Protest gegen Putenmast: Investor plant Biobetrieb

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Ein Investor aus Heinebach plant den Bau eines Bio-Putenmaststalls mit 2400 Tieren in Licherode: Der Stall soll oberhalb der Ortslage am Kronbornweg gebaut werden. Die Licheröder befürchten eine Geruchsbelästigung durch die Tiere. 

Licherode. Bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Licherode ging es hoch her. Der Grund: Ein Investor aus Heinebach möchte am Kronbornweg einen Bio-Maststall für Puten errichten.

Dafür hat er jetzt eine Bauvoranfrage gestellt. Diese stieß jedoch in der Sitzung des Ortsbeirates, zu der 17 Zuschauer gekommen waren, überwiegend auf große Ablehnung.

Das Bauvorhaben

Lars Hafermas, der Investor aus Heinebach, plant einen Bio-Putenmaststall mit insgesamt 2400 Tieren zu bauen. Der Stall soll gegenüber dem Rinderbetrieb von Willi Eckhardt errichtet werden, der auch Besitzer des Baugrundstücks ist. Da es sich um einen Biohof handeln wird, ist für den Auslauf eine Freifläche von insgesamt 24 000 Quadratmetern vorgesehen. Der Stall wird etwa 75 Meter lang und 22 Meter breit sein.

Nachdem Ortsvorsteher Udo Aschenbrenner diese Pläne dem Ortsbeirat und den Zuschauern vorgestellt hatte, räumte er Letzteren ein Rederecht ein. Der Kreis hatte nämlich den Ortsbeirat um eine Stellungnahme zum Bau des Putenmaststalls gebeten. Dazu wollte Aschenbrenner auch die Licheröder anhören.

Der Ortsvorsteher machte jedoch im Vorfeld deutlich, dass es sich bei dem Puten-Projekt um ein privilegiertes landwirtschaftliches Bauvorhaben handele. Die Chance, darauf Einfluss zu nehmen, sei sehr gering. In letzter Instanz entscheide nämlich das Bauamt. Aschenbrenners Hoffnung sei es aber, mit dem Bauherrn ins Gespräch zu kommen, um Kompromisse zu schließen.

Der Ärger

Als die Zuschauer das Wort hatten, wurde es sogleich emotional. Eine Licheröderin sagte: „Wozu brauchen wir Heinebächer, die uns die Luft verpesten - nur, weil wir der kleinste Ort in Alheim sind?“ Von den anderen erhielt sie dafür Zustimmung. Licherode werde nach dem Bau des Putenmaststalls nicht mehr lebenswert sein, war eine andere Äußerung aus dem Publikum. Für das Dorf würde durch den Bau nichts rumkommen, nur Dreck, Lärm und mehr Verkehr, ärgerte sich ein Zuschauer.

Die größte Sorge galt aber der Geruchsbelästigung, die durch den Putenstall erwartet wird. Der Stall würde westlich von Licherode liegen, also in der Windrichtung des Dorfes. Für das Umweltbildungszentrum wäre das nach Meinung der Anwesenden fatal: „Welche Kinder kommen dann noch her, wenn es hier so stinkt?“, wurde in die Runde gefragt. Und was passiert dann mit den dortigen Arbeitsplätzen? Georg Knierim, ehemaliger Licheröder Ortsvorsteher, gab außerdem zu bedenken: „Wie kann es sein, dass Alheim als nachhaltigste Gemeinde Deutschlands Massentierhaltung erlaubt?“ Das sei kontraproduktiv.

Die Stellungnahme

Letztlich einigte sich der Ortsbeirat darauf, keine abschließende Stellungnahme abzugeben. Man sei nach aktuellem Informationsstand nicht in der Lage, über die Bauvoranfrage urteilen zu können. Es gebe noch Punkte - zum Beispiel die eventuelle Geruchsbelästigung, die Verkehrsanbindung, der Brandschutz und die Wasserversorgung -, die vom Bauherren erläutert werden müssten, am besten zeitnah und in Form einer Bürgerversammlung.

Sollte der Investor dem Wunsch nach einer detaillierten Projektvorstellung nicht nachkommen, dann - so heißt es im Beschluss - lehnt der Ortsbeirat das Bauvorhaben ab - aus Sorge um wirtschaftliche Nachteile für das Umweltbildungszentrum.

Das sagt Willi Eckhardt

Willi Eckhardt, Zeit seines Lebens Licheröder, ist Eigentümer des Baugrundstücks und plant zusammen mit Investor Lars Hafermas die Errichtung des Putenmaststalls. Die Sorgen seiner Mitbürger hält er für unbegründet. Für eine Geruchsbelästigung seien es zu wenige Tiere, die in dem Stall untergebracht werden. Und auch auf die Frage nach Brandschutz und Wasserversorgung hat er eine Antwort: Neben seinem Rinderbetrieb, der direkter Nachbar des Putenstalls werden würde, hält der 60-Jährige einen genehmigten Tiefenbrunnen sowie einen Löschwasserbehälter mit 100 000 Liter Wasser bereit. „Der Bau des Putenstalls würde Licherode voranbringen und Geld in Form von Steuern in die Kassen spülen“, erklärt Eckhardt.

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