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Familie Sommer lädt am Samstag zur Party ins Las Vegas in Rotenburg ein

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Von: Christopher Ziermann

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Jung und Alt sollen am Samstag gemeinsam auf der Tanzfläche im Las Vegas feiern. Dazu laden ein: von links Frank Sommer mit Sohn Moritz Rimbach und Harald Sommer mit Sohn William.
Jung und Alt sollen am Samstag gemeinsam auf der Tanzfläche im Las Vegas feiern. Dazu laden ein: von links Frank Sommer mit Sohn Moritz Rimbach und Harald Sommer mit Sohn William. © Christopher Ziermann

Wer ein Bier trinken will, wer tanzen will, der kommt in Rotenburg seit Jahrzehnten an den Sommers kaum vorbei.

Rotenburg – In der dritten Generation lädt die Familie nun mittlerweile zum Beisammensein und Feiern ein. Eigentlich war schon zum 40-jährigen Bestehen der Disko Las Vegas eine Revival-Party geplant. Die findet nun wegen Corona erst jetzt statt, 42 Jahre nach der Eröffnung.

Die Gastronomie liegt den Sommers im Blut. Erhard und Maria Sommer, die mittlerweile verstorben sind, hatten schon in den 70er Jahren verschiedene Kneipen und Diskos im Schwalm-Eder-Kreis betrieben. In der Rotenburger Kernstadt gab es damals keine Disko. Daher kam das Ehepaar 1980 mit seinen sechs Kindern in die Fuldastadt.

Die Söhne Harald und Frank waren Jugendliche. „Wir sind viel Mofa gefahren, haben auch schon viel im Musikpalast mitgearbeitet. Das war eine geile Zeit“, sagt Harald Sommer, der 1964 geboren wurde. Das Geschäft brummte in den ersten Jahren. „Wir hatten sieben Tage die Woche geöffnet. Zur Kinderdisko sonntagnachmittags waren 400 bis 500 Gäste da. Auch durch die Bundeswehr-Kaserne war einfach immer was los“, erinnert sich Frank, der 1966 geboren wurde. Er versuchte sich damals auch als DJ.

Der Musikpalast, wie die Disko einige hundert Meter entfernt von der Bundeswehr-Liegenschaft anfangs hieß, warf ordentlich Geld ab. Das war auch nötig: Der Neubau im Industriegebiet, der für Sommers bis heute auch Wohnhaus ist, sollte eigentlich 500 000 D-Mark kosten, wurde letztlich aber dreimal so teuer.

Einige Jahre später machte in Bebra allerdings das Playboy No. 1 auf, das heute Hyppo heißt. Die Eltern wurden nicht jünger – das Geschäft lief nicht mehr ganz so gut. Frank und Harald hatten unterdessen Ausbildungen zum Raumausstatter bei Knierims und zum Fleischer bei Hollenbachs gemacht, gingen danach aber sofort zurück in die Veranstaltungsbranche.

Mit Anfang 20 machten sich die Brüder selbstständig: In Hessisch Lichtenau eröffneten sie die Diskothek Starlight. „Das hat gebrummt – noch besser als in Rotenburg“, erzählt Harald, der unter anderem mit dem amerikanischen DJ C.Moore Feierlustige aus ganz Nordhessen anzog. Er blieb bis 2002 dort.

Frank hingegen kehrte 1986 nach Rotenburg zurück. Die Eltern hatten die Disko zwischenzeitlich verpachtet – nun war sie zurück in Familienhand. Das Geschäft lief immer noch prächtig, wenn auch nur noch an fünf statt sieben Tagen die Woche. Der jüngere der beiden Brüder baute das Sommer-Imperium in Rotenburg stetig aus. 1989 kam die Kneipe Broadway am Parkplatz Altes Amtsgericht hinzu, wo nun seit einigen Jahren eine Shisha-Bar ist.

Erhard und Maria Sommer eröffneten 1980 den Musikpalast im Rotenburger Industriegebiet. Das Ehepaar lebt nicht mehr – heute führen ihre Enkel William und Moritz im Las Vegas ihr Erbe fort.
Erhard und Maria Sommer eröffneten 1980 den Musikpalast im Rotenburger Industriegebiet. Das Ehepaar lebt nicht mehr – heute führen ihre Enkel William und Moritz im Las Vegas ihr Erbe fort. © Moritz Rimbach/NH

1995 eröffnete das Pustekuchen im Steinweg, außerdem übernahm Frank für einige Jahre das Hyppo in Bebra. 2010 folgte die dritte Sommer-Generation: Mit Neffe Daniel Rudolph, der mittlerweile die Alte Polsterei führt, eröffneten Sommers den Platzhirsch am Marktplatz. Das Pustekuchen zog ebenfalls an den Marktplatz um.

Längst war auch Harald wieder in der Fulda-Stadt. Er übernahm 2002 die Disko, die auch schon seit vielen Jahren ebenfalls Spielautomaten und Billard-Tische beherbergte. Der ältere der beiden Brüder brachte auch seine USA-Begeisterung mit: Nach Musikpalast, Albatros-Piano und Madhouse benannte er die Disko zunächst in New York und dann in Las Vegas um.

Nach einigen ruhigeren Jahren wurde hier nun wieder ausgiebig gefeiert – die Bundeswehr, die zwischenzeitlich in Rotenburg schon einmal ihre Kasernen-Besetzung reduziert hatte, war wieder mit über 1000 Soldaten da. Einen weiteren Schub gab es 2008, als das Hyppo in Bebra zumachte. Zur gleichen Zeit wurde das Las Vegas auch zur Stamm-Disko der Abitur-Jahrgänge der Jakob-Grimm-Schule, nachdem viele Kommunen und Private keine Hütten mehr an die jungen Menschen vermieteten. „Wir hatten regelmäßig 1000 Gäste hier“, sagt Harald.

Aber: In den zurückliegenden Jahrzehnten war nicht alles Gold, was glänzte. Der Umfang der Abi-Partys nahm bereits vor der Corona-Pandemie stetig ab. „Auch die Feier-Kultur grundsätzlich ist heute nicht mehr mit früher zu vergleichen“, sind sich alle vier Sommers einig. Eine Disko, die jedes Wochenende geöffnet hat – nicht mehr denkbar, wie viele Schließungen in ganz Nordhessen zeigen.

Auch ein Grund für Moritz (22) und William (24), dass sie hauptberuflich andere Wege eingeschlagen haben. Aber: Es ist ihnen gelungen, das Las Vegas nach den harten Corona-Einschränkungen als Disko wiederzubeleben. „Das ist wie bei uns damals: Mit über 50 hat bei unseren Eltern irgendwann der Draht zur Jugend nachgelassen. So ist das bei uns heute auch, das ist ganz normal“, sagt Frank. „Es ist einfach super, dass es hier nun mit neuer Energie weitergeht“, fügt Harald hinzu.

Spurlos ist die Pandemie auch an Sommers nicht vorbeigegangen. Doch ihre Betriebe waren nie in Gefahr – sie stehen auf stabilen Füßen. Der Familie gehören auch mehrere Häuser in Rotenburg. „Uns geht es wirtschaftlich ganz gut. Das haben wir uns aber auch hart erarbeitet“, betont Harald. „Wir haben immer zusammengehalten, auch wenn man nicht immer einer Meinung ist“, sagt Frank. Als nächstes kommt die frühere Hafenbar am Fulda-Ufer zum Imperium dazu.

Nun soll am morgigen Samstag aber erst mal gefeiert werden. Dazu legen die DJ-Urgesteine Harry und C-Age auf. Es soll viel Musik von früher laufen. Die Vorfreude darauf ist auch bei Moritz und William groß. „Wir freuen uns auf eine bunte Generationen-Mischung“, sagt Moritz. (Christopher Ziermann)

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