Für Ungeimpfte wird es teuer

Ab heute gelten strengere Corona-Regeln: PCR-Tests in drei Zentren in Hersfeld-Rotenburg

Sie bieten PCR-Tests für Menschen ohne Corona-Symptome an: Mandy Werner (links) und Ramona Dehnhardt vom Testzentrum City-Apotheke und Sanitätshaus in Bad Hersfeld.
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Sie bieten PCR-Tests für Menschen ohne Corona-Symptome an: Mandy Werner (links) und Ramona Dehnhardt vom Testzentrum City-Apotheke und Sanitätshaus in Bad Hersfeld.

Ab heute gelten verschärfte Alltagsregeln für Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind. Wenn sie etwa ins Restaurant gehen wollen, müssen sie einen PCR-Test vorlegen.

Hersfeld-Rotenburg – Diese Tests sind teurer und verlässlicher als die bisherigen Antigen-Schnelltests, die nun in der Regel nicht mehr ausreichen. Betroffen von der hessenweiten Regel-Verschärfung sind diejenigen, die noch nicht den vollen Impfschutz nachweisen können oder nicht als genesen gelten. „Da die Inzidenzwerte sehr schnell gestiegen sind und die Intensivstationen jeden Tag stärker ausgelastet werden, muss gegengesteuert werden. Dabei ist uns allen bekannt, dass die Ungeimpften das Problem darstellen“, sagt Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, der die strengeren Regeln als „logisch und nachvollziehbar“ bezeichnet.

Holger Reichenauer, Vorsitzender des Kreisverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), befürchtet durch die neuen Bedingungen vermehrte Diskussionen mit ungeimpften Gästen. „Das wird vor allem in der Hochphase der Weihnachtsfeiern zu Wortgefechten führen“, sagt er und appelliert an die Vernunft. Vor allem in kleineren Gaststätten im Landkreis würden bereits schon jetzt 2G-Bedinungen gelten. „Das läuft auch ganz gut, die Gäste sind zufrieden“, so Reichenauer. Die verschärften Zugangsbeschränkungen bedeuteten aber auch Mehraufwand für die Mitarbeiter. „Irgendwer muss das ja auch alles kontrollieren.“

Für Kinder reicht ein Corona-Schnelltest

Grund für die strengeren Beschränkungen für Ungeimpfte sind die steigenden Infektionszahlen in Hessen. Während die Lage im Kreis Hersfeld-Rotenburg noch vergleichsweise entspannt ist (siehe Meldung rechts oben), spitzt sie sich landesweit zu. Lediglich für Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können und dafür ein ärztliches Attest vorweisen können, reicht weiterhin ein Antigen-Schnelltest.

Eher entspannt blickt Klaus Wittich, Vorsitzender des Kulturvereins Ellis Saal in Weiterode, der PCR-Testpflicht für Ungeimpfte entgegen, die nun auch bei kulturellen Veranstaltungen gilt. „Das ist bei uns unproblematisch“, sagt er. „Gut 98 Prozent“ des Publikums sei geimpft, wie die vergangenen Wochen gezeigt hätten. Ähnlich sieht Mercedes Thiel vom Bad Hersfelder Buchcafé der PCR-Testpflicht entgegen. „Wir haben bereits vor drei Wochen beschlossen, auf 2G umzustellen“, sagt sie. Nahezu alle Besucher seien geimpft oder genesen. „Trotzdem bleiben wir bei einer lockeren Bestuhlung. Unseren Gästen ist das auch sehr wichtig.“

Kirchen entscheiden bei Testpflicht weiterhin selbst

Gottesdienste sind von der strengeren Testpflicht nicht betroffen, wie Regierungssprecher Michael Bußer auf Nachfrage mitteilt. „Die Verantwortung liegt nach wie vor bei den Kirchenvorständen“, sagt auch Dr. Frank Hofmann, Dekan des Kirchenkreises Hersfeld-Rotenburg. „Wir haben 2G-Gottesdienste, in denen normal gesungen wird, aber auch welche mit Maskenpflicht und Platzbeschränkungen“, sagt Hofmann. Der Kirchenkreis denke angesichts steigender Infektionszahlen mit Blick auf Weihnachten auch bereits über Gottesdienste im Freien nach. In Rotenburg beispielsweise soll, so der Dekan, an Heiligabend ein Gottesdienst auf dem Marktplatz stattfinden.

PCR-Tests kann man in Rotenburg in der Brückengasse machen. Betrieben wird das Testcenter von der Hubertus-Apotheke von Dietrich Grimme, hier mit Mitarbeiterin Christina Schmidt. Er könnte die Kapazitäten noch aufstocken, so der Apotheker. Die Auswertung in den Laboren dauert aber auch mal länger als 24 Stunden.

Bei Anbietern im Landkreis kostet der Labornachweis rund 90 Euro. Doch wo bekommt man so einen PCR-Test? Diese Frage lässt sich, wie viele in dieser Pandemie, nicht abschließend beantworten. Denn das Landratsamt verfügt zwar über eine Liste von Teststellen, die aber nicht vollständig ist, da es keine Meldepflicht gibt. Demnach sind PCR-Tests für gesunde Ungeimpfte in Bad Hersfeld und Rotenburg zumindest bei drei Anbietern möglich:

  • Im Testzentrum City-Apotheke und Sanitätshaus in Bad Hersfeld, Breitenstraße 18 (montags bis freitags von 13 bis 17 Uhr, am Wochenende von 11 bis 15 Uhr). Kosten: 89 Euro.
  • Im Testzentrum Rotenburg der Hubertus-Apotheke, Brückengasse 6 (montags bis Samstag von 8.30 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 19 Uhr, sonntags von 9 bis 13 Uhr). Kosten: 90 Euro.
  • Und beim Pflegedienst Weiße Elfen in Bad Hersfeld, Uffhäuser Straße 8 (montags bis mittwochs von 10 bis 16 Uhr, donnerstags bis samstags von 10 bis 21 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr). Kosten: 89,12 Euro.

Dr. Martin Ebel, Vorsitzender des Hausärzteverbands im Kreis Hersfeld-Rotenburg, sagt: „Wer Symptome hat, geht zum Hausarzt. Dann sind wir auch zuständig.“ Gesunde, die einen PCR-Test für eine Urlaubsreise oder einen gesellschaftlichen Anlass benötigen, sollten sich möglichst woanders umsehen. „Wir sind mit den Impfungen, der anrollenden Erkältungswelle und dem ganz normalen Alltag sehr gut ausgelastet“, sagt Ebel.

Krankenhäuser in Hersfeld-Rotenburg bieten PCR-Tests nur für Patienten an

Eine zentrale Liste, welche Ärzte im Kreisgebiet die teureren Labortests, die nach wie vor als „Goldstandard“ unter den Corona-Tests gelten, anbieten, gibt es nicht.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat keine gesammelten Informationen über Praxen, die PCR-Tests machen. Das Klinikum Hersfeld-Rotenburg bietet laut Sprecher Werner Hampe PCR-Tests nur für Patienten an. Im Rotenburger Kreiskrankenhaus gibt es ebenfalls nicht die Möglichkeit, sich labortechnisch für ein Restaurant- oder Kinobesuch auf das Coronavirus testen zu lassen.

Kindergärten: Kontakt weiterhin nur an der Haustür

Bei ihrer Dienstversammlung haben die Bürgermeister im Landkreis gestern beschlossen, dass die Kinder in den Kindergärten weiterhin an der Haustür der Einrichtung abgegeben werden sollen. Das teilt Harald Preßmann, der Sprecher der Bürgermeister, mit. Zudem dürfen Dorfgemeinschafts- und Bürgerhäuser weiterhin mit 2G oder 3G genutzt werden. „Wobei die 3G-Regelung dann mit PCR-Test erfüllt werden muss“, so Preßmann. Bei 2G gelte ab sofort eine Person pro 1,5 Quadratmeter, bei 3G gilt eine Person pro drei Quadratmeter.

Grundsätzlich gilt die verschärfte Testpflicht für Menschen, die sich gegen die kostenlose Corona-Schutzimpfung entschieden haben – konkret nach Auskunft der hessischen Landesregierung für Innenbereiche bei Veranstaltungen, Messen und im Kulturbetrieb, in Freizeiteinrichtungen, Sportstätten, Kulturstätten, Gaststätten, Spielbanken und Spielhallen sowie Prostitutionsstätten.

Auch Schwimmbäder in Hersfeld-Rotenburg stellen auf 2G um

Auch die Schwimmbäder stellen ab heute auf 2G um, wie etwa Betreiber Kay Thimet für die Bäder in Bad Hersfeld mitteilt. Während in der Kurbad-Therme eine Besuchergrenze gelte, gebe es im Auqa-Fit keine Kapazitätseinschränkungen. Auch im Rotenburger Hallenbad, in der Obersuhler Kleinschwimmhalle und im Heringer Fritz-Kunze-Bad gilt jetzt: geimpft, genesen oder PCR-Test.

Für Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, reicht aber, betont das Land, weiterhin generell ein Antigen-Test als Nachweis aus.

Das Gesundheitsamt des Landkreises rät indes allen bisher ungeimpften Menschen dringend dazu, sich impfen und allen, für die es laut Stiko-Empfehlung infrage kommt, sich „boostern“ zu lassen. „Es ist wichtiger denn je, sich jetzt impfen zu lassen. Wir gehen davon aus, dass auch andere Infektions- und Viruskrankheiten wie die Grippe aufgrund der Witterung und der kalten Jahreszeit vermehrt auftreten“, sagt Adelheid Merle, Leiterin des Gesundheitsamtes. „Hinzu kommt, dass das Infektionsrisiko momentan sowieso steigt, weil sich die Leute jetzt öfter drinnen aufhalten.“ (Sebastian Schaffner)

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