oder Paketsendungen mit offensichtlich kriminellem Hintergrund ins Haus flattern. . Kontaktieren Sie das Unternehmen und klären es über den Sachverhalt auf. . Kontaktieren Sie einen Rechtsanwalt und/oder die zuständige Verbraucherzentrale, insbesondere wenn Sie Inkasso-Schreiben erhalten.

Silke Schäfer-Marg

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