Ehemann soll Frau erwürgt oder erdrosselt haben

Totschlag in Lispenhausen: DNA-Untersuchungen belasten Angeklagten

Fulda/Lispenhausen. Im Totschlagsprozess von Lispenhausen belasten die DNA-Untersuchungen des Landeskriminalamtes den 36-jährigen angeklagten Ehemann.

Unter den Fingernägeln seiner getöteteten Ehefrau wurde DNA sichergestellt, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von ihm stammt.

Dem Familienvater wird vorgeworfen, die von ihm getrennt lebende 33-Jährige am 17. Oktober vergangenen Jahres im Streit erwürgt oder erdrosselt zu haben. Auch die Standortdaten seines Mobiltelefons hatten den Angeklagten belastet: Demnach befand er sich nahe der Tatzeit auch in der Nähe der Wohnung des Opfers. Der 36-Jährige streitet die Vorwürfe ab und behauptet, zur Tatzeit schon wieder zuhause gewesen zu sein. 

Alternativen gehen aus

Im Totschlagsprozess von Lispenhausen gehen der Verteidigung allmählich die alternativen Interpretationsmöglichkeiten aus. Die DNA-Untersuchungen, die Dr. Harald Schneider vom Landeskriminalamt in Wiesbaden auf Ersuchen des Fuldaer Schwurgerichts angestellt hatte, belasten den 36-jährigen Angeklagten in schwerwiegendem Maße.

Hinzu kommt, dass es nach Dr. Schneiders Erkenntnissen keine Hinweise auf bislang unbekannte Dritte gibt, die für die Tötung der damals 33 Jahre alten Ehefrau verantwortlich sein könnten: So stammte das auf den Fingernägeln der Toten sichergestellte Blut von ihr selbst. Die an ihrem Slip entdeckten Haare ließen mangels Wurzeln zwar keine DNA-Untersuchung mehr zu, doch Farbe und Länge passten ebenfalls zum Opfer.

Detailliert führte der „DNA-Guru“ aus, was von den Mischspuren zu halten ist. Die unter zwei Fingernägeln der 33-Jährigen sichergestellt wurden. Sie stammen etwa je zur Hälfte von einem Mann und einer Frau. Sie waren einerseits der Toten zuzuordnen und andererseits nach der Auswertung von 16 Merkmalsystemen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:30 Milliarden dem Angeklagten. Wenn die Frage gestellt würde, ob man den 36-Jährigen als Spurengeber ausschließen könne, „dann hat die Natur 16 Mal nein gesagt“, führte Dr. Schneider aus. Er schränke allerdings ein, dass auch dieser Befund „keine Identifizierung“ sei.

Klassische Spurenlage

Gleichwohl sei die Spurenlage geradezu „klassisch für solche Delikte“. Dass die DNA des Angeklagten durch eine Zufallsberührung bei der Übergabe von Schulranzen an diesem Tag unter die Fingernägel der Frau geraten sei, bezeichnete der Sachverständige als „extrem unwahrscheinlich“. Bei bloßen Berührungen werde in der Regel durch Hautabrieb kaum DNA übertragen. Die sichergestellte Menge spräche vielmehr für Speichel, Blut oder Nasensekret und eine Übertragung durch Kampfhandlungen.

Unbeantwortet blieb allerdings die Frage, ob die DNA-Mischspuren von den beiden gemeinsamen Kindern stammen könnten, etwa durch die gemeinsame Benutzung einer Nagelfeile. Diese Variante hatte das LKA nicht untersucht, weil kein entsprechender Auftrag bestand. (ks)

Lispenhausen: Angeklagter wollte aus Fenster springen

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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