20-jähriger Auszubildender muss ein Wochenende in der Arrestzelle verbringen

Partygast würgt seine Bekannte

Rotenburg. Weil er bei einer Geburtstagsfeier in einem Jugendheim im März dieses Jahres zweimal massiv handgreiflich wurde, saß jetzt ein 20-Jähriger aus dem Kreisgebiet auf der Anklagebank im Amtsgericht Rotenburg. Die Staatsanwaltschaft Fulda warf ihm vorsätzliche Körperverletzung vor.

Der Auszubildende berichtete bei seiner Vernehmung, dass er bei der Feier sehr viel Alkohol getrunken habe und sich an nichts erinnern könne. „Filmriss“, behauptete er. Sechs Zeugen konnten jedoch recht präzise schildern, was bei der Party passierte.

Laut ihren Aussagen schlug der Angeklagte gegen ein Uhr nachts einem 21-Jährigen die Faust ins Gesicht, weil dieser bei einem Streit schlichtend eingreifen wollte. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschah“, berichte das Opfer im Zeugenstand. Eine blutende Verletzung an der Lippe und ein lockerer Zahn, der bleibenden Schaden genommen hat, waren am Ende die Bilanz dieses Angriffs.

Zwei Stunden später rastete der Angeklagte erneut aus. Nach einer Rempelei auf der Tanzfläche geriet er mit einer 17-jährigen Bekannten in Streit.

Mittelfinger

Sie zeigte ihm zweimal den Mittelfinger. Daraufhin packte der 20-Jährige die Jugendliche mit einer Hand am Hals, drückte sie gegen eine Wand und würgte sie. Erst als andere Gäste ihn wegzerrten, ließ er von seinem Opfer ab. „Sie litt unter Atemnot und weinte. Ich dachte, sie kippt uns gleich um“, schilderte eine Zeugin den Zustand der 17-Jährigen nach der Attacke. Ein Hämatom am Hals und noch Tage anhaltende Beschwerden mit der Halswirbelsäule waren weitere Folgen des Angriffs.

Jugendstrafrecht

Auf Anraten der Jugendgerichtshilfe wandte das Gericht Jugendstrafrecht an. Richter Erik Geisler verurteilte den 20-Jährigen zu einem Freizeitarrest und 400 Euro Geldbuße zugunsten einer karitativen Einrichtung. „Das Maß an Aggressivität, das der Angeklagte gezeigt hat, ist erschreckend“, sagte der Richter.

Er empfahl dem 20-Jährigen, während des Wochenendes in der Arrestzelle gründlich über sein Verhältnis zum Alkohol und den Zusammenhang mit seinen Ausrastern nachzudenken. Das Strafmaß entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft, die von Oberamtsanwalt Berthold Hartung vertreten wurde.

Unterschiedliche Meinung

Im Gegensatz zur Meinung von Verteidiger Wolfgang Both waren sich Richter und Staatsanwaltschaft einig, dass die Schuldfähigkeit des Angeklagten durch den Alkohol zwar eingeschränkt, aber nicht aufgehoben war. Er habe durchaus noch gewusst, was er tat.

Entschuldigungen

„Den Filmriss kaufe ich Ihnen nicht ab“, meinte Hartung. Als strafmildernd wertete das Gericht, dass der 20-Jährige sich bei seinen Opfern entschuldigt hat, Reue zeigte und auch nicht vorbestraft ist. (ysy)

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