Von Juleica zur Pädagogin

23-jährige Rotenburgerin arbeitet im Umweltbildungszentrum

Um Plastik geht es derzeit beim Ferienprogramm in Licherode, organisiert von Sandra Steiner. Zwei Planschbecken werden dabei von den Kindern befüllt – eins mit Pflanzen und Holzutensilien, das andere mit Plastik. Im Hintergrund ist der Expo-Pavillon zu sehen.
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Um Plastik geht es derzeit beim Ferienprogramm in Licherode, organisiert von Sandra Steiner. Zwei Planschbecken werden dabei von den Kindern befüllt – eins mit Pflanzen und Holzutensilien, das andere mit Plastik. Im Hintergrund ist der Expo-Pavillon zu sehen.

Es begann vor zehn Jahren mit dem Kindergottesdienst in der Martin-Luther-Kirche und ist nun ihr Beruf geworden: Sandra Steiner ist als Pädagogin nach Rotenburg zurückgekehrt.

Licherode/Rotenburg – Derzeit findet im Umweltbildungszentrum Licherode (UBZ) die vierte Woche des Ferienprogramms von Rotenburg und Alheim statt – rund um das Thema Plastik, organisiert von der 23-Jährigen. Sie arbeitet freiberuflich beim UBZ.

Markus Paul, Stadtjugendpfleger Rotenburg

Die junge Frau hat die Jugendarbeit von der Pike auf in Rotenburg gelernt. Für Jugendpfleger Markus Paul und UBZ-Geschäftsführer Stefan Ross ist sie in mehrerlei Hinsicht ein Paradebeispiel. Für gelungene Netzwerkarbeit, weil es Biggi Stein von der Evangelischen Jugend war, die sie bereits als Teenagerin an Markus Paul vermittelte, woraufhin sie die Juleica-Ausbildung absolvierte. Sie half bei den Kinderaktionswochen mit und war auch dabei, als aus der Aktionswoche die Ferienspiele wurden.

UBZ-Geschäftsführer Stefang Ross hält sie für authentisch: „Sie redet nicht bloß daher“

Dass sie heute im Grunde Kollegin von Biggi Stein und Markus Paul ist, ist für den Jugendpfleger außerdem eine schöne Bestätigung – immer wieder entdecken junge Leute, die bei den Ferienspielen als Betreuer helfen, die Pädagogik als Berufsziel für sich. Besonders wichtig ist für UBZ-Geschäftsführer Ross: „Sie ist authentisch und vertritt das, was sie den Kindern beibringt, zu 100 Prozent. Die Kinder merken das sofort, wenn jemand nur so daherredet.“

Stefan Ross, Geschäftsführer UBZ Licherode

Im UBZ absolvierte die Rotenburgerin nach ihrem Abitur an der Jakob-Grimm-Schule 2016 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Dort wurde ihr immer bewusster, wie wichtig es ist, dass der Nachwuchs mit Natur und Tieren direkt in Kontakt kommt. „Es gab dort wirklich Kinder, die zum ersten Mal in ihrem Leben Kühe gesehen haben. Und einmal gab es tatsächlich den Fall, dass ein Kind gedacht hatte, dass die lila sind“, erinnert sich Sandra Steiner.

Auf Sylt bot sie Schnitzkurse an – die Arbeit sei ihr aber insgesamt zu kapitalistisch angelegt gewesen

Nach dem Jahr in Licherode, wo sie in der Zeit auch wohnte, machte sie bei Bad Salzungen eine Ausbildung zur Holzbildhauerin. Eine Zeit lang lebte sie danach auf Sylt und bot Schnitzkurse an, was sie demnächst wahrscheinlich auch in der Heimat tun will. Auf der „Insel der Reichen und Schönen“ arbeitete sie oft mit Kindern aus privilegierten Familien zusammen, erzählt sie. „Das war schon spannend, wenn man ihnen dann das erste Mal in ihrem Leben ein Werkzeug in die Hand drückt. Aber mir war das auf Sylt insgesamt alles zu kapitalistisch angelegt“, sagt die 23-Jährige.

Deswegen ist sie nun gern nach Waldhessen zurückgekehrt, wo sie in Braach lebt und mit einer halben Stelle nach wie vor als Holzbildhauerin arbeitet. Das UBZ war ein wichtiger Grund für ihre Rückkehr. Dort arbeitet sie auch nach den Ferienspielen weiter als Pädagogin – nach der immer wieder verlängerten Corona-Pause dürfen nun ja wieder Schulklassen kommen. „Die Lehrer passen auf und ich kann das Programm für die Kinder machen und mit ihnen Spaß haben“, sagt Sandra Steiner und lacht. Sie hat unter anderem eine Ausbildung zur Multiplikatorin für das Schuljahr der Nachhaltigkeit gemacht.

Sandra Steiner pocht auf Nachhaltigkeit – sie will nicht auf Kosten anderer Menschen leben

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich, so zu leben, dass Menschen, die nach mir kommen und Menschen, die an anderen Orten auf der Welt leben, genauso leben können wie wir. Man darf nicht auf Kosten anderer Menschen leben. Ich versuche, mein Leben danach auszurichten – unser derzeitiger Lebensstil ist noch weit davon entfernt, nachhaltig zu sein“, sagt die 23-Jährige. Besonders wichtig ist ihr, dieses Bewusstsein auch an Kinder weiterzugeben. Deswegen ist sie beim UBZ genau richtig aufgehoben. (Christopher Ziermann)

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