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Philippsthal sucht neue Partner bei der Jugendpflege

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Maike Schöne, die bisherige Parlamentsvorsitzende in der Gemeindevertretung von Philippsthal.
Maike Schöne, die bisherige Parlamentsvorsitzende in der Gemeindevertretung von Philippsthal. © SPD-Philippsthal

Die Vorsitzende der Philippsthaler Gemeindevertretung, Maike Schöne (SPD), hat ihr Amt niedergelegt. Grund: Ein nicht mehr vorhandenes Vertrauensverhältnis zur Verwaltungsspitze.

Philippsthal – Die bisherige Vorsitzende der Philippsthaler Gemeindevertretung, Maike Schöne (SPD) hat ihr Amt niedergelegt. Auf Nachfrage unserer Zeitung begründete die Sozialpädagogin, die weiterhin dem Gemeindeparlament angehört, diesen Schritt mit einem nicht mehr vorhandenen Vertrauensverhältnis zur Verwaltungsspitze.

Hintergrund ist offenbar unter anderem das Vorgehen bei der Neuausrichtung der bislang auf interkommunaler Basis mit der Gemeinde Friedewald organisierten Ortsjugendpflege, mit der sich das Gemeindeparlament am Montagabend in der Kreuzberghalle befasste. Wegen Schönes Rückzug wurde die Sitzung vom stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden Ralf Merkel (FWG) geleitet.

Nach kontroverser Debatte beschlossen die Gemeindevertreter mehrheitlich mit 16 Ja-Stimmen aus SPD, FWG und CDU bei insgesamt fünf Gegenstimmen – vier aus der SPD-, sowie eine aus der FWG-Fraktion – zum kommenden Jahr eine Vereinbarung für eine neue Ortsjugendpflege mit der Villa Gedankenwelt abzuschließen.

Die örtliche Praxis für Lebensberatung und systemische Therapie bietet derzeit bereits – gefördert aus dem Werra-Ulster-Weser-Fonds – Persönlichkeits- und Selbstwertsteigerung, Konfliktbewältigung im Alltag sowie kreative Projekte für Zehn- bis 16-Jährige an. Bei einer Vertragslaufzeit von zunächst zwei Jahren beträgt der jährliche Anteil der Gemeinde künftig 30 000 Euro. Zudem soll über die Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe eine Kreisbeihilfe beantragt werden, um den Leistungsumfang noch zu erhöhen. Den bisherigen Kooperationsvertrag mit der Nachbarkommune hat der Gemeindevorstand inzwischen gekündigt.

Dass die interkommunale Ortsjugendpflege in ihrer derzeitigen Form nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht und in der Praxis offenbar Zeit für die Jugendlichen der Marktgemeinde bleibt – darin waren sich die Gemeindevertreter grundsätzlich einig.

Stellvertretend für einen Teil der SPD-Fraktion monierte Maike Schöne allerdings die in ihren Augen vorschnelle Festlegung auf den neuen Anbieter. Dessen Konzept sei äußerst vage – insbesondere werde nicht klar, wie viele Stunden Jugendarbeit die Gemeinde für die 30 000 Euro eigentlich bekomme. Die Vergabe ohne Ausschreibung und an einen nicht gemeinnützigen Träger halte sie zudem für rechtlich unzulässig – und damit auch nicht für förderfähig. Die frühere Parlamentsvorsitzende regte deshalb an, dass sich zunächst ein runder Tisch im Sinne der Jugendlichen grundsätzlich mit der Neuausrichtung der Jugendarbeit und allen möglichen Trägern befassen solle.

Der Landkreis habe keine grundsätzlichen rechtlichen Bedenken gegen das Vorgehen der Gemeinde gehabt, hielt Bürgermeister Timo Heusner dem entgegen. Das Konzept sei zudem nicht in Stein gemeißelt und könne den Bedürfnissen angepasst werden.

Die relativ kurze Vertragslaufzeit ermögliche eine Kündigung, falls sich das Angebot nicht bewähre, pflichtete ihm die CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrike Wenig bei. Dabei gelte es, die Jugendarbeit vonseiten der Verwaltung zu begleiten und auch das Parlament einzubeziehen. Ähnlich argumentierte auch Matthias Müller für die restliche SPD-Fraktion, der zudem unterstrich, dass der finanzielle Anteil der Gemeinde nun tatsächlich Kinder und Jugendliche aus Philippsthal zugutekomme.

„In Philippsthal läuft bisher fast nichts – nicht mal an einem Tag pro Woche“, beklagte auch Anja Zilch (FWG). Die Kooperation mit der Villa Gedankenwelt schließe ihrer Ansicht nach zudem nicht aus, dass darüber hinaus auch andere Anbieter, etwa die evangelische Kirche, in der Marktgemeinde tätig werden. (Jan-Christoph Eisenberg)

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