Handgefertigte Einzelstücke: Sie baut die Schildkröte Kassiopeia für „Momo“

Pauline Späte lässt bei den Bad Hersfelder Festspielen die Puppen tanzen

Das Bild zeigt die Puppenbauerin und Maskenbildnerin Pauline Späte mit „ihrer“ Schildkröte Kassiopeia, die im Festspiel-Stück „Momo“ ihren großen Auftritt haben wird.
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Handgefertigtes Einzelstück: Puppenbauerin und Maskenbildnerin Pauline Späte mit „ihrer“ Schildkröte Kassiopeia, die im Festspiel-Stück „Momo“ ihren großen Auftritt haben wird.

Die Puppenbauerin und Maskenbildnerin Pauline Späte wird mit der von ihr handgefertigten Schildkröte Kassiopeia im Festspiel-Stück „Momo“ einen großen Auftritt haben.

Bad Hersfeld – Sie darf bei „Momo“ nicht fehlen: Die Schildkröte Kassiopeia. Für das Familienstück bei den 70. Bad Hersfelder Festspielen hat Maskenbildnerin und Puppenbauerin Pauline Späte jetzt eine ganz besondere Schildkröte entworfen und in Handarbeit gefertigt.

Schon der imposante braun-blaue Kopf mit den großen Augen und beweglichem Kiefer, der sich ähnlich wie ein „Wackel-Dackel“ nach oben und unten, nach rechts und nach links bewegt, macht neugierig auf das Gesamtkunstwerk, dem Nadine Germann auf der Bühne Leben einhauchen wird. Denn Spätes Kassiopeia soll nicht nur optisch etwas hermachen, sie muss auch im Spiel funktionieren.

Eine Herausforderung, aber keine unlösbare Aufgabe für die 37-Jährige: „Mir war relativ schnell klar, wie sie aussehen soll“, berichtet Pauline Späte von den ersten Absprachen mit den Momo-Machern. Auf eine erste Zeichnung folgte zunächst ein kleines Modell im Maßstab 1:10, das im nächsten Schritt an die reale Größe von Germann angepasst wurde, die die Schildkröte mithilfe eines kleinen Wagens über die Bühne steuern kann.

Aus rund 70 Kilogramm Ton hat Späte den Kopf und zwei Beine geformt, um diese dann mit einem speziellen Thermomaterial überziehen zu können, das aussieht wie ein Plastikgitter, aber weich und flexibel wird, wenn man es erwärmt. Darüber hat die studierte Maskenbildnerin nach dem Auskühlen extra eingefärbten Baumwollmull gelegt, für Kassiopeias blaue „Sommersprossen“ hat sie Acrylpaste verwendet.

„Die gekreppte Struktur soll der typischen, lederartigen Haut einer Schildkröte ähneln“, so Späte. Starke Kontraste seien notwendig, um sie auch aus der Ferne noch gut sehen zu können, erklärt der Profi. 46 Arbeitsstunden hat Späte in ihre Version von Kassiopeia gesteckt, zu der sie von Künstlern wie Niki de Saint Phalle mit ihren bunten rundliche Figuren und Jean Tinguely inspiriert wurde, der mit seinen beweglichen maschinenähnlichen Skulpturen bekannt wurde.

Den Hauptteil der Arbeit hat Späte in ihrem Dresdener Atelier erledigt, in Bad Hersfeld nimmt sie nur noch den Feinschliff vor.

Die Diplom-Maskenbildnerin, die ihr Handwerk an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden gelernt hat, ist freischaffend für Theater, Film, Fotografie und Figurentheater tätig und hat eine lange Liste an Referenzen vorzuweisen. Zur Maske der Bad Hersfelder Festspiele gehört sie seit 2015, die große Bühne in der Stiftsruine kennt Späte also gut. Der Figuren- beziehungsweise Puppenbau habe sich sozusagen nebenbei ergeben. Auch bei „Cabaret“ waren Spätes Werke 2015 und 2016 schon zu sehen.

Nicht nur die Kreativität, auch die Leidenschaft fürs Theater hat die Dresdenerin sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen: Ihr Vater ist Bildhauer, ihre Mutter Kostümbildnerin – von ihnen holt sich Späte immer noch gern Tipps und Anregungen. Kassiopeia ist übrigens nicht die einzige Puppe in „Momo“, mehr wird allerdings noch nicht verraten.

Premiere feiert das Theaterstück mit Musik für Kinder und Erwachsene nach dem erfolgreichen Roman von Michael Ende am 2. Juli. (Nadine Maaz)

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