Tierische Therapeuten

Esel und Ziegen: Philippsthaler Seniorenheim hat eigenen Streichelzoo

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Bereichern den Alltag: Mitarbeiterin Marion Kranz betreut die beiden Esel Emma und Max sowie die Zwergziegen im Streichelzoo.

Im Philippsthaler Seniorenheim werden Esel und Ziegen als tierische Therapeuten eingesetzt. Mit viel Erfolg, denn die älteren Menschen lieben den Kontakt zu den Tieren. 

Emma und Max sind bei Bewohnern und Besuchern des Evangelischen Altenhilfezentrums „Haus Kreuzberg“ die unbestrittenen Stars.

Das Gehege, das sich die beiden Esel mit drei Zwergziegen, Laufenten sowie einer Hühnerschar teilen, ist von den Balkonen des Alten- und Pflegeheims im Ortskern von Philippsthal gut einsehbar. „Zur Pflege gehört im weiteren Sinn auch, dass der Alltag älterer Menschen noch einen Inhalt hat“, verdeutlicht Carola Hoßfeld, die beim Haus Kreuzberg in der Tagespflege arbeitet.

Die Idee für den eigenen Streichelzoo hatte Einrichtungsleiter Hans-Joachim Keßler. Mit zwei Eseln habe das Experiment im Jahr 2010 begonnen, erinnert sich Marion Kranz, die die tierischen Bewohner betreut. Im Laufe der Zeit seien die drei Zwergziegen Paula, Lisbeth und Wallburga sowie einige Laufenten hinzugekommen. Außerdem streifen auf dem Gelände auch noch die beiden Katzen Odin und Chantal umher. Und im vergangenen Jahr hat eine bunte Schar Hühner und Hähne ihren Stall – einen ausrangierten, von Graffittikünstlern verschönerten Wohnwagen – bezogen.

Gut für die Arbeit mit Demenzkranken

Gerade im Umgang mit Demenzkranken sei die Biografiearbeit von zentraler Bedeutung, unterstreicht Carola Hoßfeld: „Um einer Person bei der Pflege gerecht zu werden, muss ich wissen, was für ein Mensch derjenige ist“. Für viele Senioren im ländlichen Raum hätten in ihrer Kindheit und Jugend Nutztiere noch zum Alltag gehört. Das Gackern der Hühner, das Krähen der Hähne oder der durchdringende Schrei der Esel seien für sie deshalb vertraute Geräusche. 

Bereichern den Alltag: Mitarbeiterin Marion Kranz betreut die beiden Esel Emma und Max sowie die Zwergziegen im Streichelzoo. 

Noch rüstige Bewohner des Seniorenheims schauen auf eigene Faust am Gehege vorbei. Sowohl in der in der Tages- als auch in der stationären Pflege werde den Senioren im Zuge der sozialen Betreuung regelmäßig der Umgang zu den Tieren ermöglicht – wie häufig, hänge auch vom Wetter ab. Die Besuche bei Eseln, Ziegen und Federvieh stünden bei den Senioren hoch im Kurs, erzählen Marion Kranz und Carola Hoßfeld. Die liebevolle Nähe der Vierbeiner und die Berührung des weichen Fells vermittle das Gefühl von Nähe und Geborgenheit und sorge für regelrechte Glücksgefühle. 

„Gerade Menschen, die sich zurückgezogen haben und kaum noch auf ihre Umwelt reagieren, zeigen beim Kontakt mit den Tieren plötzlich wieder Emotionen“, berichtet Carola Hoßfeld. Besonders sensibel im Umgang mit Pflegebedürftigen sei Esel Max, der sich regelrecht in sein Gegenüber einfühle. „Im Sommer fahren wir sogar die Bewohner in Pflegebetten zu ihm nach draußen“, so Marion Kranz.

Steichelzoo als Ort der Begegnung

Inzwischen sei der Strichelzoo ein regelrechtes Bindeglied: Tiere und der benachbarte Spielplatz sind auch Anziehungspunkt für Familien mit Kindern, was wiederum die sozialen Kontakte der Senioren fördere. Esel, Ziegen, Enten und Hühner sind aber nicht die einzigen Tiere, die im Haus Kreuzberg den Alltag abwechslungsreicher machen: Bereits seit einigen Jahren bringen auch Mitarbeiter gelegentlich ihre Hunde mit zur Arbeit. 

Auch für die Senioren selbst sei der Umzug ins Haus Kreuzberg nicht zwingend mit der Trennung vom geliebten Vierbeiner verbunden, merkt Marion Kranz an. Dennoch seien Bewohner mit eigenem Hund oder eigener Katze bislang eher die Ausnahme.

Fünf Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere 

Ums Füttern, Misten und die Pflege der Tiere im Streichelzoo kümmern sich umschichtig insgesamt fünf Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen der Evangelischen Pflegedienste neben ihren eigentlichen Aufgaben. Marion Kranz beispielsweise liefert sonst Essen auf Rädern aus. Auch Einrichtungsleiter Hans-Joachim Kessler übernimmt regelmäßig selbst Stalldienste. 

Finanzielle Unterstützung für Futter, Hufschmied und Tierarzt leistet ein Freundes- und Fördererkreis, größere Anschaffungen wurden aus dem Erlös von Flohmärkten finanziert. Unterstützung erhält der Tiergarten auch in Form von Futterspenden

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