Kundeneinlagen bei Sparkasse und VR-Bankverein stark gestiegen

Pandemie füllt Girokonten der Bankkunden in Hersfeld-Rotenburg

Geld in einem Portemonnaie
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Viel Geld auf den Girokonten: Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind die Kundeneinlagen bei Sparkasse und VR-Bankverein stark gestiegen. (Symbolbild)

Die Menschen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg horten so viel Geld auf Bankkonten wie schon lange nicht mehr. Das bestätigen die heimischen Marktführer auf Nachfrage unserer Zeitung.

Hersfeld-Rotenburg – Bei der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg sind die Kundeneinlagen laut dem Vorstandsvorsitzenden Reinhard Faulstich im vergangenen Geschäftsjahr um 216 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 13,6 Prozent.

Diesen bundesweiten Trend merkt auch der VR-Bankverein Bad Hersfeld-Rotenburg, der 2020 bei den Kundeneinlagen einen Zuwachs um 6,8 Prozent auf 818 Millionen Euro verbuchte, so Prokurist Oliver Schöbel. „Grundsätzlich führt die Unsicherheit im Zuge der Corona-Pandemie verständlicherweise wohl zu einem Konsumverzicht“, erklärt sich Schöbel den bundesweiten Trend, immer mehr Geld auf einem Konto zu lagern. „Wenn Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen müssen, werden Investitionsentscheidungen verschoben.“

So viel gespart wie nie zuvor 

Während des ersten Lockdowns sparten die Deutschen so viel Geld wie nie. Im Frühlingsquartal legte jeder Einzelne im Durchschnitt 600 Euro mehr zurück als im Jahr zuvor. Insgesamt 393 Milliarden Euro haben die Deutschen im Corona-Jahr gespart. Das hat die DZ-Bank berechnet. Diese Berechnungen zeigen, dass pro 100 Euro verfügbarem Einkommen 16 bis 17 Euro auf die hohe Kante gelegt wurden.

In Zeiten andauernder Niedrigzinspolitik werden prall gefüllte Konten für Banken allerdings zunehmend zur Last, da die Geldhäuser das Geld ja selbst auch anlegen. Deshalb reichen immer mehr Institute anfallende Niedrigzinsen an ihre Kunden weiter. „Bankkunden müssen sich darauf einstellen, dass das Deponieren von Geld auf Dauer nicht mehr kostenfrei sein kann“, macht Sparkassenchef Faulstich deutlich. Ab wann die Sparkasse normalen Sparern Negativzinsen in Rechnung stelle, stehe aber noch nicht fest.

Der VR-Bankverein berechnet nach Auskunft von Oliver Schöbel seit diesem Monat „für Einlagen ab 100 000 Euro pro Person ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent“ pro Jahr. Die Genossenschaftsbank unternehme „alle Anstrengungen, dass der normale Sparer hiervon weiterhin nicht betroffen sein wird.“

Sparkasse und Bankverein wollen an Filialen in Hersfeld-Rotenburg festhalten

Die heimischen Banken planen vorerst keine Filialschließungen. Das haben Sparkasse und VR-Bankverein auf Nachfrage unserer Zeitung bekräftigt. „In der gesamten Bankenbranche geht der Trend zur Reduzierung und Schließung von Filialen und dem Abbau von Personal. Wir dagegen halten an unseren Filialen fest“, sagt Oliver Schöbel, Prokurist und Bereichsleiter für Unternehmenskommunikation beim VR-Bankverein. Er betont: „Es ist nicht geplant, Standorte zu schließen.“ Der Bankverein unterhält 15 Filialen, davon zwölf im Kreisgebiet, sowie vier SB-Standorte plus Verwaltungssitz.

Die Sparkasse hat aktuell 16 beraterbesetzte Geschäftsstellen und 16 SB-Geschäftsstellen. Coronabedingt habe die Nutzung der Filialen nachgelassen. Diese Entwicklung bedeute aber nicht das Aus für die klassische Geschäftsstelle, sagt Vorstandsvorsitzender Reinhard Faulstich: „Unsere Kunden möchten die Geschäftsstellen behalten.“

Transaktionen wie Überweisungen würden zunehmend digital stattfinden. Veränderungen werde es geben, sagt Faulstich: „Aber es gibt aktuell keine Überlegungen, Standorte zu schließen.“ Denkbar sei, dass Kontoauszugsdrucker und Überweisungsterminals reduziert werden könnten. „Vielleicht stehen an Standorten, wo jetzt drei Geldautomaten stehen, künftig nur noch zwei“, so Faulstich.

So wirkt sich Corona auf das Kreditgeschäft der Banken aus

Während die Coronakrise dafür gesorgt hat, dass mehr Geld auf den Konten der beiden großen Geldhäuser im Landkreis liegt, sieht es beim Kreditgeschäft unterschiedlich aus. Bei der Sparkasse ist die Nachfrage nach Krediten – entgegen der bundesweit spürbaren Investitionszurückhaltung – gestiegen. Nach Angaben der Vorstände Reinhard Faulstich und Thomas Walkenhorst machte die Sparkasse an gewerbliche Kunden neue Darlehenszusagen in Höhe von 140 Millionen Euro. Schwerpunkte seien dabei die Finanzierung von Grundstücken und Gebäuden sowie Maschineninvestitionen gewesen. Zudem habe die Sparkasse rund 600 Familien Kredite in Höhe von mehr als 70 Millionen Euro für den Kauf oder die Modernisierung der eigenen Immobilie gewährt.

Anders sieht es beim VR-Bankverein aus. „Die Kreditnachfrage war im abgelaufenen Geschäftsjahr durch die Coronakrise geprägt und führte zu einer reduzierten Kreditnachfrage im Vergleich zu 2019“, teilt Oliver Schöbel mit. Die Neukreditzusage an gewerblichen Krediten und Wohnbaudarlehen habe im vergangenen Jahr bei rund 79 Millionen Euro gelegen, so Schöbel. „Investitionsentscheidungen werden bei Privat- und Firmenkunden coronabedingt verschoben“, erklärt Schöbel die Zurückhaltung. Die Kreditvergabekriterien seien in der Corona-Zeit nicht verändert worden. (Sebastian Schaffner)

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