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Projekt Tanzgarten in Ronshausen will demografischen Wandel als Chance nutzen

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Von: Susanne Kanngieser

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Aus luftiger Höhe: Am Samstag wurde in Ronshausen Werbung für das Projekt Tanzgarten gemacht. Das Drohnenfoto zeigt mögliche Umrisse des Mehrgenerationen-Baus, dargestellt von einer Menschenkette.
Aus luftiger Höhe: Am Samstag wurde in Ronshausen Werbung für das Projekt Tanzgarten gemacht. Das Drohnenfoto zeigt mögliche Umrisse des Mehrgenerationen-Baus, dargestellt von einer Menschenkette. © Kai Merkert

In Ronshausen wird das Wohnprojekt Tanzgarten präsentiert. Es soll die Generationen zusammenbringen, bisher kommt die Idee gut an.

Ronshausen – Kai Merkert – Architekt, Planer und treibende Kraft hinter dem Ronshäuser Wohnprojekt Tanzgarten – zitiert gern Zukunftsforscher Matthias Horx: Trends erzeugen Gegentrends. Ein Beispiel: Während der Pandemie lasen die Leute mehr Bücher. Ein weiteres Beispiel: Das Altern der Gesellschaft, kann auch eine Chance für die Region sein.

Am Samstagnachmittag stellte Merkert kurzweilig und präzise vor etwa 70 Frauen und Männern im Haus des Gastes das Wohnprojekt Tanzgarten vor – die dortige Ausstellung ist noch bis 6. Mai zu sehen. Als Studie für ein generationenübergreifendes „Wohnen auf dem Land“ ist der Tanzgarten Teil einer Strategie, in der es auch darum gehen wird, in die Jahre gekommene Häuser in Ronshausen attraktiv für jüngere Generationen zu machen.

„Dafür brauche ich Eure Immobilien für eine Entwurfsveranstaltung mit Studierenden“, sagte der an der TU Wien lehrende Architekt mit Ronshäuser Wurzeln. Zurzeit stünden in Ronshausen nur noch 23 Häuser leer (2009: 90 Häuser), in 203 Gebäuden lebten Menschen, die über 60 Jahre alt sind (2009: 87 Häuser). Viele könnten die Instandsetzung nicht mehr allein bewältigen.

Sieht eine „Chance für die Region“: Architekt Kai Merkert bei der Präsentation des Projekts im Tanzgarten.
Sieht eine „Chance für die Region“: Architekt Kai Merkert bei der Präsentation des Projekts im Tanzgarten. © Susanne Kanngieser

Kai Merkert hat das am Beispiel der eigenen Eltern erlebt: Die Gartenfläche sei immer kleiner geworden, bewohnt werde von dem Ehepaar nur noch eine Etage. Mit seinen Beobachtungen, gepaart mit wissenschaftlichen Analysen, machte er deutlich, dass sich viele Senioren kleine Wohnungen wünschen und den Kontakt zur jüngeren Generation suchen.

Die Kommunalpolitik und viele Ronshäuser haben sich bereits zum Projekt bekannt

Genau das ist die Idee für den Tanzgarten, und sie kommt an. Der Planer und Architekt hat nicht nur die Kommunalpolitik auf seiner Seite, sondern auch zahlreiche Ronshäuser, die sich auf Facebook oder Instagram zu dem Projekt bekannt haben. Das Areal sei schön gelegen, nur wenige Meter zum Supermarkt, dem Marbachtal, dem Schwimmbad oder der naheliegenden Autobahn. Letzteres sei für Berufspendler ein großes Plus. Merkert hat den alten Baumbestand ins Konzept integriert: Die Eiche, nach dem deutsch-französischen Krieg etwa 1879 gepflanzt, soll ebenso wie die Platane oder die Linde an der Berliner Straße weiterhin Schatten spenden.

Zu den Wohnungen gibt es einen Gemeinschaftsraum und ein Zimmer für Hausgäste. Auch eine barrierefreie Garage ist eingeplant, obwohl es für den Architekten in Zukunft auch um das Teilen von Autos unter den Senioren geht. Das Projekt ist auf Synergie angelegt: Man teile sich die Miete fürs Zimmer der Hausgäste oder die Garage. Die Räume ließen sich leicht umgestalten, auch für einen eventuell eintretenden Pflegefall. Die Größe der Wohnungen reicht von „kompakt“ (45 Quadratmeter) bis „variabel“ (90 Quadratmeter) – alles barrierefrei, naturnah und vor allem frei von Einsamkeit.

Ausstellung läuft bis 6. Mai 2022

Viele Grafiken, Pläne und Modelle zeigen bis Freitag, 6. Mai, von 16 bis 18 Uhr in der Kehlberg-Stube im Haus des Gastes in Ronshausen, wie das 2410 Quadratmeter große Tanzgarten-Areal zu einer Wohnanlage werden kann und wie in einem Clusterbau rund ein Dutzend Wohnungen um ein Treppenhaus angeordnet sind. Mit der Präsentation endet die Verlängerung für den Verkauf des Tanzgartens, das Grundstück kann von Bauträgern wieder erworben werden.

Der 75-Quadratmeter-Wohntyp wurde am Samstag mit einer Art Menschenkette nachgestellt. Die Gäste bekamen dabei ein gutes Gefühl vom künftigen Wohnen. Kati (54) und Peter Zimmermann (53) aus Ronshausen sind überzeugt. Besonders gefällt ihnen, dass alles barrierefrei und bunt gemischt sein wird. Auch Ursula Strube ist angetan. „Noch einfacher wäre es, wenn eine Vertraute oder Bekannte auch einziehen würde.“ Die 71-Jährige sorgt sich nur, ob sich ihr Haus in Süß verkauft, mit einem Grundstück, das sie nicht mehr allein bewältigen kann. Ob sie ihr lieb gewonnenes Auto teilen will, weiß sie noch nicht. (Susanne Kanngieser)

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