Ganzjahresbad Heringen: 800 000 Euro für Sanierung des 50 Jahre alten Gebäudes

Restaurant als Kostenfalle

Highway-Nostalgie: Die Cadillac-Theke steht nach wie vor im Gastraum des Heringer Badrestaurants.

Heringen. Kurz vor der endgültigen Fertigstellung des Heringer Ganzjahresbads – die Eröffnung des Hallenbadteils ist für den 19. Dezember vorgesehen – müssen sich die Stadtpolitiker mit einer unangenehmen Überraschung auseinandersetzen. Der 50 Jahre alte Restaurant-Pavillon, der aus der Substanz des alten Freischwimmbads gerettet und in den neuen Bäderkomplex integriert wurde, muss aufwändig saniert werden. Die Rede ist von mehr als 800 000 Euro.

„Hätten wir den Bettel abgerissen, wäre es billiger gewesen“, kommentierte der Heringer Bürgermeister Hans Ries den unerwarteten Kostenfaktor. „Aber dann hätte uns der Denkmalschutz auf die Füße getreten.“ Publik wurde der zusätzliche Geldbedarf am Dienstagabend, als sich Mitglieder von drei Stadtverordneten-Ausschüssen und des Magistrats zu einem Ortstermin in der fast fertigen Schwimmhalle trafen. Nach einem Rundgang durch den zweigeschossigen Restaurant-Turm mit der 160 Quadratmeter großen Aussichtsterrasse machte Architekt Josef Krautloher die Rechnung auf.

Mehrere Stellen undicht

Das auf den ersten Blick intakt wirkende filigrane Gebäude ist an mehreren Stellen undicht und entspricht in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen an Wärmedämmung, Brandschutz und technischen Installationen.

Allein für die Fassadendämmung müssten etwa 32 000 Euro aufgewendet werden, für die Komplettsanierung der Terrasse sind 23 000 Euro veranschlagt, die Ausgaben für Haustechnik und Küchenausstattung gehen in den sechsstelligen Bereich.

Mit rund sieben Millionen Euro war der Bau des kombinierten Frei- und Hallenbads veranschlagt – ein Betrag, der nach den bisherigen Abrechnungen auch nicht überschritten würde. Das Restaurant hatte aber bisher niemand auf der Rechnung, jedenfalls nicht in der jetzt offenbarten Größenordnung.

Bürgermeister und Ausschussmitglieder vereinbarten am Dienstagabend, dass die Zahlen und Fakten zur Restaurantsanierung auf kürzestem Weg allen Fraktion zugestellt werden sollten.

Das Thema soll nun auf der heutigen Sondersitzung der Stadtverordneten beraten werden, die eigentlich nur anberaumt worden war, um einen Gerichtstermin einzuhalten.

Ob heute Abend schon eine Entscheidung gefällt oder das Thema zur intensiven Weiterbearbeitung an die Ausschüsse verwiesen wird, steht noch nicht fest. Einen großen Handlungsspielraum sieht der Bürgermeister nicht, denn das Restaurant grenzt an die Sauna des Hallenbads, die Versorgungsleitungen müssen aufeinander abgestimmt werden.

Fördergeld verfällt

Weil die Sauna mit Konjunkturfördermitteln finanziert wird, muss sie auch in absehbarer Zeit fertig gestellt werden, sonst verfällt das Geld. Ohne Sauna und Restaurant würde das Hallenbad erheblich an Attraktivität einbüßen. Und für eine provisorische Gastronomie würde sich auch kaum ein Pächter finden.

Von Peter Lenz

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