Livemusik von 11 bis 19.30 Uhr

75 Jahre Kraftwerk Haag in Rotenburg: Feier mit viel Programm am Samstag

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Rotenburger Bilderbuchidyll: Das Fuldawehr mit dem aus der früheren Herrenmühle erwachsenen Wasserkraftwerk Haag. 

Rotenburg. Seit einem Dreivierteljahrhundert erzeugt die an der Fulda gelegene Mühle der Familie Haag Strom. Grund genug, einen ganzen Samstag lang mit Gästen Jubiläum zu feiern.

So sieht es jedenfalls Conny Haag-Lorenz, die ihr Familienerbe nicht nur „in Schuss gehalten“, sondern zusammen mit ihren Eltern und Ehemann Lutz Lorenz behutsam weiterentwickelt hat. 

Die begeisterte „Strommüllerin“ sagt: „Ich weiß zu schätzen, was meine Vorfahren geleistet haben, und deshalb war für mich immer klar, dass ich das Kraftwerk, das mein Großvater Eugen auf den Grundmauern der 1923 abgebrannten, in weitem Umkreis bekannten Herrenmühle aufgebaut und 1943 in Betrieb genommen hat, weiterführen werde.“

Ist stolz auf ein Dreivierteljahrhundert Kraftwerksgeschichte: Conny Haag-Lorenz, Enkelin des Kraftwerksgründers Eugen Haag. Am Samstag möchte sie mit kirchlichem Segen, einer musikalischen Zeitreise und vielen Besuchern Geburtstag feiern.

Wer sie kennt, weiß, mit wie viel Energie sie das tut. Mancher sieht vielleicht nur das Geld, das sie mit dem Verkauf von Strom verdient, und nicht die ohne Rücksicht auf immer wieder „ins Wasser fallende“ Urlaubspläne anfallende Arbeit, die mit dem Betreiben eines Wasserkraftwerks verbunden ist. „Es hängt schon einiges dran, aber ich habe eine gut eingespielte kleine Mannschaft, die mich sehr gut unterstützt“, sagt die engagierte Fuldastädterin.

Sie bedauert, dass Energie aus Wasserkraft noch zu wenig als erneuerbare Energie wahrgenommen werde und dass man potenziellen Kraftwerksbetreibern noch immer „Steine in den Weg“ lege. Dabei könne ein Wasserkraftwerk einen bedeutenden Teil der Grundlast abdecken, also für den andauernd benötigten Teil der elektrischen Leistung in einem Versorgungsgebiet sorgen.

Erst Andacht, dann Musik aus sieben Jahrzehnten und viel für Kinder

Für das Betriebsjubiläum am Samstag hat sich die Rotenburgerin ein mit einer von Pfarrer Lars Niquet gehaltenen Andacht mit Segnung beginnendes, für Jung und Alt interessantes Programm ausgedacht. Ab 11 Uhr bis etwa 19.30 Uhr laden gleich vier Bands zu einer musikalischen Zeitreise durch 75 Jahre ein. Danach geht es weiter mit einer Wunsch-Playlist-Party mit Hits aus den 2000er Jahren.

Den ganzen Tag über gibt es Gegrilltes aus dem „Spülrinnengrill“ des Kraftwerks, außerdem Kaffee und Kuchen, Cocktails, Crêpes und Zuckerwatte sowie italienisches Eis.

Kleine Kraftwerkserkundungen sind ebenfalls möglich, darüber hinaus gibt es Anlaufstationen für Stand-up-Paddling, Segway- und E-Mountainbike-Touren, einen Kinder-Tattoo- und Kreativstand mit Spielecke für Kinder, handgenähte Baby- und Kinderbekleidung sowie Deko aus „Fulda-Treibgut“. 

„Das ist alles bei uns angeschwemmt worden, und wir haben daraus originelle Shabby- und Vintage-Deko gefertigt, die man erwerben oder bei einer Verlosung gewinnen kann“, freut sich die Enkelin des Geburtstagskind-Erbauers.

30er bis 2000er: Das Musikprogramm am Samstag

  • 11 Uhr: „Papa Legba’s Blues Lounge“, Blues und Standards aus den 30ern und 40ern
  • 13.30 Uhr: „Rockabilly Four“, Rock’n Roll aus den 50ern und 60ern 
  • 16 Uhr: „Chris and Me mit Stefan Jehn“, Songs aus den 70ern und 80ern 
  • 18 Uhr: „WhyNotAcoustic“, von Oldies bis Charts, von Rock bis Ballade, 80er und 90er 
  • Abends: Hits der 2000er nach Party-Playlist 
  • Der Eintritt ist frei

Hintergrund: Ein Kraftwerk mit langer Geschichte

Das Kraftwerk Haag geht zurück auf die schon vor 1600 auf der südlichen Fuldaseite bestehende Herrenmühle, die 1612 von Landgraf Moritz auf der nördlichen Fuldaseite neu erbaut wurde. Diese entwickelte sich nach Verkauf an Conrad Schad (1848) und Weiterverkauf an Herz Heß (1872) zu einer bestens ausgestatteten Kunstmühle, in die schon 1892 eine „45-pferdige Turbine“ und 1905 eine regulierbare „Francis-Turbine“ eingebaut wurden.

Nachdem sie 1923 bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, lag sie 16 Jahre lang in Trümmern. Im Jahr 1939 erwarb Eugen Haag das Mühlen-Areal und erbaute auf ihm ein 1943 fertiggestelltes Wasserkraftwerk. Nach verschiedenen Modernisierungen speist das Kraftwerk mittlerweile jährlich rund 1,8 Millionen kWh Strom in das Überlandnetz der EAM ein. Wenn alles bestens läuft, beträgt die Spitzenleistung aller Turbinen insgesamt 335 kWh.

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