Wochenend-Porträt über Michael Führer aus Ronshausen

Ihm vertrauen die harten Jungs: Michael Führer ist Physiotherapeut der Kassel Huskies

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Immer voll konzentriert an der Bande: Physiotherapeut Michael Führer, hier zu sehen im beim Aufwärmen der Kassel Huskies vor dem jüngsten 3:2 gegen die Heilbronner Falken.

Ronshausen. Im Bus sitzen, spielen, essen, trinken, schlafen – das ist der Alltag für viele Leistungssportler. Seit Sommer hat Michael Führer den gleichen Rhythmus.

Denn der Ronshäuser ist als Physiotherapeut für Eishockey-Zweitligist Kassel Huskies zuständig.

„Für mich ist ein Traum wahr geworden. Früher sind wir mit fünf, sechs Jungs zu den Spielen gefahren – jetzt bin ich mittendrin, statt nur dabei“, betont der 33-Jährige. Seine neue Aufgabe ist eine mit Vorzeichen: Denn beim Aufräumen im Juni fand er einen Puck mit dem alten Logo des Vereins, den er in der Halle gefangen hatte. Zudem ist er stolzer Besitzer eines Trikots von Roger Hansson, der von 1996 bis 2001 zu Zeiten von Hans Zach in der DEL für den ECK auflief.

Drei Wochen später kam ein Anruf von Kathrin Tepel, dass die Huskies einen Nachfolger für Witek Szota benötigen. Zusammen mit Tepel hatte Führer vor zehn Jahren an den Dr.-Rohrbach-Schulen seine Ausbildung bestanden. Mittlerweile führt sie mit Markus Endert die Praxis Physio Fit, die neben den Fußballern des KSV Hessen Kassel nun für die Huskies zuständig ist. Bei diesem Angebot musste der Ronshäuser nicht überlegen.

Dadurch hat sich sein Alltag gravierend geändert. Statt an fünf Tagen in Vollzeit zu wirken, ist er nun sechs Tage für die Eishockeycracks am Start. Sechs Einheiten stehen von Dienstag bis Sonntag auf dem Plan. Hinzukommen die Spiele am Freitag und Sonntag. Bis zu zweieinhalb Stunden vorher ist er dann in der Halle.

Dahin pendelt er mit dem Zug. „Da schalte ich ab, lese Zeitung und freue mich, wenn mir meine Frau Bilder von den Kindern per WhatsApp schickt“, sagt der gebürtige Hersfelder. Und weiß, dass er den Job nur machen kann, weil Stephanie zurückgesteckt hat. Seine Gattin ist als Heilerziehungspflegerin tätig und arbeitet nun nicht mehr am Wochenende, um für Emilia und Leo da zu sein. Die freuen sich wiederum auf den Montag, wenn Papa frei hat.

Für den Rest der Woche ist das Programm straff. Bei Auswärtsspielen ist er mitunter 24 Stunden unterwegs. Kompressen und Salbenverbände muss er den Spielern auf der Rückfahrt anlegen. Das wissen sie zu schätzen: „Ich fühle mich gut, bin beweglicher auf dem Eis geworden. Bei den Ärzten und Physiotherapeuten bin ich in guten Händen“, hatte Kapitän Manuel Klinge jüngst erklärt.

Und ebenso wie die Profis auf dem Eis muss der Physiotherapeut jederzeit hellwach sein. Klar, er will keinen Puck abbekommen und hält den Spielern die Tür auf, damit sie schneller wechseln können. Bei Platzwunden muss er aufs Eis. In Turnschuhen. Das klappt ganz gut. Auch, weil die Spieler ihn mit dem Schläger ziehen, damit er zügiger helfen kann.

Verstauchungen und Prellungen sind an der Tagesordnung. Für den Physiotherapeuten gibt es nur ein Ziel: „Ich muss die Jungs fit bekommen fürs Spiel.“ Dank Elektrotherapie und manueller Lymphdrainage klappt das bestens. Aber auch, „weil Eishockeyspieler härter im Nehmen sind als andere Sportler.“

Gern denkt er an seinen ersten Einsatz zurück: Summergame in Frankfurt. Da gewann Kassel mit 5:4 und hatte mit 8000 Fans unter 30 000 Zuschauern für Top-Stimmung gesorgt. „Einen besseren Start hätte ich mir nicht wünschen können. Hier ist alles professionell“, erklärt Michael Führer, der seinen Teil dazu beitragen möchte, dass der Vorjahresmeister wieder eine tolle Runde absolvieren kann. (sbs)

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