"Neugier ist auch bei älteren Menschen groß"

Mehr Lounge als Kneipe: 24-Jähriger betreibt Rotenburgs erste Shisha-Bar

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Freuen sich über die neue Möglichkeit, einen entspannten Abend in der Stadt zu verbringen: von links Kea Köberich aus Erkshausen, Marius Brenner aus Breitenbach und Kevin Horn aus Gilfershausen mit Bar-Besitzer Ahmet Kurt.

Als die Kult-Kneipe Broadway in Rotenburg die Pforten schloss, zog Ahmet Kurt dort mit seiner Shisha-Bar "La Vie" ein. Wenige Monate nach der Eröffnung ist das Lokal gut besucht. 

Shisha-Rauchen ist ein Trend, der bleiben wird. Da ist sich der 24-jährige Ahmet Kurt sicher. Der Erfolg gibt ihm derzeit Recht: Wenige Monate nach der Eröffnung von „La Vie“, der ersten Shisha-Bar in Rotenburg, ist sein Lokal bestens besucht. „Die Neugier ist groß, auch bei älteren Menschen“, sagt der junge Mann, der in Rotenburg aufgewachsen ist.

Sein Kundenklientel ist vielfältig. Vor 20 Jahren wurde die Wasserpfeifen-Art Shisha (sprich: Schischa) in Deutschland noch hauptsächlich von Einwanderern geraucht – nun ist sie allseits beliebt. Menschen aus dem gesamten Landkreis und besonders viele Schüler und Studenten der Landesfinanzschule, der Verwaltungsfachhochschule und der BKK kommen in die Räume der ehemaligen Kult-Kneipe Broadway am Untertor.

Ins La Vie kommt niemand, um sich zu betrinken

Der Charakter seiner Bar ist ein ganz anderer als der einer Kneipe. Das betont der 24-Jährige ausdrücklich. „Deswegen musste hier auch alles vom Boden bis zur Decke raus. Es sollte nichts mehr an eine Kneipe erinnern.“ Gemeinsames Shisha-Rauchen habe zwar eine ähnliche Funktion wie eine gemeinsame Runde Bier – aber ins La Vie komme man nicht, um sich zu betrinken. „Es ist ein anderes Flair, eher wie in einer Lounge“, sagt Kurt. Es ist gemütlich, entspannt und friedlich.

In einer Shisha-Bar spreche man mehr mit den Kunden als in einer Kneipe. Wenn er sieht, dass Gäste nicht so erfahren sind im Umgang mit den Wasserpfeifen, kommt der 24-Jährige öfter mal vorbei – etwa um die Kohle der Pfeife zu wenden, was regelmäßig passieren muss.

Die Selbstständigkeit ist für Ahmet Kurt nichts Neues. Bereits 2014 hat er den Dönerimbiss Fantasia in der Poststraße von seinem Vater übernommen. Dort ist er nun tagsüber, abends geht es ins La Vie. Auch der Dönerladen Med direkt neben dem La Vie gehört der Familie Kurt – ebenso wie das Haus, in dem bis Dezember auch das Broadway beheimatet war.

Als dort die Pforten geschlossen wurden, überlegte Familie Kurt, was man mit den Räumen machen könnte. Auch ein Anbau fürs Med wurde diskutiert. Der Vorschlag für die Shisha-Bar kam von Ahmet.

Denkmalschutz und mehr: Viele Vorschriften für 75 Quadratmeter

Ihm war wichtig, dass das Ambiente gemütlich und hochwertig ist. Die Sitze beispielsweise sind Maßanfertigungen einer Firma aus Berlin, die Wände sind von Mosaikmustern geziert. „Wir haben ordentlich investiert“, sagt Ahmet Kurt. Anregungen hat er sich bei Bars in Kassel geholt. Bei den Planungen hat die ganze Familie geholfen – wie auch nun im Barbetrieb. Außerdem gibt es zwei Angestellte.

„Mit den ganzen Vorschriften war das ein harter Kampf. Ich hätte die Bar gerne noch etwas größer gehabt, aber die Genehmigung gilt nur für 75 Quadratmeter.“ 

Außerdem war auch der Denkmalschutz mit im Boot, obwohl das Haus gar nicht denkmalgeschützt ist. Weil es aber in der Nähe von anderen Häusern steht, die es sind, müssen Genehmigungen eingeholt werden, wenn man an den Fenstern etwas verändern will. „Die Stadt hat uns unterstützt, wo sie konnte“, sagt Kurt.

Hintergrund: Die Wasserpfeife hat ihren Ursprung in Persien

Die Wasserpfeifen-Art Shisha hat ihren Ursprung vermutlich in Indien oder Persien. Die heutige Form der Shisha entstand im 15. oder 16. Jahrhundert im persischen Reich. Sie verbreitete sich vor allem in der arabischen Welt, wo sie fester Bestandteil der Kultur ist. Das gemeinsame Rauchen gilt als Symbol der Gastfreundlichkeit. 

Geraucht wird Tabak mit Fruchtaromen oder anderen Geschmacksrichtungen – der Geruch ist eher süßlich, anders als Zigarettenrauch. Für Shishas braucht man eine spezielle Tabakmischung, die deutlich feuchter ist als Zigaretten- oder Pfeifentabak. Ahmet Kurt bietet in Rotenburg rund 40 Geschmacksrichtungen an. Die Karte wird laufend aktualisiert. 

Die Wasserpfeife besteht aus einem Wassergefäß, der Rauchsäule – an der mehrere Schläuche für mehrere Raucher gleichzeitig angeschlossen werden können – und dem Kopf. Dort befindet sich der Tabak. Auf dem Shisha-Kopf liegt Kohle. Durch Löcher im Kopf gelangt der Rauch in die Rauchsäule, wenn man zieht. Für die Schläuche gibt es aus Gründen der Hygiene Mundstücke – jeder der Raucher bekommt ein eigenes, das auf den Schlauch aufgesteckt wird. 

Shisharauchen ist wie alle Formen des Tabakrauchens gesundheitsschädigend. „Es macht aber nicht so schnell abhängig wie Zigaretten“, sagt Barinhaber Ahmet Kurt. Man rauche meist mit Freunden und nicht alleine zwischendurch. Damit der Rauch in der Bar nicht zu Kopfschmerzen führt, ist an der Decke ein großes Entlüftungssystem installiert.

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