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Der amtierende Alheimer Bürgermeister gibt Auskunft

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Von: Carolin Eberth

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Sitzt bis zu den Neuwahlen im März auf Alheims Chefsessel: Dr. Andreas Brethauer (Erster Beigeordneter) ist amtierender Bürgermeister von Alheim, seit Jochen Schmidt den Abwahlantrag angenommen und damit sein Amt niedergelegt hat.
Sitzt bis zu den Neuwahlen im März auf Alheims Chefsessel: Dr. Andreas Brethauer (Erster Beigeordneter) ist amtierender Bürgermeister von Alheim, seit Jochen Schmidt den Abwahlantrag angenommen und damit sein Amt niedergelegt hat. © carolin eberth

Nachdem der parteilose Jochen Schmidt als Bürgermeister von Alheim zurückgetreten ist, hat der Sozialdemokrat Dr. Andreas Brethauer kurzfristig dessen Amtsgeschäfte übernommen. Der Erste Beigeordnete wird dieses Amt bis März 2023 innehaben. Wir sprachen mit ihm über seine neue Tätigkeit.

Alheim – Jochen Schmidt ist seit dem 16. November nicht mehr der Bürgermeister der Gemeinde Alheim. Nachdem drei der vier Alheimer Fraktionen für einen Abwahlantrag gegen Schmidt (parteilos) gestimmt hatten, blieb ihm eine Woche Bedenkzeit, in der er den Abwahlantrag annehmen konnte. Das tat er schließlich. Seither hat Dr. Andreas Brethauer (SPD) das Amt übernommen.

Herr Dr. Brethauer, Sie sind quasi über Nacht zum Bürgermeister geworden. Was war das für ein Gefühl? Hatten Sie damit gerechnet, dass Jochen Schmidt den Abwahlantrag annimmt?

Ich war erstmal sehr überrumpelt. Mit einem freiwilligen Rückzug habe ich nicht gerechnet, nachdem er selbst immer wieder betont hatte, es auf einen Bürgerentscheid ankommen zu lassen.

Wie kam es zu diesem Umbruch? Denken Sie, dass Schmidt aus dem Amt weggeputscht wurde?

Seine Gründe für den Rücktritt kenne ich auch nur aus der HNA. Die Gründe, die die Gemeindevertretung für seine Abwahl vorgebracht hat, sind ja bekannt. Als Mitglied des Gemeindevorstands habe ich mit diesem Prozess aber selbst erstmal nichts zu tun.

Inwieweit waren Sie als Erster Beigeordneter in den vergangenen Monaten informiert von Schmidt über die politischen Entscheidungen und Entwicklungen?

Ich habe Herrn Schmidt nach meiner Wahl zum Ersten Beigeordneten eine enge Kooperation angeboten. Er hat dies nicht gewünscht, was ich respektiert habe. Im weiteren Verlauf hat er mich über die im Gemeindevorstand laufende Arbeit hinaus leider wenig eingebunden.

Wie war Ihr erster Arbeitstag im Rathaus? Wie war die Stimmung?

Vom Rücktritt von Herrn Schmidt waren alle überrascht. Nachdem ich mit meinem Arbeitgeber die Situation besprochen habe, bin ich ins Rathaus. Dort habe ich erstmal mit den Mitarbeitern die Situation besprochen und damit angefangen, mir selbst einen Überblick zu verschaffen.

Die ersten Tage im Amt waren sicherlich schweißtreibend, um ein Spagat zwischen ihrem Job Innovations- und Projektmanager und den Tätigkeiten im Rathaus hinzubekommen. Wie werden Sie dies künftig vereinbaren können?

Ich habe sehr kurzfristig eine 50-Prozent-Freistellung mit meinem Arbeitgeber vereinbaren können. Aktuell reicht das aber bei Weitem nicht aus. Seit Übernahme der Amtsgeschäfte bin ich daher zu annähernd 100 Prozent für die Gemeinde im Dienst, um zumindest die größeren Baustellen zeitnah in den Griff zu bekommen. Das enorme Verständnis meines Arbeitgebers für die Situation ist keinesfalls selbstverständlich – ihm gebührt mein großer Dank!

Dann werden nun auch verstärkt die weiteren Beigeordneten miteinbezogen, oder?

Ich habe von allen anderen Gemeindevorstandsmitgliedern schon sehr viel Unterstützung angeboten bekommen, auch dafür bin ich sehr dankbar. Im Vorstand herrscht aber auch generell ein sehr konstruktives Verhältnis.

An dem letzten Arbeitstag von Schmidt hat sich auch die Kita-Leiterin in Baumbach von ihren Mitarbeitern auf unbestimmte Zeit verabschiedet. Danach folgten weitere Veränderungen und mehrere Stellenausschreibungen für die Kitas wurden ausgeschrieben. Was können Sie hierzu sagen?

Die Ausschreibungen waren bereits seit Längerem beschlossen. Auch, dass die Kita-Leitung nicht wieder kommen möchte, kann ich so nicht bestätigen. Natürlich ist es aber kein Geheimnis, dass die Kita in Baumbach zu den bereits genannten größeren Baustellen zählt. Ich bemühe mich aktuell verstärkt, hier die Probleme zu klären und einen geordneten Betrieb zu gewährleisten. Richtig ist auch, dass ich bei Stellenausschreibungen verstärkt auf soziale Medien setze. Das ist heute „State of the Art“ (zu Deutsch: der aktuelle Entwicklungsstand).

Können Sie Schmidts Aussage bestätigen, dass die im Januar öffentlich gewordene Kita-Krise sorgfältig aufgearbeitet worden ist?

Nein.

Und warum?

Es wurden Fehler gemacht, deren Aufarbeitung nun läuft. Dazu kann unter Umständen auch gehören, öffentlich getätigte Aussagen aus der Vergangenheit geraderücken zu müssen. Mehr kann ich dazu aktuell nicht zu sagen.

Zuletzt hörten wir über Jochen Schmidt, dass er beispielsweise einen Vertrag zu den PV-Anlagen auf zwei Feuerwehrgerätehäusern in Alheim eigenständig unterschrieben hat, was er so nicht hätte tun dürfen. In welchem Zustand waren denn die Amtsgeschäfte, als Sie diese übernommen haben?

Wie gesagt gibt es größere Baustellen in Alheim, die ich in den Griff bekommen muss. Dazu gehören auch Versäumnisse, für die nun ich geradestehen muss, auch wenn ich sie gar nicht verursacht habe. Ich kann hier aus Gründen des Datenschutzes keine Details nennen und möchte auch keine dreckige Wäsche waschen.

Bevor Sie 2021 der Erste Beigeordnete der Gemeinde wurden, hatten Sie noch nie ein politisches Mandat inne. Haben Sie dieses Amt sozusagen gewählt als Sprungbrett, um mal Bürgermeister von Alheim zu werden?

Ich bin Teil einer SPD-nahen Gruppe von Mitbürgern Alheims, die sich rund um die Kommunalwahlen gegründet hat und heute auch stark in den Gremien vertreten ist. Die Mitglieder sind auch bei weitem nicht alle SPD-Mitglieder. Unser Ziel war es, gemeinsam mit Herrn Schmidt, die Gemeinde Alheim voranzubringen. Heute wissen wir, es ist anders gekommen, als wir es uns erhofft hatten. Aber um nun Ihre Frage zu beantworten: Ich habe dieses Amt nicht gewählt, um selbst Bürgermeister zu werden. Keiner von uns hat damit gerechnet, welchen Schwierigkeiten wir uns heute stellen müssen.

Jochen Schmidt wurde mehrfach mangelnde Kompetenz vorgeworfen. Inwieweit sehen Sie sich als kompetent für ihre neuen Aufgaben als Rathauschef?

Ich habe eine Ausbildung auf der Gemeindeverwaltung absolviert, bevor ich studiert habe. Während und nach dem Studium habe ich nebenberuflich immer wieder in der IT der Verwaltung unterstützt. Ich kenne also Alheim, ihre Verwaltung und habe mich in den vergangenen 1,5 Jahren weitergebildet, auch um den häufigen Vertretungseinsätzen für den ehemaligen Bürgermeister gerecht zu werden. Unter anderem habe ich Kurse der Sozialdemokratischen Kommunalakademie belegt.

Haben Sie schon spezielle Pläne für die kommenden Monate? Oder Ziele, die Sie erreichen wollen?

Es ist bis März meine Aufgabe, die dringenden Themen abzuarbeiten und den Verwaltungsbetrieb in Alheim aufrecht zu erhalten, damit der dann neu gewählte Bürgermeister eine gute Grundlage für den Neustart hat. Ideen habe ich viele, aber die werde ich aus diesem Grund wohl bis März nicht umsetzen können. Nun steht unter anderem erst einmal der Haushalt auf der Tagesordnung

Und nun die Frage, die sich bestimmt schon einige in der Gemeinde stellen: Werden Sie bei der Bürgermeisterwahl im März als Kandidat antreten?

n der Tat werde ich das zurzeit häufig gefragt. Und die politische Arbeit bereitet mir durchaus Freude. Ich mag es, mitzugestalten und für die kleinen und großen Probleme der Bürger da zu sein. Ich habe aber noch keine Entscheidung getroffen.

Welche Schlagzeile würden Sie in einem Jahr gerne über Alheim in unserer Zeitung lesen?

Ich bin von Haus aus eher ein sachlicher Typ, für mich wäre daher keine Schlagzeile die Beste. Aber wenn, dann etwas in Richtung „Alheimer vereint und voller Energie auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft“.

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