Ronshausen

Pakete gibt’s nur in der Tanke: Machtloser sind sauer über nicht erhaltene GLS-Zustellungen

Unser Symbolfoto zeigt einen Zusteller mit einer ganzen Sackkarre voller Pakete.
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Immer mehr Arbeit: Die Paketflut hat im Pandemie-Jahr heftig zugenommen. Unser Symbolfoto zeigt einen Zusteller mit einer ganzen Sackkarre voller Pakete. Die Machtloser vermuten, dass sie auch deshalb nicht mehr angefahren werden, weil Zusteller so Zeit sparen können, wenn sie nur die Abholstelle anfahren.

Die Machtloser warten häufig vergebens auf ihre Pakete des Dienstleisters GLS. Sie vermuten, dass die Zusteller so Zeit sparen möchten. Denn die fahren nur die Abholstelle an.

Machtlos - Der Weg nach Machtlos scheint weit – für manche zu weit, wie Ortsvorsteher Udo Berle kritisiert. Denn obwohl der 47-Jährige fast den ganzen Tag über zuhause beziehungsweise in seiner Firmenwerkstatt im gleichen Gebäude ist – seine Pakete, die von Paketdienstleister GLS zugestellt werden, schaffen es regelmäßig nicht bis zu ihm nach Machtlos.

„Meine Haustürklingel ist auch in meiner Werkstatt gut zu hören und klingelt dort – da ist es schon sehr merkwürdig, dass die Lieferanten mich nie angetroffen haben wollen“, sagt Berle. Auch die sonst üblichen Benachrichtigungskarten im Briefkasten habe es von GLS nicht gegeben. Stattdessen im besten Falle elektronische Botschaften, dass niemand zuhause gewesen sei und das Paket deshalb in der nächsten Abholstation abgegeben wurde. Die befindet sich in der Star-Tankstelle von Michael Brandau am Ortseingang von Ronshausen.

Berle vermutet daher, dass seine Pakete gar nicht bis nach Machtlos gefahren worden sind, sondern der Zusteller sie einfach direkt in der Abholstelle abgegeben habe. Da Udo Berle in seinem knapp 200 Seelen-Ort als Ortsvorsteher sehr gut vernetzt ist, weiß er auch von vielen anderen Dorfbewohnern zu berichten, die sich regelmäßig über dasselbe Problem aufregen müssen. Und das nicht erst seit gestern. „Fast das ganze vergangene Jahr über hatten wir damit zu kämpfen – das soll nun endlich besser werden“, fordert er.

Dabei hat der 47-Jährige für die Paketfahrer grundsätzlich Verständnis – im Coronajahr sei einfach unglaublich viel Paketpost unterwegs: „Mir hat ein Ausfahrer mal erzählt, er habe das ganze Jahr über schon Weihnachten“ – so stark habe die Paketflut auch an normalen Tagen zugenommen. Gut sei wenigstens, dass das Tankstellen-Team rund um Michael Brandau die Machtloser so gut kenne. „Wenn jemand von uns dort vorbeikommt, werden ihm nach Absprache und mit Vollmacht auch die Päckchen für andere im Dorf mitgegeben, damit sie nicht noch lange liegen bleiben“, berichtet der Ortsvorsteher. Bei manchen Sendungen gebe es auch gar keine elektronische Benachrichtigung – „und dann wüsste man sonst noch nicht einmal, dass das Päckchen für einen schon längst in der Tankstelle liegt“.

Den Eindruck, dass außergewöhnlich viele GLS-Pakete für Machtloser vom Fahrer in seiner Tankstelle abgegeben werden, bestätigt auch Michael Brandau auf Anfrage unserer Zeitung. „Das ist schon außergewöhnlich – da geben wir bei Paketen ohne Tracking den Machtlosern auch Bescheid, dass hier was angekommen ist“, berichtet der Tankstellenbetreiber.

Nachdem sich viele betroffene Kunden einzeln bei GLS bislang ohne Erfolg beschwert haben, hat Ortsvorsteher Berle nun eine Beschwerde im Namen des gesamten Dorfes bei dem Transportdienstleister eingereicht. Ihrem Ärger über nicht ausgelieferte Zustellungen machen die Machtloser inzwischen auch in einer WhatsApp-Gruppe Luft. „Vielleicht zieht das jetzt mal, wenn das ganze Dorf sich beschwert“, schreibt dort eine Teilnehmerin. Mit anderen Paketzustellern gebe es diese Probleme nicht.

Das sagt Paketdienstleister GLS: Das soll in Zukunft ausgeschlossen werden

„Die Unannehmlichkeiten, die den Empfängern in dieser Angelegenheit widerfahren sind, tun uns sehr leid. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass dieses Vorgehen in keiner Weise den Prozessen und Richtlinien von GLS entspricht“, heißt es in einer Mitteilung des GLS Presse-Teams auf Anfrage unserer Zeitung. Das zuständige Depot habe mit dem Transportunternehmer gesprochen und ihm die Sachlage geschildert. Derzeit werde eingehend der genaue Hergang der Zustellungen aus der Vergangenheit geprüft, um hier eventuelle Unstimmigkeiten ausfindig zu machen und für die Zukunft auszuschließen. 

(Von Peter Gottbehüt)

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