Bürgermeister unterstützt Unternehmerfamilie

AfD-Treffen in Rotenburg: Bündnis gegen Rechts kritisiert Hotelier scharf

Rotenburg. Das Bündnis „Bunt statt braun Hersfeld-Rotenburg“ übt wegen einer AfD-Veranstaltung scharfe Kritik an der Hotelgruppe Göbel.

Hintergrund ist eine Veranstaltung der AfD im Rotenburger Rodenberg-Hotel, bei der am kommenden Montag auch der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen zu Gast sein wird. Das Bündnis hat aus diesem Anlass auch zu einer Kundgebung auf dem Rotenburger Marktplatz aufgerufen. Ab 17 Uhr wolle man dort zeigen, dass es weder in Rotenburg noch anderswo „Platz für Rassismus, Sexismus und Homophobie“ gebe. Zur Hotelgruppe Göbel gehört unter anderem auch das Schlosshotel Prinz von Hessen, in dem die SPD alljährlich ihren Hessengipfel veranstaltet. 

Das sagt Bunt statt braun

Während sich Parteien und Mandatsträger bemühen würden, Abstand zur AfD zu bewahren, gebe es augenscheinlich bei Hoteliers „keine solchen anstand-geleiteten Regeln“, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses. Die Unterzeichner würden sich „künftig schämen, das Gastrecht in einem Hotel zu genießen, das gleichzeitig einer Partei gewährt wird, die Angst, Sozialneid und Fremdenfeindlichkeit aufgreift und verstärkt, heißt es weiter. Schlimmer als das Wegbleiben des Bündnisses würde das Hotel eine Distanzierung prominenter Gäste treffen, wird indirekt zum Boykott aufgerufen.

Das sagt der Hotelier

Gert Göbel, geschäftsführender Gesellschafter der Göbel Hotels, wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Als familiengeführte Hotelgruppe sind wir ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten agiert“, heißt es in einem Statement des Unternehmens. Man sei in der Verantwortung, Umsätze zu generieren, um weiterhin Investitionen tätigen zu können, wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze in der Region zu sichern. „Allein unter diesen Maßgaben werden Buchungsanfragen durch uns behandelt und durchgeführt“, schreibt Göbel.

Das sagt der Verband

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Hessen, verweist anlässlich der Vermietung an die AfD auf die generelle Haltung des Verbandes. „Die Hoteliers und Gastronomen in Hessen sehen sich als Gastgeber für alle – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, religiöser Zugehörigkeit oder politischer Auffassung“, heißt es da. Die Bewirtung und Beherbergung politischer Gruppen und Parteien lasse keine Rückschlüsse auf die politische Haltung eines Unternehmens zu. Dieses habe auch das Hausrecht und dürfe selbst über seine Gäste entscheiden.

Das sagt der Bürgermeister

„Den Einlassungen des Bündnisses muss ich als Bürgermeister der Stadt entschieden entgegentreten“, sagt Christian Grunwald. Zwar sei es für ein lokales Aktionsbündnis gegen Rechts legitim, sich mit der AfD kritisch auseinanderzusetzen. Diese politische Auseinandersetzung mit einem faktischen Aufruf zur Geschäftsschädigung auf die Familie Göbel zu verschieben, überschreite aber Grenzen. „Lassen Sie die Finger vom Göbels-Hotel und stellen sich wie wir anderen Demokraten der Region einer inhaltlichen Diskussion“, sagte Grunwald in Richtung des Aktionsbündnisses.

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