Mit Liebe zum Detail

Alfred Wächter hat das Rotenburger Spielzeug- und Puppenmuseum aufgebaut

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Tüftler: Alfred Wächter repariert auch Puppen, wie hier die Puppe mit dem Modellnamen Ursel der Manufaktur Schildkröt.

Rotenburg. Gefragt danach, was die Faszination von Puppen und altem Spielzeug ausmacht, muss Alfred Wächter überlegen, dann sagt er: „Früher war alles schöner.“

Was er damit meint, erklärt sich kurz darauf bei einem Rundgang durch das kleine Museum im ersten Stockwerk der Villa an der Rotenburger Bürgerstraße. Hier befindet sich seit über 20 Jahren Rotenburgs Puppen- und Spielzeugmuseum.

Alfred Wächter stammt aus dem Heringer Stadtteil Lengers, ließ sich bei Kali und Salz zum Betriebsschlosser ausbilden und arbeitete an verschiedenen Orten in Deutschland als Monteur, bevor er Anfang der 80er-Jahre seine heutige Frau kennenlernte. Sie brachte eine Puppenstube aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit in die Ehe, die Alfred Wächters Begeisterung weckte. Als Kind, sagt er, hatte er kaum Spielzeug. Jetzt, als erwachsener Mann, entdeckte er seine Leidenschaft dafür.

Charakterkopf: Der Kopf dieser Puppe des Herstellers Bruno Schmidt ist aus Porzellan und trägt Echthaar.

Alfred Wächter und seine Frau Karin besuchten Flohmärkte und Museen, knüpften Bekanntschaften und erwarben, soweit es das Budget zuließ, immer mehr Kostbarkeiten – viele aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, als Puppenstuben und Puppen vielfach produziert und gekauft wurden. Auf so manchen Luxus, verrät Wächter, haben er und seine Frau dafür verzichtet. Weitere Stücke, die seine Frau als Erbe erhielt, erweiterten die Sammlung. In ihnen reifte die Idee, ein eigenes Museum zu gründen, und in dem früher als „Schlösschen“ bekannten Gebäude fanden sie den richtigen Standort.

Es ist die Liebe zum Detail, die Alfred Wächter so viel Freude bereitet: der Gesichtsausdruck der Puppen, die aufwendig gestaltete Kleidung, die Verwendung kostbarer Materialien, die originalgetreue Nachbildung von Möbeln in Miniatur. „Es funktioniert alles“, schwärmt er. Nähmaschinen oder Herdplatten lassen sich tatsächlich bedienen. Kindern, die das Museum besuchen, erzählt er manchmal, die Puppen würden nachts zum Leben erweckt und hinterließen dann immer ein kleines Chaos, das er beseitigen müsse. Die Gästebücher des Museums verraten, dass Besucher aus aller Welt schon im Rotenburger Spielzeug- und Puppenmuseum zu Gast waren. Menschen aus China, Neuseeland und den USA schwärmen darin von der Schönheit des kleinen Museums.

Hintergrund: Wiege des Puppenbaus war in Thüringen

Ein besonders wertvolles Ausstellungsstück im Museum ist die Teddybärenwerkstatt aus der Zeit um 1900. Eine Firma, die damals Teddys produzierte, ließ die eigene Werkstatt zu Werbezwecken in Miniatur nachbauen. Zwischen winzigen Teddys sitzt hier eine ältere Dame an einer kleinen, aber funktionsfähigen Nähmaschine. Andere Puppenstuben zeigen Szenen aus Wohnzimmern, Küchen oder Geschäften mit Kasse, Waage und Verkaufsartikeln. Viele Puppen aus der Sammlung stammen aus Waltershausen und Umgebung in Thüringen, der Gegend, die als Wiege der deutschen Puppenindustrie gilt. Die Puppen wurden mit einem Kopf aus Porzellan und echtem Haar ausgestattet. Aufgrund der individuellen Gesichtsausdrücke werden diese Puppen auch Charakterkopfpuppen genannt, so Wächter. Das Spielzeug sei damals für die meisten Menschen unerschwinglich gewesen. Als Leihgabe beherbergt das Museum auch Spielzeug aus dem Erzgebirge, darunter der kleinste Nussknacker und das kleinste Räuchermännchen der Welt. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. (zmy)

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