Ein Waschbär verwüstete in Ersrode einen Bienenstock - 25.000 Tiere kamen um

Der Schock ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Gerlinde Bettenhausen und Lothar Vahle mit den zerstörten Resten aus ihrem Bienenhaus. Fotos: Meyer

Den Waschbären, soviel weiß Gerlinde Bettenhausen, bekommt man nicht zu Gesicht. Sichtbar sind nur die Spuren, die er hinterlässt.

Im Bienenhäuschen von Gerlinde Bettenhausen und ihrem Lebensgefährten Lothar Vahle in Ersrode hat ein Waschbär Spuren der Verwüstung hinterlassen.

In der zwei Zentimeter dicken Holzwand eines der Kästen, einer so genannten Beute, klafft ein Handteller-großes Loch. Der Bienenwachs mit den Honigwaben in den Holzrahmen fehlt, die Drähte in den Rahmen sind zerrissen. Auf dem Boden des verwüsteten Bienkastens liegen faserige Holzfetzen, Wachsklumpen und zahllose tote Bienen.

Vermutungen

Wie genau sich der Raubzug des Waschbären zugetragen hat, darüber kann Lothar Vahle nur mutmaßen. Vermutlich geschah folgendes: Der Waschbär, ein nachtaktives Tier, nagte nachts von außen das Loch in die Kiste. Um sich keine von Stichen geschwollene Nase zu holen, verschwand er wieder. Der Bienenschwarm, erklärt Lothar Vahle, bildet im Winter eine große Traube. Die Tiere bewegen sich kaum, um Energie zu sparen. Durch das Loch drang Kälte ein, die Bienen, geschätzte 25 000 Tiere, erfroren. In der folgenden Nacht kehrte der Waschbär zurück, langte mit der Tatze durch das Loch und verputzte alles, was der Bienenkasten zu bieten hatte: Bienenwachs, Honigreste, die süße Ersatznahrung der Insekten und natürlich die knackigen Bienen selbst. Im Schnee vor dem Häuschen hinterließ er einen verräterischen Abdruck seiner Waschbärentatze.

Zehn Völker

Der Schock ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Gerlinde Bettenhausen und Lothar Vahle mit den zerstörten Resten aus ihrem Bienenhaus. Fotos: Meyer

Zehn Bienenvölker hatten Gerlinde Bettenhausen und Lothar Vahle, eines davon ist nun zugrunde gegangen. Den finanziellen Schaden durch die Zerstörung der Beute schätzt Vahle auf 300 Euro. Die Arbeit, die in so einem Bienenvolk steckt, lasse sich kaum beziffern. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte Vahle das Bienenvolk in mühseliger und viel Feingefühl erfordernder Arbeit in seinem Bienenhäuschen angesiedelt. Im Gegensatz zu Schäden durch Rehe oder Wildschweine, für die der Jagdpächter aufkommen muss, hafte laut Gesetz niemand für Schäden durch Waschbären, erklärt Vahle.

Dort hinein: Dieses Loch nagte der Räuber in die Wand des Bienenhäuschens. In der Winterkälte erfroren die Tiere.

Vor zwei Jahren trieb in Vahles Bienenhaus schon einmal ein Waschbär sein Unwesen und zerstörte vier Bienenvölker. Damals bekam Bettenhausen doch einmal das pelzige Tier zu Gesicht. Der Waschbär saß auf einem Balken über den Bienenkästen. Bettenhausen: „Es sah aus, als streckte er mir die Zunge raus. Dann ist er abgehauen.“ Bettenhausen wünscht sich, dass von staatlicher Seite mehr für den Schutz der Imker getan werde. „Die Bienen sind so nützlich. Erst stirbt die Biene, und dann stirbt der Mensch.“

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