Partyservice läuft weiter

Ära der Rotenburger Fleischerei Apel endet nach 270 Jahren 

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Die Zeiten ändern sich: Vor zehn Jahren schien die Zukunft der Fleischerei Apel in Familienhand gesichert. Unser Archivbild zum 260-jährigen Bestehen zeigt von links Rupertus, Bernd, Silke, Oliver und Dana Apel (Sie ist wegen des Bildformates abgeschnitten, per Klick auf das Symbol rechts oben ist das ganze Foto zu sehen). Doch wie in allen Familien hat sich auch bei Apels das Leben weiterentwickelt. Die Kinder haben neue berufliche Wege eingeschlagen.

Solch eine ungebrochene Tradition gibt es in Rotenburg nicht noch einmal: Seit 270 Jahren besteht die Fleischerei Apel am Marktplatz. Nun endet dir Ära.

Das Geschäft schließt Ende September. Allein seinen Partyservice will Inhaber Bernd Apel weiterbetreiben.

Noch vor zehn Jahren schien die Fortsetzung des Familienbetriebs in der zehnten Generation gesichert, auch die Kinder von Inhaber Bernd Apel und seiner Frau Silke arbeiteten im Betrieb mit. Doch Sohn Oliver arbeitet inzwischen als Lebensmittelkontrolleur, Tochter Dana ist der Liebe wegen weggezogen und hat sich beruflich komplett neu orientiert. Und dann waren da noch gesundheitliche Probleme.

Bernd Apel sagt: „Den Beruf finde ich nach wie vor klasse, aber als Selbstständiger täglich zwölf, 14 Stunden zu arbeiten – das geht nicht mehr.“ Zum Betrieb gehören aktuell noch Simone Ritter und Ulrich Apel – beide seit Jahrzehnten Mitarbeiter. Auch sie orientieren sich neu.

Bernd Apel selbst will kürzer treten, aber nicht ganz aufhören: Den Partyservice setzt er fort und stellt auch die Wurst, darunter seine beliebte „Stracke“ weiterhin für Wurstplatten her. Seine Frau Silke, die 40 Jahre hinterm Tresen stand und den Laden mit am Laufen hielt, kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten.

Seit 270 Jahren die Adresse für Handwerksqualität. Jetzt schließt die alteingesessene Fleischerei Apel am Marktplatz.

Die Metzgerei hat wie viele andere das veränderte Kaufverhalten von Kunden gespürt: Supermärkte machen den traditionellen Handwerksbetrieben zu schaffen. „Mit Tradition braucht man den Kunden nicht mehr zu kommen. Heute wird eben anders eingekauft“, konstatiert Bernd Apel.

Er wollte eigentlich Elektriker werden, erzählt er schmunzelnd. Als er das seiner Großmutter erzählte, die ebenfalls bis ins hohe Alter das Essen in der damals zur Fleischerei gehörenden Gaststätte zubereitete, sei diese in Tränen ausgebrochen. Bernd Apel ließ sich zur Fortsetzung des Unternehmens überreden und begann seine Lehre 1974 bei seinem Vater Rupertus.

Mit dem Nachfolgeproblem sieht sich Bernd Apel nicht allein in den Reihen seiner Berufskollegen: Viele Söhne gestandener Fleischermeister hätten zwar den Beruf ebenfalls gelernt, wollten jedoch nicht mehr ihr ganzes Leben dem Betrieb unterordnen und suchten sich neue Betätigungsfelder. „Ich kann das verstehen“, sagt der 60-Jährige, der wie seine Geschwister von Kindheit an im Betrieb geholfen hatte.

Das Apel-Arbeitsgen hält Bernd Apel weiter in Bewegung. Sein Partyservice läuft. Kochen hat er bei der Bundeswehr gelernt. Dort war er Feldkoch und bereitet noch immer alle Speisen klassisch zu: „Soßenpulver gibt es bei uns nicht.“

Einerseits ist er traurig, dass die Familientradition endet, andererseits sei er auch erleichtert, räumt er ein. Zu lange habe er am Limit gearbeitet. Mit der Reduzierung auf ein Geschäftsfeld glaubt er, seinen neuen Weg gefunden zu haben.

Zehn Generationen

1784 hatte Johann Christian Apel die Fleischerei und eine Herberge im Haus Marktplatz 7 eingerichtet. Von 1784 bis 1820 führte sein Sohn Johann Georg die Geschäfte, anschließend übernahm dessen Sohn Johannes den Betrieb bis 1891. Eine eigene Rinder- und Schafzucht fügte Wilhelm Rupertus dem Familienbetrieb hinzu. 

Nach dessen Tod 1905 musste die Familie vorübergehend das Geschäft verpachten. Konrad Wilhelm Apel setzte 1927 die Familientradition fort. 1969 übernahm Rupertus Apel die Geschäfte. Er modernisierte Geschäft und Gaststätte. Seit 1992 steht Bernd Apel an der Spitze des Betriebs.

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