"Voraussetzungen für Gelingen fehlen"

Inklusion: Resolution der Lehrer-Personalräte im Kreis

Hersfeld-Rotenburg. Behinderte Kinder sollen seit zwei Jahren verstärkt an Regelschulen gemeinsam mit allen anderen Jungen und Mädchen unterrichtet werden: Inklusion lautet hier das Stichwort.

Die Lehrerschaft im Kreis Hersfeld-Rotenburg kritisiert nun erneut scharf die Bedingungen inklusiver Beschulung: Die Schulen bräuchten angemessene Ressourcen, fordern die Personalräte. Sie haben einen Katalog mit sieben Forderungen aufgestellt.

„Wir wünschen uns eine Schule, in der alle Kinder gleichermaßen willkommen sind“, erklärt Johannes Batton vom Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer. Täglich erlebe man aber, dass an den Schulen keine wirkliche inklusive Beschulung aller Schüler stattfinde und unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht stattfinden könne.

Eine auf wenige Stunden in der Woche begrenzte und häufig sogar noch auf mehrere Schulen verteilte Unterstützung und Beratung sei unwirksam, zerreiße alle Beteiligten und nütze den Kindern nichts.

Angemessene Ressourcen nötig

Die Lehrerschaft der Schulen im Kreis ist sich einig, dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Arbeit in einer dauerhaften und verlässlichen Zusammenarbeit in Teams von Regel- und Förderschullehrkräften sowie sonderpädagogischen und sozialpädagogischen Fachkräften liegt.

Inklusive Bildung, die gelingen solle, brauche angemessene Ressourcen. An diesen fehle es aber, sodass die Lehrkräfte nicht allen Schülerinnen und Schülern in ihren Klassen gerecht werden könnten, „wie wir dies möchten und wie es unser Auftrag ist“ - heißt es in einer Erklärung des Gesamtpersonalrats. Die Lehrerschaft stellt folgende Forderungen:

Seit zwei Jahren ist die hessische Landesregierung verpflichtet, die inklusive Beschulung umzusetzten.

Aber auch vorher wurden schon beeinträchtigte Kinder in Regelschulen unterrichtet - sozialpädagogische Unterstützung bekamen die Schulen dafür. Man sprach von Integration und „Gemeinsamem Unterricht“ (GU). Hier durften nur 20 Kinder in einer Grundschulklasse unterrichtet werden, mit der Inklusion gibt es diese Höchstzahl nicht mehr.

Insgesamt wurden im vergangenen Schuljahr 127 Kinder inklusiv beschult, davon 53 noch nach der Regelung des Gemeinsamen Unterrichts, die jetzt ausläuft.

Die meisten Kinder haben Lernschwierigkeiten oder/und Verhaltensauffälligkeiten. Zahlen vom

laufenden Schuljahr nannte das Kultusministerium nicht.

1. Eine sonderpädagogische Grundausstattung aller Schulen, die so bemessen ist, dass sie Lehrerteams bei Bedarf vollständige doppelte Besetzung - also zwei Lehrkräfte in der Klasse - ermöglicht. Als Orientierung für die Höhe der personellen Abdeckung könnte das Konzept der „integrativen Regelklassen“ in Hamburg dienen, das dort über viele Jahre erfolgreich umgesetzt wurde. Batton nennt als Beispiel: Eine zweizügige Grundschule mit Vorklasse erhielt zusätzlich drei Förderschullehrerstellen und eine ¾ Stelle einer sozialpädagogischen Fachkraft.

2. Begrenzung der Klassenobergrenze in allen Klassen auf maximal 20 Schüler, wie es im gemeinsamen Unterricht üblich war

3. Zusätzliche Gruppenräume und wirkliche Barrierefreiheit, Bereitstellung der sächlichen Ausstattung

4. Therapeutische  Unterstützung vor Ort  wie Logopädie, Ergotherapie, ...

5. an Inklusion ausgerichtete Lehreraus- und - Fortbildung 

6. Möglichkeit der Weiterqualifizierung von Regelschullehrkräften zu Förderschullehrkräften bei voller Freistellung

7. Entlastungs- und Koordinationsstunden im Rahmen der Pflichtstunden  für alle, die in der inklusiven Beschulung arbeiten.

Auf Einladung des Gesamtpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer hatten sich schon kurz vor den Sommerferien Personalräte der Schulen des Kreises Hersfeld-Rotenburg zu einem Erfahrungsaustausch über Inklusion getroffen. Dabei wurde die Resolution verabschiedet. Sie wurde inzwischen auch mit den Personalräten abgeglichen, die an dem Treffen nicht teilnehmen konnten.

Behinderte Kinder sollen zusammen mit allen anderen an Regelschulen unterrichtet werden und nicht mehr in speziellen Förderschulen: So steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention. Man spricht hier von „Inklusion“.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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