Vorfälle in Nentershausen und Heringen

Prozess um gesprengte Zigarettenautomaten: Am Ende fehlten die Beweise

Symbolbild Gericht HNA
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Die beiden 32-jährigen Angeklagten sollen in Nentershausen und Heringen Zigarettenautomaten mit selbst gebastelten Sprengsätzen zerstört haben. Jetzt wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Das Landgericht Fulda hat ein Verfahren gegen zwei Angeklagte aus Gerstungen aus Mangel an Beweisen eingestellt. Ihnen wurde vorgeworfen, Zigarettenautomaten gesprengt zu haben.

Fulda/Nentershausen/Heringen - „Wenn Sie an den Taten beteiligt waren, haben Sie mit dem Ausgang dieses Verfahrens Glück gehabt.“ So brachte es der Vorsitzende Richter der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda, Josef Richter, am Ende diplomatisch auf den Punkt. Den beiden Angeklagten aus Gerstungen wurde vorgeworfen, im Dezember 2016 und Januar 2017 gemeinsam mit zwei gesondert verfolgten Mittätern selbst gebastelte Sprengsätze an Zigarettenautomaten in Heringen-Leimbach und Nentershausen-Süß angebracht und diese gezündet zu haben. Ihr Ziel soll gewesen sein, an das Geld und die Zigaretten zu kommen.

Damit konnte die Justiz nur einen der wahrscheinlich vier Täter überführen. Ein Dankmarshäuser war bereits im Januar 2020 vom Amtsgericht Bad Hersfeld zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ermittelt wurde der Dankmarshäuser durch DNA-Spuren, die an den Klebeband-Resten der Eigenbau-Bomben gesichert werden konnten. Er hatte ausgesagt, die beiden jetzt vor dem Landgericht Angeklagten seien Mittäter gewesen. Einer der beiden sei sein Dealer gewesen. Um Schulden bei ihm zu begleichen habe er sich bereit erklärt, die Sprengkörper zu bauen. Die Bomben hatten eine sehr hohe Sprengkraft – höchst gefährlich für Menschen und Gegenstände. Ein weiterer Verdächtiger war im Januar vom Amtsgericht Bad Hersfeld – aus Mangel an Beweisen – freigesprochen worden.

Die beiden Angeklagten bestritten eine Beteiligung an den Taten

Die beiden 32-jährigen Angeklagten aus Gerstungen bestritten im Prozess vor dem Landgericht, an den Taten in Süß und Leimbach beteiligt gewesen zu sein. Die Liste ihrer Vorstrafen ist lang. Beide bringen Haftstrafen von über drei Jahren mit, die dann auf Bewährung ausgesetzt worden waren. Reststrafen sind noch offen. Beide räumten ein, drogenabhängig gewesen zu sein. Zu den früheren Straftaten sei es gekommen, weil sie Geld für ihre Drogen gebraucht hätten.

Weder in Nentershausen, noch in Heringen gab es Zeugen, die einen der Täter hätten genauer beschreiben können. Auf an den Tatorten sicher gestellten Gegenständen wurden keine DNA-Spuren der beiden vor dem Landgericht Angeklagten gefunden.

Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft war der Dankmarshäuser Täter. Trotz Vorladung erschien dieser aber nicht vor dem Landgericht. „Er befindet sich in einer Therapieeinrichtung und wäre frühestens Ende Mai wieder vernehmungsfähig“, berichtete der Vorsitzende Richter Josef Richter.

Richter: Zu viele Fragen blieben offen

„Hier steht Aussage gegen Aussage. Es gibt keine objektiven Beweise und der Hauptbelastungszeuge ist dazu noch ein Mitangeklagter“, begründete der Richter die Einstellung des Verfahrens. Durch die Aussagen des Mitangeklagten hätten sich zu viele Widersprüche ergeben, zu viele Fragen seien offengeblieben. Er sei in der Zeit seiner Vernehmungen auch drogenabhängig und seine zeitliche Orientierung gestört gewesen, so der Richter.

Und am Ende redete er den beiden 32-jährigen Gerstungern noch einmal ins Gewissen. „Sie stehen unter Bewährung. Bisher läuft es ja ganz gut bei Ihnen. Die Bewährungshilfe bestätigt, dass die Therapien erfolgreich sind. Lassen Sie sich dieses Verfahren eine Lehre sein: Hände weg von allen Dingen, die Anderen oder Ihnen schaden können.“

Ein Gerichtsverfahren kann nach der Einstellung zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgenommen werden – bei einem Freispruch dagegen nicht. (René Dupont)

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