Wahlprüfsteine Ronshausen: Beim Sparkurs herrscht Einigkeit

+
Trotz Sparzwang attraktiv geblieben: Viele der Befürchtungen, die mit dem Schritt unter den Schutzschirm des Landes Hessen vor gut drei Jahren als dunkle Wolken an den Himmel gemalt wurden, haben sich in Ronshausen nicht bewahrheitet. Die Ronshäuser müssen zwar stark sparen, haben ihre Gemeinde aber attraktiv gehalten. Unser Bild zeigt den Blick vom Friedhof über den Ortskern mit der Ronshäuser Wehrkirche.

Ronshausen. Vor der Kommunalwahl am 6. März stellen wir für jede Gemeinde Wahlprüfsteine auf und erklären, wie Parteien die wichtigsten Themen vor Ort anpacken wollen.

Das politische Klima in Ronshausen ist inzwischen von einem sachlichen Miteinander geprägt. Die Zwänge, die sich aus dem mit dem Land Hessen geschlossenen Schutzschirmvertrag zum Schuldenabbau ergeben, haben die Kommunalpolitiker von SPD, CDU, WGR und FDP in ein recht enges Entscheidungs-Korsett gepresst. Glücklich ist darüber niemand, die Einsicht in die Notwendigkeit hat die Parlamentarier aber zu einem neuen Zusammenhalt geführt. Trotzdem gibt es Unterschiede in den politischen Zielen:

Schuldenabbau und Schutzschirm sind DAS Thema, das die Gemeinde seit Jahren prägt. Wie läuft es bislang?

Den Abbau der Schulden sowie das Einhalten der gesetzten Sparziele stufen alle Fraktionen als Erfolg ein. Die Erhöhung von Steuern und Abgaben ist laut SPD allen schwer gefallen. Auf dem Weg zum Sparziel müsse daher „stets aufgepasst und angepasst werden“. Die CDU setzt beim Sparen auf nachhaltige Investitionen wie Fotovoltaikanlagen und Erdgas-Heizungen im Bürgermeisteramt und im Haus des Gastes. Auch die WGR ist mit den Spielräumen, die der Gemeinde für nötige Investitionen bleiben, zufrieden. Sie lobt das Engagement der Bürger, die zum Beispiel Grünanlagen selbst pflegen. Die FDP kritisiert, dass die Schulden immer noch zu hoch seien und fordert, dass die Gemeinde mit anderen Kommunen zusammenarbeiten müsse, um Kosten zu sparen. Die Einnahmen seien zu gering - aber die Abgaben will die FDP in Ronshausen dennoch lieber senken.

Ronshausen hat mit dem Ferienpark in Machtlos und dem Badepark beim Tourismus Außergewöhnliches zu bieten. Welchen Stellenwert hat der Fremdenverkehr?

Die touristische Attraktivität in ihrer jetzigen Form erhalten wollen CDU und WGR. Einen zusätzlichen Ausbau plant die CDU jedoch ausdrücklich nicht. Für die WGR ist der Tourismusaspekt „von nachrangiger Bedeutung“ für die Gemeinde. Die FDP hält den Fremdenverkehr gar für ein Auslaufmodell, das sich nicht mehr auszahle. Nur die SPD fühlt sich als „Geburtshelferin des Tourismus in Ronshausen“ diesem so verpflichtet, dass sie zum Beispiel den Ferienpark in Machtlos noch weiter fördern will.

Wie ist es um den Zustand der Straßen in der Gemeinde bestellt - und wie ist die allgemeine Versorgungslage?

Bislang ist Ronshausen mit Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistern wie Frisören vergleichsweise noch recht gut versorgt. Die UlfenApotheke ist jedoch seit Januar 2015 geschlossen - und alle Fraktionen hätten sie sehr gerne wieder. Auch für den Erhalt der Hausarztpraxis wollen sich SPD, CDU und WGR ausdrücklich einsetzen. „Bestehendes erhalten und ausbauen“ - das fordert die FDP, die von einer bislang guten Infrastruktur spricht. In Gemeindestraßen und Wirtschaftswege müsse investiert werden, findet die SPD. Doch ohne die „früheren finanziellen Hilfen des Landes“ sei dies angesichts einer „ohnehin stark belasteten Bürgerschaft“ nicht möglich. Die CDU sieht den größten Reparaturbedarf bei den Ronshäuser Straßen Am Mühlgraben, an der Ulfe und in Teilen des Steinwegs.

Wie ist es um die Wirtschaftsbetriebe in Ronshausen bestellt?

Erwartungen an große Industrie- und Gewerbeansiedlungen sind nach Ansicht der SPD unrealistisch. Sie fordert eine „pragmatische Unterstützung der ansässigen Unternehmen durch den Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung“. Die CDU will - aufgrund der begrenzten Gewerbeflächen - zwischen dem Sägewerk und der ehemaligen Kläranlage ein neues Gewerbegebiet ausweisen, um Unternehmen anzusiedeln. Auch die FDP fordert die Ausweisung eines Gewerbegebietes, denn „aus ihrer guten Lage und Verkehrsanbindung habe die Gemeinde bisher leider keinen Nutzen gezogen“. Die WGR will sich für die ansässigen mittelständischen Betriebe stark machen. Sie sieht Ronshausen aber in erster Linie als „Wohngemeinde“.

Wie läuft es mit der Integration der Flüchtlinge aus dem ehemaligen Waldhotel Immensee?

Ronshausen sei seit Generationen eine offene und gastfreundliche Gemeinschaft und hege keine Fremdenangst - das zeigt sich laut SPD auch im Umgang mit den Bewohnern im Immensee. Die Integration der Flüchtlinge sei - im Rahmen der Möglichkeiten - positiv, erklärt auch die CDU. Die WGR hatte die Nutzung des Ausflugslokals Immensee als Flüchtlingsunterkunft einst abgelehnt. Nun, da die Entscheidung getroffen ist, respektiere man aber die Gäste und liefere bei Bedarf Unterstützung. Eine Integration der Immensee-Bewohner sei auch wegen der Belegungswechsel schwierig - die Gemeinde habe hier wenig Einfluss, findet die FDP.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.