Kredite in Höhe von zwei Millionen Euro nötig

Rekordhoch bei Investitionen in Hauneck: Haushalt trotzdem ausgeglichen

Eine Hand hält Geldscheine
+
Symbolbild Geld

Knapp 3,77 Millionen Euro sollen im Jahr 2022 in der Gemeinde Hauneck investiert werden. Das ist so viel wie nie. Der Haushalt ist trotzdem ausgeglichen.

Unterhaun – Seinen letzten Haushaltsentwurf präsentierte Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann, dessen Amtszeit am 30. April 2022 endet, jetzt bei der Sitzung der Gemeindevertreter im Bürgerhaus in Unterhaun. Dieser ist dank eines Überschusses von rund 37 800 Euro zum neunten Mal in Folge ausgeglichen, beinhaltet aber auch eine Rekordsumme an Gesamtinvestitionen und führt zu einer erneuten Erhöhung der rein rechnerischen Pro-Kopf-Verschuldung.

Insgesamt knapp 3,77 Millionen Euro sollen im Jahr 2022 investiert werden. Das positive Verwaltungsergebnis in Höhe von rund 37 800 Euro geht auf Erträge in Höhe von 7 360 761 Euro zurück, denen 7 322 943 Euro an Aufwendungen gegenüberstehen. 2021 war noch ein Überschuss von rund 51 000 Euro zu verzeichnen.

Kredite müssen laut Plan über etwas mehr als zwei Millionen Euro aufgenommen werden. Der voraussichtliche Stand der Verbindlichkeiten wird Ende 2022 knapp 7,3 Millionen Euro betragen. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt von 1755 auf 2276 Euro.

Gleichwohl sei es „erfreulich, dass wir trotz der für unsere Verhältnisse sehr hohen Investitionen, speziell im Kanal-, Wasserleitungs- und Staßenbau sowie für den Verwaltungsneubau und die Kita-Erweiterung, zwar eine weitere Verschuldung meistern, aber dafür nur eine moderate Erhöhung der Hebesätze vornehmen müssen“, so der Bürgermeister.

Zu bedenken sei außerdem, dass die Straßenanliegerbeiträge aufgehoben worden seien und dadurch circa 1,5 Millionen Anliegerbeiträge komplett finanziert werden müssten. Angesichts dessen sei die Kreditaufnahme in Höhe von rund zwei Millionen Euro nicht wirklich hoch. Darüber hinaus dienten der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur Bürgern und Gemeinde noch in kommenden Jahrzehnten.

Negative Auswirkungen auf den Haushalt hätte ferner die höhere Kreis- und Schulumlage (rund 84 600 Euro). Mehreinnahmen werden indes unter anderem bei der Gewerbesteuer (350 000 Euro) und der Spielapparatesteuer (80 000 Euro) erwartet.

Ein letztes Mal erwähnen „musste“ Harald Preßmann denn auch das sogenannte Konnexitätsprinzip. Zwar übertrage das Land den Kommunen immer neue Aufgaben, sorge aber eben nicht für den eigentlich vorgesehenen finanziellen Ausgleich, kritisierte er. Seit 2009 habe man die Gemeindefinanzen stetig konsolidiert, trotzdem bleibe nach wie vor kein Spielraum für manch Wünscheswertes und es gelte, weiter sparsam zu sein.

Bis Ende Januar haben nun alle Gemeindevertreter Zeit, sich nochmal eingehend mit dem umfangreichen Zahlenwerk auseinanderzusetzen.

Die größten Investitionen im Jahr 2022:

. Anbau Kindertagesstätte: 385 000 Euro

. Straßenbau Ortsdurchfahrt Eitra: 874 000 Euro

. Kanalbauarbeiten Ortsdurchfahrt Eitra: 275 000 Euro

. Trinkwasserleitung Ortsdurchfahrt Eitra: 292 000 Euro

. Errichtung fünf Bushaltestellen in Unterhaun: 143 666 Euro

. Planungen Radwege: 50 000 Euro

. Gestaltung Friedhof Unterhaun: 30 000 Euro

Hundesteuer steigt - Geld aus Windkraft

Hundebesitzer in Hauneck müssen ab 1. Januar 2022 ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Denn ab kommendem Jahr gilt ein höherer Steuersatz. Den entsprechenden Beschluss fassten die Gemeindevertreter in der jüngsten Sitzung einstimmig.

Für den ersten Hund fallen dann jährlich 60 Euro statt bisher 50 Euro an, für den zweiten 90 Euro (bislang 75 Euro) und für jeden dritten und weiteren Hund 120 Euro (bislang 90 Euro). Für offiziell als gefährlich eingestufte Hunde sind es 600 Euro pro Jahr (bisher 500 Euro). Bürgermeister Harald Preßmann begründete die Erhöhung unter anderem mit dem gestiegenen bürokratischen Mehraufwand, den die Verwaltung seit geraumer Zeit habe, etwa wenn es die Protokollierung bei Problemen mit Hunden gehe. Erst kürzlich sei wieder jemand gebissen worden. Zudem wies Preßmann auf die Erhöhung des finanziellen Beitrags für das Tierheim hin. Für die Gemeinde bedeutet die Erhöhung künftig Mehreinnahmen in Höhe von rund 2800 Euro pro Jahr.

Wilhelm Glebe aus der SPD-Fraktion brachte in diesem Zusammenhang die Themen Katzenkastrations- und Registrierungspflicht sowie Leinenpflicht in den Ortslagen ins Spiel, wie sie die Nachbarkommune Haunetal beschlossen hat. Darüber könne man sicher nachdenken, das stünde jedoch „auf einem anderen Blatt“, so Preßmann. In Haunetal wird beides künftig über eine Gefahrenabwehrverordnung geregelt.

Ebenfalls einmütig beschlossen wurden Nutzungsverträge mit der PNE AG zur Errichtung von zwei Windenergieanlagen im Windpark Odensachsen/Bodes sowie zur Nutzung und Errichtung von Zuwegungen und temporären Zuwegungen für den Windpark. Die Marktgemeinde Haunetal hat solche Verträge ebenfalls kürzlich beschlossen. Geprüft wurden sie von einem Anwalt und vom Hessischen Städte- und Gemeindebund, so Preßmann.

Der Bürgermeister verwies auf Bedenken eines Anwohners, der Lärmbelästigung und den Wertverlust von Immobilien fürchtet. Er machte diesbezüglich aber nochmal deutlich, dass die Gemeinde lediglich Gestaltungsspielraum bei den Nutzungsverträgen habe, das Vorhaben aber nicht verhindern könne. Die Anlagen befinden sich im Vorranggebiet HEF 048, über die Genehmigung und etwaige natur- und emmissionsschutzrechtliche Einschränkungen entscheide das Regierungspräsidium. „Das liegt nicht in unserer Macht.“ Die zwei Anlagen seien im Gegensatz zu anderen Vorhaben aber sicher zu verkraften. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Carsten Manns argumentierte mit der Energiewende: „Wir wollen auch für unsere Kinder weg von fossilen Brennstoffen.“

Rein finanziell gesehen profitiert die Gemeinde aus diversen „Töpfen“: Zum Einen bekommt sie laut Bürgermeister 7500 Euro pro Jahr aus dem Wegevertrag. Zum Anderen sollen für 20 Jahre etwa 2000 bis 3000 Euro pro Jahr an Vergütung je nach Produktivität in die Gemeindekasse fließen. Darüber hinaus rechnet man mit rund 14 000 Euro pro Jahr aus der freiwilligen kommunalen Abgabe und 150 000 Euro in 20 Jahren sollen über einen Verein für Projekte vor Ort fließen (wir berichteten). (Nadine Meier-Maaz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.