Ronshausens Bürgermeister im Gespräch

Markus Becker im Interview: „Mögen sie mich oder nicht?“

Trotz flauem Gefühl im Magen noch recht entspannt: Ronshausens Bürgermeister Markus Becker beim Interview im Badepark, einem seiner Lieblingsplätze in der Kommune. Im September tritt er als einziger Kandidat zur Wahl an. Foto:  Deppe

Die Sommerferien gehen zu Ende. Das zweite Halbjahr beginnt und die Bundestagswahl steht vor der Tür. Was machen eigentlich unsere heimischen Politiker in diesem Sommer? Wir haben nachgefragt und starten die Serien mit Markus Becker (CDU), Bürgermeister von Ronshausen.

H err Becker, als Treffpunkt für dieses Interview haben Sie den Badepark ausgewählt. Hand aufs Herz, wie oft waren Sie in diesem Sommer hier im Wasser?

Markus Becker:Bestimmt zehn Mal, aber es könnte mehr sein. Ich bin ja auch oft dienstlich hier, aber dann schaffe ich es nicht, zu schwimmen. Eher spiele ich abends hier mit meinen Kindern.

Die Sommerferien sind fast um. Sie waren mit Ihrer Familie im Urlaub an der Nordsee. Konnten Sie da abschalten?

Becker: Ich kann sehr gut abschalten, obwohl ich sehe, dass immer mehr E-Mails auflaufen. Aber ich bin da strikt und schaue nicht rein. Die Verwaltung hat eine Notfallnummer, wo ich rangehe. Ansonsten überlasse die Geschäfte meinem Ersten Beigeordneten. Jeder ist ersetzbar, man muss auch loslassen können.

Fühlen Sie sich eigentlich im Wahlkampf? Die Wahl ist nur noch sieben Wochen entfernt.

Becker:„Schon. Ein leicht flaues Gefühl im Magen ist da. Vor allem, weil ich dieses Mal der einzige Kandidat bin. Da ist die Frage wirklich ja oder nein. Mögen mich die Leute oder mögen sie mich nicht. Bei einem Gegenkandidaten kann man sich leichter ausrichten, jetzt muss man sich ausschließlich selbst darstellen.

Fehlt da der sportliche Ehrgeiz?

Becker: Nein. Ich möchte alle aufrufen, mich zu wählen und werde das mit einem Häuserwahlkampf tun. Meinen Prospekt werde ich persönlich verteilen. Inhaltlich ist das alles fertig, auch mein Motto steht.

Verraten Sie es?

Becker: Kann ich. „Auf dem richtigen Weg gemeinsam weiter“. Ich finde nämlich, dass der Weg, den wir in Ronshausen bislang gegangen sind, der richtige ist. Es gibt keinen Zank unter den Parteien, was ein gutes Zeichen ist.

Wenn Sie nach der ersten Amtszeit ein Fazit ziehen, wo sehen Sie sich dann?

Becker: Ich bin zufrieden. Mit mir, mit den Politikern und den Bürgern. Vor der Wahl gab es im Parlament viel Streit untereinander. Das hat sich gelegt, und wir diskutieren sachlich. Das hat Vieles einfacher gemacht.

Ronshausen steht unter dem Schutzschirm. Wie sehr drückt die finanzielle Situation?

Becker:Wir haben unsere Hausaufgaben mit den Bürgern gemeinsam gut erledigt. Ronshausen ist verpflichtet, 2019 die schwarze Null zu schreiben, und wir haben sie jetzt bereits im Plan 2017. Wir sind also früh dran. Die Steuereinnahmen steigen, und wir haben Ausgaben reduziert, zum Beispiel durch energetische Sanierung oder die modernere Straßenbeleuchtung. Im Moment sind wir entspannt. Das heißt aber nicht, dass wir schon Steuern wieder senken können. Das wäre zu früh.

Wie haben denn die Bürger reagiert? Denn die sind es ja, die unter höheren Steuern und Einsparungen leiden müssen.

Becker:Die Bürger haben sich in der Zukunftswerkstatt zusammengesetzt und entschieden, dass sie die großen Infrastruktureinrichtungen Badepark und Haus des Gastes erhalten wollen. Dafür sind sie bereit, mit der höheren Grundsteuer einen Preis zu zahlen.

Betroffen sind Bürger auch direkt beim Thema ärztliche Versorgung. Wie sieht es da in Zukunft aus?

Becker:„Noch haben wir einen Hausarzt, der aber auch in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen wird. Mit ihm gemeinsam haben wir einen Werbeprospekt erarbeitet, der überall in Deutschland verteilt wird. Mit einem Quäntchen Glück finden wir so einen Nachfolger. Die Einflussmöglichkeiten für den Bürgermeister sind aber leider beschränkt.

Ist eine ländliche Region da nicht sehr attraktiv? Es gibt Patienten und keine Konkurrenz.

Becker: Müsste man denken, aber junge Menschen scheuen es momentan einfach, aufs Land zu ziehen. Dabei haben wir ein schönes Wohnumfeld und geringe Mieten. Alles ist bezahlbar.

Müsste man sich nicht, gerade wenn man junge Menschen anziehen möchte, intensiv um flächendeckendes schnelles Internet bemühen? Für viele gehört das heute zur Grundversorgung.

Becker: Das ist ein ausschlaggebender Punkt. Ronshausen ist aber eigentlich ganz gut versorgt.

Und Machtlos?

Becker: „Das ist unser Sorgenkind. Machtlos hängt mit an der Breitbandinitiative Nordhessen, wir sind für den Ausbau 2019 eingeplant.

Wenn Sie sich für die Wahl im September etwas wünschen dürften, was wäre das?

Becker: Dass wir angesichts von Bürgermeister- und Bundestagswahl eine hohe Wahlbeteiligung bekommen. Und natürlich einen hohen Zuspruch für mich, das müssen wir einfach mal abwarten.

Zur Person

Markus Becker ist seit 2011 Bürgermeister der Gemeinde Ronshausen. Obwohl seine Eltern aus der Region stammen, wurde er in Delmenhorst bei Bremen geboren. Becker ist verheiratet und hat Kinder im Alter von fünf und acht Jahren. (lad)

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