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Uznamen: Ronshäuser sind die „Ronshisser Leimendämmler“

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Lehm treten: Den Leimendämmler zeichnete Eugen Balduf zum Ronshäuser Ortsjubiläum.
Den Leimendämmler zeichnete Eugen Balduf zum Ronshäuser Ortsjubiläum. © Eugen Balduf / Repro: Lea-Sophie Mollus

Die Ronshäuser tragen den Namen die „Ronshisser Leimendämmler“ und das hat einen ernsten Grund.

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern, sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Doch wie sind diese Spitznamen einst entstanden?

Ronshausen – „Ziegelbäcker“ ist wohl weniger ein Begriff, der mit Ronshausen in Verbindung gebracht wird – „Leimendämmler“ hingegen schon. Im Volksmund werden die Einwohner der hessischen Gemeinde als „Ronshisser Leimendämmler“ bezeichnet.

Was dieser Uzname mit Ziegeln zu tun hat und wo er herkommt, weiß Gerhardt Ziegenbein. Der 84-Jährige hat sein ganzes Leben in Ronshausen verbracht und interessiert sich schon immer für die Geschichte seiner Gemeinde.

„Es muss zwischen 1880 und 1920 gewesen sein, als es in Ronshausen wenige Verdienstmöglichkeiten gab“, erklärt der Rentner. „Die Männer sind damals zum Arbeiten oft nach Westfalen und in die Region Gießen gezogen, wo es viele Ziegelegein gegeben hat, und haben dort geschafft.“ Weil es da noch keine Maschinen gab, wurde der harte Lehm für die Ziegel mit den Füßen weich getreten – beziehungsweise „gedämmelt“. „Leim“ oder „leimen“ ist die oberdeutsche Form zum heutigen „Lehm“. Wie Ziegenbein sagt, haben viele Ronshäuser so ihr Geld verdient.

Als die Ronshäuser mit ihren Füßen Geld verdienten

Ob auch seine eigenen Vorfahren Leimendämmler waren, weiß Ziegenbein nicht genau, kann es sich aber gut vorstellen. „Das war damals allgemein so“, sagt er. Die „Ronshisser Leimendämmler“ hätten ihren Spitznamen akzeptiert: „Das ist kein Schimpfwort, aber auch kein Doktortitel“, sagt der 84-Jährige und lacht.

Ronshausen und seinen Uznamen hat – über die Ortsgrenzen hinaus – auch die gleichnamige Musikgruppe bekanntgemacht. Die hatte sich anlässlich der 950-Jahrfeier gegründet. Inzwischen, nach über zehn Jahren voller Auftritte und Konzerte, hat die Gruppe aber aufgehört. Ohne ihren Gründer Eugen Balduf, der im März dieses Jahres gestorben ist, wollten die „Ronshisser Leimendämmler“ nicht weitermachen, erklärt Baldufs Witwe Edeltraut Kötter.

Um den namensgebenden Leimendämmler zu verbildlichen, hat Balduf ihn zum Ortsjubiläum gezeichnet. In dem Buch „950 Jahre Ronshausen – Leben in unserem Dorf“, herausgegeben von der Vereinsgemeinschaft Ronshausen, unter anderem mit Gerhardt Ziegenbein als Autor, wurde die Zeichnung veröffentlicht. (Lea-Sophie Mollus)

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