Zehnminütige Hilfsfrist

Rettungsplan Hersfeld-Rotenburg überarbeitet: Fahrzeuge länger im Einsatz

Der Rettungsplan des Landkreises Hersfeld-Rotenburg 2021.
+
Der Rettungsplan des Landkreises Hersfeld-Rotenburg 2021.

Zehn Minuten darf es höchstens dauern, bis in Hessen ein Rettungswagen vor Ort ist – jedenfalls in 90 Prozent aller Fälle.

Hersfeld-Rotenburg – So schreibt es das hessische Rettungsdienstgesetz vor. In den Jahren 2018 und 2019 lag die Quote im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bei knapp 88 Prozent. Daher werden die Konzepte mit dem sogenannten Bereichsplan kontinuierlich überarbeitet und weiter verbessert. Jetzt ist der neue Plan in Kraft getreten – der Rettungsdienst in Hersfeld-Rotenburg soll damit perspektivisch noch breiter aufgestellt werden. Dafür wurden die Einsatzzeiten der Fahrzeuge verlängert.

„Es gehört zu unserer kommunalen Infrastruktur und Daseinsvorsorge, den Bürgern im Notfall optimale Hilfe zukommen zu lassen“, sagt Landrat Dr. Michael Koch. „Unser Ziel ist es, die zehnminütige Hilfsfrist in mehr als 90 Prozent der Fälle einzuhalten. Deswegen wollen wir dieses Jahr die Einsatzzeiten der Rettungsfahrzeuge spürbar verlängern. Wir wollen für alle Kommunen in Hersfeld-Rotenburg eine gute Lösung finden.“

In den vergangenen Jahren habe der Landkreis schon einiges getan, was Verbesserungen im Rettungswesen betrifft. „Nachgesteuert wurde etwa mit der im Jahr 2017 neu eröffneten Wache an der Europaallee in Bad Hersfeld oder der georeferenzierten Alarmierung, bei der zu Notfalleinsätzen die nächstgelegenen Rettungswagen direkt alarmiert werden“, erklärt Thorsten Bloß, im Landkreis zuständig für den Fachdienst Gefahrenabwehr.

Zudem lobt er die Ausrückzeit aller Wachen im Kreis: „Die liegt bei allen deutlich unter einer Minute.“ Dass die Einsatzkräfte so schnell im Auto seien, darauf ist Bloß stolz. „Das ist schon eine Hausnummer. Es ist überaus beeindruckend und lobenswert, dass unsere Rettungskräfte das so machen und diesen hohen Anspruch an sich selbst haben.“  

Hersfeld-Rotenburg: Fallzahlen bei Rettunseinsätzen steigen

„In den vergangenen Jahren sind die Einsatzzahlen kontinuierlich gestiegen“, sagt Elke Hildebrand, Sachbearbeiterin Rettungsdienst im Landratsamt. Waren es im Jahr 2010 noch 6025 „hilfsfristrelevante Einsätze“ und im Jahr 2015 immerhin schon 7320, stieg die Zahl 2019 auf 7697 – Tendenz weiter steigend. Deshalb sollen mit dem neuen Bereichsplan ab 2021 die Rettungsmittel länger im gesamten Kreisgebiet vorgehalten und ein neuer Rettungswagen angeschafft werden.

„Ab dem Frühjahr wollen wir im Ludwigsauer Ortsteil Rohrbach tagsüber eine mobile Wache einrichten“, berichtet Hildebrand. Die Wache soll in einer sechsmonatigen Testphase montags bis freitags mit einem Fahrzeug der Rettungswache Bad Hersfeld besetzt werden. „Nach der Testphase werden wir die Daten auswerten und prüfen, ob die mobile Wache zu einer effektiven Verbesserung der Hilfsfrist geführt hat.“

Um den steigenden Einsatzzahlen gerecht zu werden, sollen kreisweit zudem mehr Rettungswagen bereitstehen. So soll künftig beispielsweise in Philippsthal-Heimboldshausen ein zweiter Rettungswagen auch an Sonn- und Feiertagen Abhilfe schaffen, auch wochentags steht das Fahrzeug jeweils zwei Stunden länger.

Bei der Rettungswache Niederaula soll montags bis samstags ein weiterer Rettungswagen zur Verfügung stehen.

Ebenfalls sollen die Wachen in Bad Hersfeld, Bebra, Rotenburg und Hönebach durch zusätzliche Vorhaltestunden besser abgedeckt werden.

Alle Maßnahmen des Bereichsplans sollen bis zum 1. Oktober 2021 umgesetzt werden. „Dann ist man auch in der Lage, neue Notfallsanitäter einzustellen. Deren Ausbildung endet jeweils Ende September“, begründet Thorsten Bloß den Zeitplan. Insgesamt werden zehn neue Mitarbeiter gebraucht – darunter Rettungs- und Notfallsanitäter.

Die Rettungswachen im Kreis Hersfeld-Rotenburg

  • Rotenburg: zwei RTW rund um die Uhr, zusätzlich ein RTW montags bis donnerstags 8 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 18 Uhr und samstags 11 bis 18 Uhr.
  • Bebra: ein RTW rund um die Uhr, zusätzlich ein RTW montags bis donnerstags 9 bis 15 Uhr und freitags 9 bis 17 Uhr.
  • Nentershausen: ein RTW rund um die Uhr.
  • Hönebach: ein RTW rund um die Uhr, zusätzlich ein Notarztfahrzeug 24 Stunden.
  • Bad Hersfeld: Bis zu sechs Fahrzeuge stehen täglich für den Einsatz bereit, davon immer zwei RTW rund um die Uhr und ein weiteres von 7 bis 21 Uhr. Zusätzlich montags bis donnerstags zwei RTW zwischen 8 und 13 Uhr bzw. 9 und 17 Uhr, freitags zwei RTW zwischen 8 und 13 Uhr bzw. 9 und 19 Uhr. Der Hersfelder Standort ist zweigeteilt: die Wache am Seilerweg sowie die Wache an der Europaallee.
  • Neukirchen: ein RTW rund um die Uhr.
  • Aua: ein RTW rund um die Uhr.
  • Heimboldshausen: ein RTW rund um die Uhr, einer montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr, freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 21 Uhr.
  • Niederaula: ein RTW 24 Stunden.
  • Die drei Standorte im Kreis für Notarztfahrzeuge samt Besatzung und Equipment sind am Klinikum in Bad Hersfeld, am Kreiskrankenhaus Rotenburg und der Rettungswache in Hönebach – sie stehen rund um die Uhr bereit.

Rettungswache im Rohrbachtal

Die SPD Ludwigsau zeigt sich in einer Pressemitteilung erfreut darüber, dass bald eine Rettungswache im Rohrbachtal eingerichtet werden soll.

Allerdings bezweifelt die Fraktion, dass vom ausgewählten Standort in Rohrbach die Rettungsfristen in Hainrode oder Ersrode mit Altenhilfezentrum eingehalten werden können. „Vielleicht wäre ein Standort im oberen Rohrbachtal die bessere Lösung“, heißt es in der Pressemitteilung der SPD. Der Landkreis plant, ab dem Frühjahr in Rohrbach tagsüber eine mobile Wache einzurichten, die in einer sechsmonatigen Testphase montags bis freitags mit einem Fahrzeug der Rettungswache Bad Hersfeld besetzt ist.

Die Einhaltung der Rettungs- und Hilfsfristen treibe die SPD schon lange um. So hätten die Sozialdemokraten besorgt auf die Verlegung der zuständigen Rettungswache vom Landratsamt an den Hoechster Kreisel geschaut. Nach Gesprächen mit dem heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke sei klar gewesen, dass die einzige Lösung eine Wache mitten in der flächengrößten Gemeinde des Landkreises sein könne – auch wegen des schlechten Zustands ganzer Landesstraßenabschnitte.

„Wer aus Neuenstein nach Hainrode und Ersrode über die kaputte L 3253 unterwegs ist, weiß, dass einem Rettungsfahrzeug auch das Blaulicht nicht zu höherer Geschwindigkeit verhilft,“ merkt der Landtagsabgeordnete und Landratskandidat Torsten Warnecke an. Die Gemeindevertretung Ludwigsau habe bereits 2016 auf Antrag der SPD-Fraktion die Errichtung einer Rettungswache in Ludwigsau zur Einhaltung der Hilfsfrist gefordert. Der Nachdruck, mit der die SPD die Rettungswache gefordert habe, sei wohl auch fachlich überzeugend gewesen. „Insofern schade, dass so viel Zeit vergangen ist“, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Sandrock, „denn so lange, wie angebliche Argumente dagegen gestanden haben, so schnell hat es jetzt auf einmal geklappt. Ein Schelm, wer …“, heißt es in der Pressemitteilung.

In Hessen müssen die Landkreise und kreisfreien Städte einen Bereichsplan für den Rettungsdienst aufstellen und diesen alle fünf Jahre fortschreiben. Der Bereichsplan legt den Gesamtbedarf für den Rettungsdienst im Landkreis fest. Er beinhaltet beispielsweise die Anzahl der Rettungswachen, deren Standorte, die Einsatzbereiche sowie die Anzahl und Verfügbarkeit der Fahrzeuge.

„Zuletzt wurde der Bereichsplan 2015 ergänzt, jetzt haben wir ihn erneut fortgeschrieben“, sagt Thorsten Bloß, Fachdienstleiter Gefahrenabwehr im Landratsamt. Dem Plan letztlich zugestimmt hat auch der Bereichsbeirat Rettungsdienst, in dem beispielsweise die Rettungsdienste, Krankenkassen und Krankenhäuser vertreten sind. Der Kreisausschuss habe den Plan schließlich beschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.