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Älteste Bürgerin Thüringens von Ministerpräsident ins Bergwerk eingeladen

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Von: Jenny Breiding

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Feierten das Alter unter Tage: von links Werksleiter Martin Ebeling, Ministerpräsident Bodo Ramelow, die älteste Bürgerin Thüringens Gerda Metze, Tochter Siegrid Heyde, Oberbürgermeister André Neumann und Betriebsrat Stefan Böck.
Feierten das Alter unter Tage: von links Werksleiter Martin Ebeling, Ministerpräsident Bodo Ramelow, die älteste Bürgerin Thüringens Gerda Metze, Tochter Siegrid Heyde, Oberbürgermeister André Neumann und Betriebsrat Stefan Böck. © Jenny Breiding

Im stockfinsteren Streckennetz des Erlebnisbergwerks Merkers fährt das gelb leuchtende Besucherfahrzeug mit der ältesten Bürgerin Thüringens durch die holprigen Gänge und macht den ersten Halt am Goldraum.

Merkers – Hier versteckten die Nationalsozialisten einst das Reichsgold vor den Amerikanern, die 1945 auf dem Vormarsch Richtung Merkers waren. 1915 geboren, hat auch Gerda Metze den Zweiten Weltkrieg erlebt. Zur Feier ihres 107. Lebensjahres, das sie zur ältesten Bürgerin Thüringens macht, betritt Gerda Metze aus Altenburg aber nicht allein die Tiefen des Bergwerks. André Neumann, Oberbürgermeister Altenburgs, und der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow begleiten sie.

Die letzten zwei Jahre waren für sie aufgrund von Knochenbrüchen und Corona-Erkrankung keine einfachen – und doch wirkt sie quietschfidel. „Was fällt uns dazu ein? Das Duracell-Häschen“, sagt Ramelow lachend. Von ihm kam die Idee zu diesem besonderen Ereignis in Merkers. Gerda Metze grinst über beide Ohren.

Auf den Wegen unter Tage haken Ramelow und Neumann sie immer wieder unter, sie betrachten das historisch geprägte Gewölbe mit Spannung. Vom Werksleiter des Standortes Werra, Martin Ebeling, hatte sie eine halbe Stunde zuvor ein Fläschchen Whiskey überreicht bekommen. Dieser war fünf Jahre am tiefsten Punkt des Bergwerks gereift und dient als Andenken an diesen besonderen Tag, so Ebeling und Betriebsrat Stefan Böck, die sich über den hohen Besuch freuten. „Der wird aber nicht jetzt getrunken“, sagt Siegrid Heyde, die 78-jährige Tochter Metzes scherzhaft und sorgt für Gelächter.

Vor der Tour unter Tage braucht es standardmäßig Sicherheitsvorkehrungen, in die auch Metze eingeführt wird. Bei einem gemeinsamen Marsch in die Kaue, die Umkleide der Bergleute, bekommen die 107-Jährige, Ramelow und Neumann Schutzkleidung und einen Helm aufgesetzt. Zu Metzes Freude war letzterer einige Nummern zu groß, ließ sich jedoch schnell anpassen und verkleinern, sodass auch sie bereit für die Fahrt im rasend schnellen Förderkorb unter die Erde war.

Ministerpräsident Ramelow und Oberbürgermeister Neumann stützen die 107-jährige Gerda Metze.
Ministerpräsident Ramelow und Oberbürgermeister Neumann stützen die 107-jährige Gerda Metze. © Jenny Breiding

Metze nimmt im dunklen Goldraum auf einer für sie aufgestellten Bank Platz und schaut gespannt einen Film über die Historie des Bergwerks, in dem auch amerikanische Soldaten zu Wort kommen. Denn das heutige Erlebnisbergwerk diente nicht nur als Versteck der Nazis.

Auch Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald mussten hier unter Tage arbeiten. Sie stellten Munition und Rüstungsgegenstände her. Bei Taggängen seien sie schließlich geflohen und den amerikanischen Soldaten in die Hände gelaufen, die sich auf dem Vormarsch befanden und das Bergwerk schneller erreichten, als die Nazis es geplant hatten. Das und vieles mehr erzählt der Leiter der Tour unter Tage, Jens Ebeling.

Immer noch untergehakt von Ministerpräsident und Oberbürgermeister begeht Metze nun eine Ausstellung mit Fotos und Exponaten im hinteren Teil des eindrucksvollen Goldraumes. „Die Regierung greift ihren Bürgern unter die Arme“, scherzt Tochter Siegrid Heyde wieder. „So soll das sein“, stimmen Ramelow und Neumann mit ein.

Wie Mutter, so Tochter – beide Frauen grinsen breit, sichtlich erfreut über die Begegnungen und Erlebnisse, die sie an diesem Nachmittag zur Feier des Alters machen dürfen. Sie scherzen gerne, suchen immer wieder die Gespräche zu den beiden Politikern, die sehr vertraut im Umgang mit ihrer ältesten Bürgerin wirken.

Gerda Metze im K+S Besucherfahrzeug.
Gerda Metze im K+S Besucherfahrzeug. © Jenny Breiding

Im Konzert und Veranstaltungsraum unter Tage befindet sich die letzte Station der Tour für die 107-Jährige. Rote Lichter blinken von hohen Decken, festlich dekorierte Weihnachtsbäume schmücken die Bühne, auf der schon Stars wie die Wildecker Herzbuben, Chris de Burgh und Co. standen.

In diesem Raum lagerte einst das Kali ein, heute finden hier Konzerte, Partys und Veranstaltungen statt. „Auch die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ hat hier bereits ihre Szenen gedreht“, erzählt Jens Ebeling begeistert. Neben dem geparkten Besucherfahrzeug steht der größte Schaufelradbagger, der jemals unter Tage eingesetzt wurde, sagt er außerdem.

Auf einmal wird es dunkel. Laserstrahlen tanzen über die Wände, Musik erklingt aus allen Richtungen. Eine Laser- und Musikshow unter Tage ist die letzte Überraschung für Gerda Metze, die dabei gemeinsam mit Ramelow und Neumann im Fahrzeug sitzt. Nachdem es mit dem Förderkorb in Windeseile wieder zurück über Tage geht, bekommen Metze und ihre Begleitung eine Stärkung und die Möglichkeit, das Erlebte noch mal Revue passieren zu lassen.

Gerda Metze ist eine der 70 000 bis 75 000 Besucher, die jedes Jahr das Erlebnisbergwerk in Merkers betreten – und unter diesen auch die Älteste. „Man muss den Menschen in Ost-Thüringen zeigen, dass wir noch mehr zu bieten haben“, sagt Ramelow zum Abschluss. Siegrid Heyde bedankt sich im Namen ihrer Mutter für diesen tollen Tag, der ihnen „noch lang in Erinnerung bleiben wird“.

Ihren 108. Geburtstag dürfe Gerda Metze gern auch im Bergwerk feiern, heißt es vonseiten K+S. Frau Metze grinst immer noch, sichtlich zufrieden mit den besonderen Erlebnissen unter Tage. (Jenny Breiding)

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