Erstmals gibt es offizielle Zahlen

Nach neuem Gesetz: 34 Prostituierte sind im Kreis Hersfeld-Rotenburg angemeldet

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Prostitution ist im Kreis Hersfeld-Rotenburg eine überschaubare Angelegenheit, sagt man im Landratsamt.

34 angemeldete Prostituierte hat es 2019 im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gegeben. Nach einer Gesetzesänderung konnten offizielle Zahlen erstmals erhoben werden.

Zuständig dafür ist beim Landkreis Norbert Vollmar. Der Fachdienstleiter für Ordnung und Gewerbe geht von einer niedrigen Dunkelziffer aus. „Ich denke, dass 95 Prozent der Prostituierten im Landkreis bei uns registriert sind“, sagt er.

2017 trat auf Bundesebene das Prostitutionsschutzgesetz in Kraft – bis dahin war das Gewerbe zwar in der deutschen Geschichte nie effektiv verboten, aber im Vergleich zu anderen Gewerben auch kaum reguliert. Die beiden wesentlichen Neuerungen: Die Prostitutionsstätten benötigen nun eine Erlaubnis und jede Prostituierte eine Anmeldebescheinigung, umgangssprachlich „Hurenpass“. In diesem Zuge bekommen die Sexarbeiterinnen – Männer haben im Landkreis bislang keine Pässe beantragt – eine Gesundheitsberatung und werden über die Sozialgesetzgebung in Deutschland aufgeklärt. Im Herbst 2018 entschied man sich im Landkreis dafür, dass das Landratsamt das für alle 20 Kreis-Kommunen übernimmt.

Norbert Vollmar, zuständig für die Kontrolle von Prostitution im Landkreis. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Es gibt laut Vollmar zehn Gewerbe: vier in Bad Hersfeld, zwei in Kirchheim sowie jeweils eins in Bebra, Cornberg, Alheim und Niederaula. Fast alle davon sind als „Wohnungsprostitution“ klassifiziert. Vorgeschrieben ist, dass jeder Sexarbeiterin dort ein Arbeitsraum und ein Privatraum sowie sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stehen. Weil Vollmar die Räume kennt, weiß er auch, wie viele Prostituierte maximal zur gleichen Zeit dort arbeiten dürfen – und welche Frauen gerade ihre Dienste anbieten, kann man auf einschlägigen Internetseiten erfahren. In der Regel wechseln die Prostituierten alle zwei bis drei Wochen ihren Arbeitsort, so Vollmar. Kaum eine wohne dauerhaft im Kreisgebiet.

Fast alle der registrierten Sexarbeiterinnen arbeiten in den zehn genannten Prostitutionsstätten – aber auch, wer die Dienste alleine in der eigenen Wohnung anbietet, muss den „Hurenpass“ beantragen.

„Prostitutionsveranstaltungen“ wie zum Beispiel Swinger-Partys, Wohnwagen-Prostitution, Straßenstriche und Escort-Services sind im Kreisgebiet nicht bekannt. „Das Thema ist hier überschaubar“, sagt Norbert Vollmar.

Aufregung war zunächst groß

Als es im Jahr 2017 hieß, dass die Durchsetzung des neu eingeführten Prostitutionsschutzgesetzes Aufgabe der Kommunen werden soll, war die Aufregung im Kreis groß. Man einigte sich schließlich darauf, dass die Überwachung des horizontalen Gewerbes im Landratsamt gebündelt wird. Auch dort war das Neuland – doch mittlerweile habe man das Thema gut im Griff, sagt Norbert Vollmar, Fachdienstleiter für Ordnung und Gewerbe. 

„Es gab keinerlei Muster dafür, wie eine Anmeldebescheinigung für Prostituierte aussehen könnte. Also mussten sich die Verwaltungen untereinander austauschen. Ich habe mit der Stadt Leipzig Kontakt aufgenommen und wir haben telefonisch diese Erlaubnis zusammengezimmert“, erinnert er sich. Die Umsetzung des Gesetzes überließ der Bund den Ländern. In Hessen wollte man die Zuständigkeit zunächst bei den Kommunen belassen. Dann wurde entschieden, dass nur Städte ab 7500 Einwohnern selbst für Prostitution zuständig sein sollten. 

Kontrolliert wird mindestens einmal pro Jahr

In Hersfeld-Rotenburg fand man schließlich vor gut einem Jahr die nun gültige Lösung. „Es ist natürlich sinnvoll, dass die Kompetenz bei uns gebündelt ist“, sagt Vollmar. Durch das Hin und Her dauerte es aber, bis das im Sommer 2017 in Kraft getretene Gesetz tatsächlich umgesetzt wurde. Mittlerweile kennt Vollmar alle Prostitutionsstätten im Kreis, die nun mindestens einmal pro Jahr von ihm kontrolliert werden. Bei einigen mussten in Folge des neuen Gesetzes die Räumlichkeiten angepasst werden. 

So muss zum Beispiel ein Alarmierungssystem nachgewiesen werden, das die Prostituierten bei übergriffigen Kunden schützen soll. „So etwas gab es vorher nicht. Das ist natürlich gut für die Prostituierten. Und für uns ist das Gesetz eine Hilfe, weil es uns einen besseren Zugriff und eine bessere Kontrolle ermöglicht.“ Teil von Vollmars Arbeit ist auch eine Zuverlässigkeitsprüfung der Betreiber, von denen die Hälfte Frauen sind. Sie müssen finanziell solvent sein, Strafverfahren und Steuerschulden sind Ausschlusskriterien. Die Ausstellung der „Hurenpässe“ übernimmt Vollmar allerdings nicht. „Wir waren uns einig, dass das besser eine Frau machen sollte“, sagt er. 

Die will ihren Namen lieber nicht in der Zeitung nennen, berichtet aber: „Ich hatte bisher nie den Eindruck, dass eine der Frauen gegen ihren Willen hier war. Sie dürfen auch nur alleine zum Gespräch kommen.“ Die externe Kreis-Frauenbeauftragte Elke Künholz sagt, dass keine Fälle von Zwangsprostitution bekannt seien – eine gewisse Dunkelziffer sei aber möglich. Das Gesetz verursacht für den Landkreis laut Vollmar keine zusätzlichen Kosten. Die Ausstellung des Ausweises bringt 15 Euro ein, das Beratungsgespräch 32 Euro und die Gesundheitsberatung 44 Euro. Zusätzlich fließen Bußgelder in die Kreiskasse. Insgesamt übersteige das die Verwaltungskosten, die das Landratsamt hat, sagt Vollmar. 

Hintergrund: 27 kommen aus Osteuropa

Von den 34 im vergangen Jahr gemeldeten Prostituierten kommen laut Angaben des Landratsamtes 27 aus Osteuropa, davon alleine neun aus der Ukraine. Vier kommen aus Deutschland und jeweils eine aus Spanien, Italien und Thailand. Mehr als ein Drittel der Frauen ist zwischen 45 und 50 Jahren alt. Nur drei sind jünger als 30, zwei älter als 60 Jahre. (czi)

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