Schneechaos auf Autobahnen in Hersfeld-Rotenburg

Räumen unter Polizeischutz - Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Hönebach waren im Dauereinsatz

Autos und Lkw stehen im Stau auf der verschneiten Autobahn bei Friedewald, während sich ein Räumfahrzeug den Weg bahnt.
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Auch in früheren Jahren hat es immer wieder einmal heftige Winter gegeben. Dieses Foto hängt in der Autobahnmeisterei in Hönebach und ist am 3. Dezember 2010 auf der Autobahn 4 bei Friedewald entstanden.

Mehr als schwierig waren die Verhältnisse auf den Autobahnen im Kreis Hersfeld-Rotenburg Anfang der Woche. Auch Fahrzeuge der Autobahnmeisterei Hönebach steckten im Schneechaos fest.

Hönebach – Derart heftige Schneefälle innerhalb nur weniger Stunden hat Thomas Batzke vorher noch nicht erlebt. Der Obergeiser ist seit dem Jahr 2000 Autobahnmeister und leitete ab 2003 die Autobahnmeisterei in Kirchheim. Im Jahr 2012 folgte dann der Umzug in die neue Autobahnmeisterei in Hönebach mit dem nun dazugehörenden Stützpunkt in Kirchheim.

Rückblickend auf das vergangene Wochenende spricht er von mehr als schwierigen Verhältnissen für seine Mitarbeiter, als innerhalb nur weniger Stunden in der Region bis zu 50 Zentimeter Schnee fielen und so für Ausnahmezustände auf fast allen Straßen sorgten. An den Steigungsstrecken auf den Autobahnen 4, 5 und 7 in seinem Zuständigkeitsbereich ging Montagfrüh ab 2 Uhr nichts mehr. Alle Räder standen still.

Autobahnmeister Thomas Batzke aus Obergeis sitzt hin und wieder auch an seinem Schreibtisch.

Querstehende Lastwagen und festgefahrene Autos verstopften den Reckeröder Berg, den Pommer und die Kreuzeiche. „Das liegt auch daran, dass wir in diesen Bereichen Steigungen von sieben und mehr Prozent haben. Das schafft bei Schnee auf der Straße kein Lastwagen“, erklärt Batzke.

Zunächst deutete auch nichts auf derartige Schneemassen hin. In den Wettervorhersagen war für die Region zwar ein kräftiger Temperatursturz mit Eisregen vorhergesagt. Daher waren auch bei der Autobahnmeisterei ab 19 Uhr am Sonntag alle Mitarbeiter im Einsatz. „Unsere acht Räum- und Streufahrzeuge liefen rund um die Uhr. Die erste Nachthälfte hatten wir somit auch gut im Griff. Doch dann kam der Schnee“, erinnert sich der Autobahnmeister.

Auch auf dem eigenen Gelände in Hönebach müssen die Schneemassen beseitigt werden.

Drei der acht Räumfahrzeuge waren urplötzlich nicht mehr dienstbereit, weil sie auf den Autobahnen zwischen anderen Fahrzeugen feststeckten. „Die Fahrer wurden dann zum eigentlichen Dienstende – nach maximal zwölf Stunden – von Kollegen abgelöst, die dann in den Fahrzeugen warteten, bis sie selbst wieder befreit waren und arbeiten konnten“, berichtet Batzke. Die anderen fünf Räumfahrzeuge sind in Begleitung der Polizei dem stehenden Verkehr entgegengefahren und räumten so die Fahrbahnen. So wurden die vordersten Lastwagen gelöst und konnten weiterfahren. Doch schon nach kurzer Zeit herrschte wieder Stillstand, weil sich manche Brummifahrer schlafen gelegt hatten. Andere wiederum trauten sich ganz einfach nicht, auf dem immer noch rutschigen Untergrund loszufahren.

Das Salzlager der Autobahnmeisterei in Hönebach fasst 800 Tonnen.

3000 Tonnen Salz

In diesem Winter 2020/2021 hat die Autobahnmeisterei Hönebach bereits 2000 Tonnen Salz verbraucht. Insgesamt 3000 Tonnen könnten es noch werden. Die Lagerkapazität in den Hallen an allen Stützpunkten beträgt 2700 Tonnen. Im Extremwinter 2010/2011 wurden 6500 Tonnen verbraucht. (rey)

„Da hat teilweise die Angst mitgespielt. Manchen mussten wir gut zureden, dann hat es auch funktioniert. Ich kann allen Verkehrsteilnehmern nur empfehlen, an einem Fahrertraining teilzunehmen, um Grenzbereiche auszuloten. Bei vielen fehlt ganz einfach das Selbstvertrauen im Umgang mit dem eigenen Fahrzeug. Ganz besonders, wenn es sich dabei um einen 40-Tonner handelt“, verdeutlicht der Leiter der Autobahnmeisterei. Für die Fahrer der Räumfahrzeuge sind derartige Trainingseinheiten bereits verbindlich vorgeschrieben.

Die Schneeschleuder der Straßenmeisterei Rotenburg war auf dem Parkplatz Nadelöhr an der A4 im Einsatz.

Da Batzke und sein Team so vor vielen Problemen standen, dauerte es in einigen Bereichen bis zum Dienstagmittag, ehe Autobahnteilstücke wieder frei befahrbar waren. „Die A 7 hatten wir am Montag bis 11 Uhr wieder frei. Im Bereich Niederaula-Hattenbach hat es bis in die Nacht zum Dienstag gedauert. Die A 4 in Fahrtrichtung Westen haben wir zwischen der Landesgrenze und Obersuhl überhaupt nicht in den Griff bekommen. Dort herrschte bis um 8 Uhr am Dienstag Stillstand“, so Batzke. Unterstützt wurden er und seine Kollegen zwischenzeitlich auch durch die Straßenmeistereien Ringgau und Rotenburg, die mit Schneeschleudern im Wechsel auf den Autobahnparkplätzen unterwegs waren, um die Stellflächen freizubekommen. „Das hätten wir ohne Hilfe nicht auch noch geschafft“, beschreibt Thomas Batzke die beiden Ausnahmetage des Winters 2021. (Mario Reymond)

Zuständig für 172 Autobahnkilometer und sechs Parkplätze

Seit Jahresbeginn gehört die Autobahnmeisterei Hönebach mit dem Stützpunkt in Kirchheim zur Autobahn GmbH des Bundes. Zuvor war sie Hessen Mobil unterstellt. Von den insgesamt 33 Mitarbeitern – darunter auch Verwaltungs- und Bürokräfte – werden insgesamt 172 Autobahnkilometer (86 je Richtung), 35 Kilometer Anschlussstellen sowie sechs Parkplätze mit fünf Toilettenanlagen und eine Rastanlage betreut. Das Einsatzgebiet umfasst die Autobahn 4 vom Kirchheimer Dreieck bis kurz vor Eisenach, die Autobahn 5 am Hattenbacher Dreieck und die Autobahn 7 zwischen Niederaula und Homberg/Efze. (rey)

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