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Reifeprüfung: Kali-Whisky lagerte fünf Jahre im Erlebnisbergwerk Merkers

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500 Meter unter der Erde: Die heutigen Ruheständler Ingo Romoth (links) und Hartmuth Baumert (rechts) gehörten 2017 bei K+S Verantwortlichen für das Whiskyprojekt und freuen sich mit Winzer und Brennmeister Reiner Mößlein über den erfolgreichen Ausgang.
500 Meter unter der Erde: Die heutigen Ruheständler Ingo Romoth (links) und Hartmuth Baumert (rechts) gehörten 2017 bei K+S Verantwortlichen für das Whiskyprojekt und freuen sich mit Winzer und Brennmeister Reiner Mößlein über den erfolgreichen Ausgang. © Werner Kaiser

Fünf Jahre Lang lagerte ein Whisky 500 Meter unter der Erde im Erlebnisbergwerk Merkers. Jetzt wurde er verkostet.

Merkers – Ende November 2017 nahm ein Stahlfass mit etwa 230 Litern flüssigen Inhalts den Weg in die Tiefe – bergmännisch Teufe – von 500 Metern.

Das Erlebnisbergwerk Merkers hatte sich offen für die scheinbar ausgefallene Idee des Weinguts Mößlein mit angeschlossener Brennerei gezeigt, Whisky in der Kaligrube reifen zu lassen. Nach fünf Jahren schlägt nun die Stunde für ein hoffentlich gelungenes Stöffchen: Wieder ist Grubenfahrt angesagt, diesmal für rund 20 Menschen mit neugierigen Geschmacksnerven. Das Weingut Mößlein aus dem mainfränkischen Kolitzheim nahe Würzburg kam mit dem Seniorchef Reiner Mößlein, Freunden und Helfern zum „Erlebnis Bergwerk“ Merkers (EBW). Sie werden durch Vertreter der K+S-Gruppe, darunter der Werkleiter des Werks Werra und des Erlebnisbergwerks, Johannes Zapp, und die Eventmanagerin Silke Behrens, begleitet.

Weingut-Juniorchef Martin Mößlein hatte vor fünf Jahren mit seinen Assistenten den ganz jungen, aus heimischem Weizen gebrannten Rohstoff von immerhin 62 Alkoholprozenten, in ein großes Fass aus fränkischer Eiche gefüllt. „Die bringt geradlinige, saubere Aromen hervor“, erklärt Vater Reiner fünf Jahre später.

Whisky aus der Kaligrube, wie kommt jemand auf so etwas? Vor Jahren hat Mößlein mal einen Wein auf der Zugspitze „ausgebaut“. Beim Gespräch auf Deutschlands höchstem Berg merkte Freund Georg Reitz an, nun könnte man es doch auch mal mit der Tiefe probieren.

Natürlich rechnete man bei diesem Ort mit einem besonderen Kick für den Reifeprozess: Konstante Temperatur – hier bei etwa 25 Grad Celsius – und nahezu durchgängige Dunkelheit sind Standard. Nicht alltäglich dagegen ist die mit 30 Prozent Feuchtigkeit sehr trockene Umgebung, wodurch die Verdunstung des Wasseranteils gefördert wird. Hinzu kommt der Salzgehalt der Luft und mit ihm die spannende Frage: Wird man den später herausschmecken?

Damit beließ man seinerzeit das auf einem Postament aus fünf weiteren, allerdings leeren Kollegen thronende Whiskyfass in seinem Gelass bis zur Reifeprüfung. Das war durch ein Stahlgitter gesichert. Die Gäste auf den Besucherfahrzeugen wurden also bei den Besichtigungstouren fünf Jahre lang Augenzeugen, dass Merkers nicht nur den tiefstgelegenen Konzertsaal der Welt, sondern eine Whiskywiege von gleichem Attribut zu bieten hat.

Das Volumen der Spirituose hat sich im Laufe der Jahre reduziert, haben Mitarbeiter des Bergwerks schon durch behutsame Klopfversuche ermittelt. Der Winzer und Brennmeister hat gespindelt, jetzt bringt es der Stoff auf 67 Prozent. Zwei stämmige Flaschen für die Kostproben werden gezogen und auf den Weg nach oben geschickt: Alkohol unter Tage, da sind die Bergbauregeln heikel, und Hochprozentiger geht gar nicht. Ob es mit dem Whiskyprojekt im Bergwerk weitergeht – Silke Behrens sieht das naturgemäß unter Marketingaspekten und möchte eine solche Attraktion für die Bergwerksbesucher gern auch weiterhin im Programm haben, noch besser natürlich mit Guinnessbuch-Eintrag.

Wohl bekomm´s: Mehr oder weniger fachmännisch verkosteten die Premierengäste den neuen Whisky.
Wohl bekomm´s: Mehr oder weniger fachmännisch verkosteten die Premierengäste den neuen Whisky. © Werner Kaiser

Und was ist denn nun mit dem Geschmack? Im Besucherzentrum bietet sich den Beteiligten endlich Gelegenheit zur Probe aufs Exempel. Erst die Farbe: mittlerer Bernstein, wie bei dem Spätburgunder zu erwarten. Dann der Geruch – der ist harmonisch und weich. Und die Nähe zum Kalisalz hat keine Islay-Variante mit ihren dominanten Torf- und Salzaromen hervorgebracht. Der Geschmack wächst zur ganz runden Sache, die den Mund angenehm ausfüllt und ohne Schärfe ihren Weg fortsetzt. Das Salz ist durchaus anwesend, aber fein hingestreut wie die Kristalle auf dem Frühstücksei. „Sensationell“ lautet das Urteil von Reiner Mößlein. Wie der Whisky heißen wird, verrät er noch nicht. (Werner Kaiser)

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