Das Ende vorbereiten

Patientenverfügung schafft Klarheit im medizinischen Notfall

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Symbolbild Patientenverfügung

Hersfeld-Rotenburg – Eine Patientenverfügung sollte möglichst konkret sein und genau beschreiben, was ein Patient für den Fall möchte, dass er nicht mehr selbst entscheiden kann.

Erst jüngst hat der Bundesgerichtshof nach einem jahrelangen Streit entschieden, dass eine im Wachkoma liegende Frau sterben darf. Die Richter fällten die Entscheidung zugunsten des Sohnes, der die Position vertrat, dass seine Mutter gemäß ihrer Patientenverfügung ein Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen gewünscht hätte. Solche Verfügungen greifen dann, wenn ein Patient wegen einer psychischen Erkrankung oder eines Komas selbst nicht mehr in der Lage dazu ist, über persönliche und gesundheitliche Fragen zu entscheiden. Wir haben mit dem Rotenburger Rechtsanwalt und Notar Dietrich Both und dem Sparkassen-Generationenberater Michael Pospischil darüber gesprochen, was alles in eine Verfügung gehört und für wen diese in Frage kommt.

Zunächst müsse exakt beschrieben werden, was ein Patient unter „lebenserhaltenden Maßnahmen“ verstehe und welches medizinische Vorgehen er in welchem Krankheitsszenario wünsche, sagt Both. Konkret könne unter anderem über die Verabreichung von Medikamenten mit Nebenwirkungen, und über die Entscheidung, ob bei einem länger andauernden Koma eine künstliche Ernährung aufrechterhalten werden sollte, bestimmt werden. Grundsätzlich also, wenn ein menschenwürdiges Leben nach eigenem Ermessen nicht mehr länger zu führen ist. Zu den lebenserhaltenden Maßnahmen gehören etwa die künstliche Nahrungszufuhr und Beatmung. All das müsse eine explizite Erwähnung finden. Insbesondere dann, wenn man sich in einem unabwendbaren Sterbeprozess befinde, auch, wenn der unmittelbare Todeszeitpunkt noch nicht ersichtlich sei. „Das Aufsetzen der Patientenverfügung ist absolut keine Frage des Alters. Wer wegen der Arbeit viel unterwegs ist oder ein gefahrenträchtiges Hobby hat, der sollte sie in Erwägung ziehen, wenn im Krankheitsfall ein Siechtum verhindert werden soll“, sagt Both.

Dietrich BothRechtsanwalt und Notar

Zudem könnten so die Angehörigen entlastet werden, die vor einer schwierigen Entscheidung stünden, sagt Michael Pospischil. Gelagert werden sollte die Verfügung beim Bevollmächtigten, denn das Original muss gut aufzufinden sein. Zur Not liege aber auch eine Version beim Notar. Inhaltlich geändert werden kann eine Verfügung jederzeit, sofern sich die eigene Lebenseinstellung geändert hat.

Michael PospischilGenerationenberater Sparkasse

Rechtliche Probleme würden immer dann auftreten, wenn eine missverständliche Formulierung vorliege und nicht ersichtlich sei, was der Patient genau wolle. „Deswegen ist eine gute Form sehr wichtig. Die Zeiten, in denen man mit dem Verweis, dass es sich um seine eigene Ehefrau handele, und sie über die Behandlung entscheide, sind vorbei“, sagt Both.

VON MAURICE MORTH

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